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Wirtschaft
06/02/2020

Lohnverhandlungen: Eine allerletzte Chance für die Laudamotion-Crews

Ryanair droht mit Billig-Offensive in Wien, die Belegschaft demonstrierte.

von Andrea Hodoschek

Im Kampf um die Basis Wien der Billig-Airline Laudamotion sind die Gräben tief. Die Wirtschaftskammer (WKÖ) forderte die Gewerkschaft Vida zu einem neuerlichen Verhandlungsversuch für einen billigeren Kollektivvertrag für Mittwoch auf. Der Mutterkonzern Ryanair verlängerte die Deadline für die Airbus-Basis und die 500 Mitarbeiter bis Mittwoch.

Dass Mitarbeiter gegen die Gewerkschaft demonstrieren, dürfte bisher in Österreich noch nicht vorgekommen sein. Mehr als hundert Piloten und Flugbegleiter versammelten sich in ihren Univormen vor der Parlamentsbaustelle und marschierten zu den beiden Parlaments-Pavillons am Heldenplatz. Sie appellierten an Vida, dem KV zuzustimmen. Die vom Management abgelehnte Betriebsratschefin Kerstin Hager sagte dazu jedoch, sie sei erschüttert, wie das Unternehmen die Belegschaft „für Propagandazwecke missbraucht“. Bord-Kollegen hätten sie informiert, in den Tagen vor der Demo hätte es geheißen, eine Teilnahme werde Seitens des Unternehmens mit Wohlwollen aufgenommen. Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber dementierte.

Vida betonte wieder die Verhandlungsbereitschaft.

Derzeit hängt der Betriebs-KV für Laudamotion, den WKÖ und Vida ausverhandeln müssten, nur noch an Details. Bei den Flugbegleitern stimmte die Gewerkschaft einem Krisenbeitrag von zehn Prozent Lohnreduktion bis 2023 zu. Die Gespräche scheiterten am Einstiegs-Grundgehalt (ohne Flugstunden). Ryanair besserte zuletzt auf 1371 Euro brutto im Monat nach, Vida fordert 1440 Euro. Hier handelt es sich um ein Grundgehalt, falls keine einzige Flugstunde im Jahr absolviert wird. Kein einziger Mitarbeiter werde so wenig fliegen, argumentiert Gruber. Für den Fall einer weiteren Pandemie gebe es ohnehin Kurzarbeit.

Laudamotion hat die Kurzarbeit für die Belegschaft allerdings bereits abgemeldet und die Mitarbeiter "vorsorglich" zur Kündigung angemeldet.

Solidaritätsbeitrag gescheitert

Bei den Piloten waren sich die Verhandlungspartner über einen Solidaritätsbeitrag einig. Kapitäne hätten 500 Euro ihres Jahresgehalts an die Co-Piloten abgegeben. Doch Ryanair lehnte ab. Auch in Kapitänskreisen wurde kritisiert, man verzichte ohnehin schon auf mehr als 30 Prozent Einkommen. Kapitäne würden im neuen KV 117.380 Euro im Jahr verdienen, Co-Piloten 48.000 bis 63.000 Euro.

Der Vorschlag des Unternehmens, Diäten künftig nicht imorhinein auszuzahlen, wurde von der Gewerkschaft abgelehnt.

Hinter den Kulissen versucht sich derzeit Luftfahrt-Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP) als Mediator.In die KV-Verhandlungen könne sich die Politik aber nicht einmischen, heißt es.

Billig-Offensive

Scheitert der neue KV, will Ryanair ab 1. Juli ab Wien 64 Destinationen anfliegen. Mit den drei in Wien stationierten Boeing 737 sowie weiteren 15 Flugzeugen aus Ryanair-Stationen quer durch Europa. Geplant sind Ferienziele wie Griechenland, Isreal, Italien und Spanien genauso wie Business-Destinationen, von Brüssel bis Warschau. Zu wesentlich niedrigeren Ticketpreisen als die staatlich unterstützte AUA, wird in der schon fertigen Presseaussendung von Ryanair-CEO Eddie Wilson betont. Das sei nur der Anfang, Ryanair werde das Flugprogramm innerhalb der nächsten zwei Jahre weiter ausbauen.

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