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Wirtschaft
07/20/2019

Eingenäht, im Kühlschrank oder hinter der Tapete: Das fast ewige Leben des Schilling

Noch immer wurden fast sieben Milliarden Schilling nicht in Euro umgewechselt.

von Christine Klafl

Klagenfurt, Neuer Platz. Ein Niederländer schleppt einen Kübel an, der voll mit Schilling-Münzen ist. Über einen Verein in seiner Heimat hat er jene Münzen eingesammelt, die Landsleute nach Österreich-Urlauben noch übrig hatten. Beim Stop des Euro-Busses der Nationalbank in Klagenfurt wurden die Münzen zu Euro-Scheinen. Die wiederum für Augen-Operationen in Afrika gespendet wurden.

1.127 Stationen

Wie jedes Jahr seit der Euro-Bargeldeinführung 2002 ist der Euro-Bus auch heuer wieder quer durch Österreich getourt – um Bares zu tauschen und über neue Euro-Scheine aufzuklären. 1.127 Stationen wurden seit Beginn absolviert. Den Mitarbeitern im Euro-Bus sind da etliche wunderliche Geschichten untergekommen. So kam bei einem Stop in St. Pölten eine Frau mit mehreren 100.000 Schilling zum Tauschen. „Ihre Mutter war verstorben und die Tochter hatte das Geld in Tupperware im Kühlschrank gefunden“, erzählt Maximilian Hiermann, Abteilungsleiter in der Nationalbank (OeNB).

Klassiker

Alte Häuser, in denen man beim Räumen Geldverstecke findet, zählen zu den Klassikern, die im Euro-Bus erzählt werden. Oder Geld, das in Kleidungsstücken eingenäht entdeckt wird. Zerknitterte Scheine in dicken Wälzern glätten wollen und dann vergessen? Auch schon oft vorgekommen. Selten, aber doch passiert: Beim Renovieren wurden hinter der Tapete Schilling-Banknoten gefunden. Auch die konnten noch in Euro getauscht werden, weil die entdeckten Scheine nicht allzu sehr zerstört waren.

Eimerweise

Eimer mit Münzen kommen den Euro-Bus-Mitarbeitern vergleichsweise oft unter. Das hat teilweise auch mit Brauchtümern zu tun. Früher etwa sparten Mädchen Groschen zusammen, um sich damit später die Hochzeitsschuhe zu kaufen. Selbst Zwei-Groschen-Stücke nimmt die Nationalbank noch zum Tausch an. Und das unbefristet, wie auch sämtliche Scheine jener Schilling-Serie, die vor der Euro-Bargeldeinführung im Umlauf war (siehe Grafik unten).

1.491 Schilling

Seit dem Start 2002 wurden via Euro-Bus bereits mehr als 620 Millionen Schilling in Euro getauscht. Im Durchschnitt wechselten die Kunden 1.491 Schilling pro Kopf. Dieser Betrag hat sich im Lauf der vergangenen Jahre konstant gehalten.

Sieben Milliarden

620 Millionen klingen zwar nach einer wirklich beträchtlichen Summe – sind aber nicht einmal ein Zehntel jener Schilling-Summe, die noch immer im Umlauf ist. Fast sieben Milliarden Schilling, umgerechnet mehr als eine halbe Milliarde Euro, sind noch „draußen“. Ein Teil davon wird vermutlich unwiederbringlich verloren sein, weil die Scheine etwa verbrannt sind. Einen Teil will die Nationalbank aber auch bei ihrer nächsten Bus-Tour wieder einsammeln.

„Diesen Dienstag in Eisenstadt ist ein Deutscher extra zu uns gekommen, um zu sagen, dass er das klasse findet, was die Nationalbank da macht“, erzählt OeNB-Mitarbeiter Hiermann. Die deutsche Bundesbank biete so einen Service nicht an. Zumindest bei der Bundesbank-Stellen selbst kann noch getauscht werden, und zwar unbefristet.

Drachmen & Co.

Wer von seinen Urlauben noch griechische Drachmen, französische Franc oder italienische Lira zu Hause hat, kann sie als Andenken aufheben, aber nicht mehr tauschen. Ihre Frist ist abgelaufen.

Bei den Kassen der Nationalbank in Wien und Innsbruck kann nach wie vor jederzeit getauscht werden. Man kann das Geld auch per Brief schicken. Was tatsächlich auch jetzt noch immer wieder passiert.

Rückblick auf den Schilling

Der Schilling wurde 1925 eingeführt und ersetzte damals die alte Währung der k.u.k.-Monarchie, die Krone. Bis 1938 war der Schilling das gesetzliche Zahlungsmittel Österreichs. Nur Tage nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde der Schilling durch die Reichsmark ersetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 galt wieder der Schilling als Zahlungsmittel. Anfang 2002 wurde der Euro als Bargeld eingeführt. Der Kurs: 1 Euro = 13,7603 Schilling.

Österreicher sind Bargeld-Fans

Könnten Sie in Zukunft auf Bargeld verzichten? Für eine Studie konfrontierte das Bankhaus ING  Konsumenten in 13 europäischen Ländern sowie in den USA und Australien mit dieser Frage. Dabei zeigte sich: Österreich ist die „Cash-Nation“ Nummer eins. Hier kann nur jeder Zehnte einer bargeldlosen Zukunft etwas abgewinnen.

Ausreißer Türkei

Im Europa-Durchschnitt können sich 22 Prozent vorstellen, künftig auf Bargeld zu verzichten. Ein Ausreißer ist die Türkei: Hier würden gleich 46 Prozent ohne Bargeld leben wollen.
Innerhalb Österreichs sind es vor allem die Steirer, die sich an das Bare klammern. Nur sieben Prozent wollen darauf verzichten. Dahinter folgen die Salzburger (acht Prozent) und Niederösterreicher (zehn Prozent). Mit 15 Prozent Zustimmung wirkten die Kärntner am progressivsten.

Altersfrage?

Das Hängen an Scheinen und Münzen ist nicht unbedingt eine Altersfrage. Auch die jüngeren Österreicher können sich für eine bargeldlose Zukunft nicht wirklich erwärmen. In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen würden nur 17 Prozent auf Bargeld verzichten. Damit liegt auch diese Gruppe noch deutlich unter dem allgemeinen Europa-Durchschnitt.

Alles Gewohnheit

Bereits zum dritten Mal in Folge seit 2017 wurden für die Studie auch typische Bezahlgewohnheiten abgefragt. Dabei zeigte sich, dass der Einsatz von Bargeld in Österreich konstant hoch ist. Kaffee und Snacks werden zu 85 Prozent bar bezahlt. In Restaurants liegt der Anteil der Barzahler bei 82 Prozent, in Taxis bei 70 Prozent und beim Einkauf von Lebensmitteln sind es 53 Prozent.

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