Ex-Casinos-Chef Leo Wallner gestorben

ARCHIVBILD: LEO WALLNER
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Leo Wallner war jahrzehntelang für die Casinos und den Sport tätig.

Der ehemalige Spitzenmanager ist in der Nacht auf Mittwoch in Wien gestorben.

Leo Wallner ist tot. Das wurde dem KURIER aus Kreisen der Familie bestätigt. Wallner stand fast 40 Jahre lang – von 1968 im Auftrag des damaligen Bundeskanzlers Josef Klaus bis zu seiner Pensionierung 2007 – an der Spitze der Casinos Austria. 1986 übernahm er auch den Chefsessel der Österreichischen Lotterien.

CasinoBaden_Eröffnung_03-95 (7).jpg Foto: Casinos Austria AG Casino Baden 1995 (vlnr: Erwin Pröll, Naomi Campbell, Leo Wallner, Bgmst. August Breininger, Ernest Gabmann, Wolfgang Schüssel) Die Casinos konnte er in all den Jahrzehnten von einem halbseidenen Unternehmen in einen Konzern mit Bedeutung über die Grenzen hinaus umformen. So ist die Gruppe einer der größten Steuerzahler des Landes. Mit Vehemenz und Nachdruck verteidigte er das Glücksspielmonopol der Casinos, zuletzt 2006 gegen eine Initiative des damaligen Finanzministers Karl Heinz Grasser. Dieses fiel zwar inzwischen, doch neue Anbieter sind wegen Rechtsstreitigkeiten noch immer nicht an den Start gegangen.

Weniger gut lief die internationale Expansion der Casinos. Ableger in Argentinien, Australien, Griechenland und Palästina erzielten nie die gehofften Gewinne (was zum Teil aber an den politischen Umständen lag) und wurden geschlossen bzw. verkauft.

Ursprünglich wollte der am 4. November 1935 in Amstetten geborene Wallner Priester werden. Nach dem erfolgreichen Studium an der Wiener Hochschule für Welthandel arbeitete er am Institut für angewandte Sozial- und Wirtschaftsforschung. Von 1964 bis 1967 beriet er Kanzler Klaus in Wirtschaftsfragen.

Sport

WALLNER KLAMMER Foto: /Martin Gnedt Leo Wallner mit Franz Klammer Der begnadete Netzwerker galt auch der Sportszene zugetan, nicht zuletzt sind Casinos bzw. Lotterien auch Sponsoren. 1990 wurde Wallner Präsident des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) und 1998 auch Mitglied des Internationalen Olympischen Comités (IOC). 2009 trat er jedoch als Präsident des ÖOC zurück. (2014 aus Altersgründen auch aus dem IOC).

Grund war das Bekanntwerden von finanziellen Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Bewerbung Salzburgs für die Olympischen Winterspiele 2014. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, stellte das Verfahren jedoch ein.  Im Dezember des Vorjahres wurde er zum IOC-Ehrenmitglied gewählt und mit dem Olympischen Orden ausgezeichnet.

ARCHIVBILD: LEO WALLNER Foto: APA/GEORG HOCHMUTH Verstrickt war Wallner zuletzt auch in ein Verfahren wegen illegaler Parteienfinanzierung gegen den ehemaligen BZÖ-Obmann Peter Westenthaler. 2006 erfolgte eine Zahlung von 300.000 Euro der  Lotterien an das BZÖ.Dass der damalige BZÖ-Obmann in diese Vorgänge verwickelt war, war nach Ansicht des Gerichts aber nicht nachweisbar, Westenthaler wurde freigesprochen. Unmittelbarer Täter, der die Zahlung angewiesen haben dürfte, sei vermutlich Wallner gewesen, hieß es. Wallner war aber aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustands nicht mehr verhandlungs- und vernehmungsfähig.

In seiner knappen Freizeit widmete sich Wallner dem Lesen, dem Theater und dem Sport. Ins Casino ging er privat nicht. Der Manager war 21 Jahre lang in zweiter Ehe mit der Kammersängerin Elisabeth Wallner-Kales verheiratet (aus erster Ehe entstammt ein Sohn und eine Tochter), die 2005 an Krebs verstarb. Der Ehe entstammt ein Sohn. 2007 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich. Sein letzter öffentlicher Auftritt war zum Abschied von Friedrich Stickler als Lotterien-Chef Ende Juni.

Reaktion

Casinos-Chef Stoss: "Visionär und Vorreiter"

Casinos-Austria-Konzernchef Karl Stoss hat am Mittwoch seinen 79-jährig verstorbenen Vorgänger Leo Wallner als "Visionär und Vorreiter" gewürdigt. "Nicht nur unsere Unternehmensgruppe, sondern ganz Österreich verliert mit Leo Wallner eine beeindruckende und prägende Persönlichkeit", teilte Stoss in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Stoss erinnerte in seiner Funktion als Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) auch an die sportlichen Verdienste Wallners, der bis 2009 selbst an der Spitze des ÖOC gestanden hatte. "Er hat stets mit Würde und mit vollem Einsatz die Interessen des österreichischen Sports auf nationaler Ebene, auf internationaler Ebene und innerhalb des Internationalen Olympischen Komitees vertreten. Wir verlieren mit ihm einen ganz großen Förderer", so Stoss. Das ÖOC werde Wallner stets ein ehrendes Andenken bewahren.

ORF Sport + ändert anlässlich Wallners Ableben sein Programm. Der Spartensender zeigt heute, Mittwoch, um 20.15 Uhr einen Nachruf.

(kurier) Erstellt am
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