Brigitte Ederer: "Das Schulsystem hat einen Output, den sich keine Firma leisten könnte"

© photonews.at/Georges Schneider

Elektroindustrie
07/10/2015

Obfrau Ederer fordert neue Bildungspolitik

Nachfrage nach Fachkräften in der Elektroindustrie steigt, Gesamtproduktion wächst um 2,6 Prozent.

von Franz Jandrasits

Die heimische Elektro- und Elektronikindustrie hat zwar das Vorkrisenniveau noch nicht ganz erreicht, segelt aber auf einem stabilen Wachstumskurs. Im Vorjahr stieg die Gesamtproduktion des zweitgrößten heimischen Industriezweigs um 2,6 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro (siehe Grafik). Der Zuwachs ist aber ausschließlich auf das Auslandsgeschäft zurückzuführen, die Exporte stiegen auf ein Fünfjahreshoch. Im Inland schrumpfte der Markt um 1,5 Prozent. Größter Exportmarkt blieb zwar Deutschland, das Wachstum in den USA war aber mit einem Plus von 11,4 Prozent deutlich höher.

Für heuer ist Fachverbandspräsidentin Brigitte Ederer zuversichtlich. Die gestiegene Bauelemente-Produktion (+ 8,7 Prozent) "ist ein Frühindikator für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung". Im Inland wird der Zuwachs auch heuer nur moderat ausfallen. Ederer: "Die öffentlichen Haushalte haben einen hohen Konsolidierungsbedarf." Dazu kämen die insgesamt schwachen Investitionen.

In den nächsten fünf Jahren erwartet Ederer große Herausforderungen für die Branche in Österreich. Der internationale Trend der Verlagerung der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zu den Produktionsstätten werde sich fortsetzen. Daher müsse – fordert Fachverbandsgeschäftsführer Lothar Roitner – Forschung und Forschungsförderung noch stärker ausgebaut werden.

Schul-Kritik

Herbe Kritik übt Ederer an der heimischen Bildungspolitik: "Das Schulsystem hat einen Output, den sich keine Firma leisten könnte", ätzt die ehemalige oberste Personalchefin des Siemens-Konzerns. Eines der Hauptprobleme sei die frühe Selektion, die die Chancengleichheit und den Bildungserfolg der Schüler reduziere. Stattdessen müsse man die Stärken der Kinder in einer gemeinsamen Schule bis zum 14. Lebensjahr fördern.

2020 werde es zusätzlich vier Millionen Arbeitsplätze für technische Fachkräfte in Europa geben, davon 40.000 in Österreich. Die weitere Digitalisierung (Stichwort Industrie 4.0) der Produktion werde den Bedarf an Arbeitskräften im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) weiter erhöhen. Die Politik würde sich aber seit Jahrzehnten mit Nebenschauplätzen aufhalten: "Wir diskutieren über zwei Stunden."

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