E-Control beeindruckt: Das hat die Spritpreisbremse bisher tatsächlich gebracht
Mann zieht Zapfhahn an einer Tankstelle.
Zusammenfassung
- E-Control zieht nach einer Woche Spritpreisbremse eine positive Bilanz: Margen wurden wie vorgesehen reduziert, Preise vor allem bei großen Ketten deutlich gesenkt.
- Die Preisdifferenz zu Deutschland hat sich umgekehrt, und die Preise von großen und kleinen Tankstellen haben sich durch die Maßnahme stark angeglichen.
- Tankstellenbetreiber kooperieren bei der Umsetzung, nach Auslaufen der Bremse könnte sich die alte Wettbewerbssituation wieder einstellen.
Eine Woche nach Inkrafttreten der Spritpreisbremse hat die E-Control ein erstes Resümee über die Wirkung der Kostensenkungsmaßnahme gezogen. Die Regulierungsbehörde, die die Einhaltung der Margenbegrenzungsverordnung (so die juristisch korrekte Bezeichnung) kontrolliert, zeigt sich beeindruckt. Das Niveau der Preissenkungen sei „nicht schlecht“, so Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der E-Control. Die Spritpreisbremse habe die von der Regierung erhoffte Wirkung erzielt.
10 Cent Reduktion wird im Großen und Ganzen erreicht
„Die Notierungen bei den Treibstoff-Großhandelspreisen sind runtergegangen, die Tankstellenpreise noch mehr.“ Dazwischen sehe man eine Margensenkung von rund 10,5 Cent pro Liter Diesel und 18 Cent pro Liter Super-Benzin. Das korreliert ziemlich mit jenen 10 Cent Einsparung, die die Regierung versprochen hat. Bei Benzin läuft es sogar so „super“, dass das Ziel übertroffen wird.
Preise gegenüber Deutschland jetzt deutlich günstiger
Um die Wirkung der Spritpreisbremse zu überprüfen, hat die E-Control mehrere Berechnungsmodelle verwendet. Verglichen mit Deutschland (wo es keine preisdämpfenden Maßnahmen gibt) lag der heimische Dieselpreis am 30.3., vor der Spritpreisbremse, um 5 Cent/Liter höher. Am 6.4. war der Diesel in Österreich um 5 Cent/Liter billiger. Der Benzinpreis war davor bereits um 3,9 Cent niedriger, nun ist Superbenzin aber um 15,5 Cent günstiger.
Tankstellen wurden in Gruppen eingeteilt
Um die Preisreduktion alleine im Inland zu analysieren, hat die E-Control Daten von Treibstoff-Inverkehrsetzern (Raffinerie, Tanklager-Betreiber), sowie gemeldete Tankstellenpreise in der Spritpreistransparenzdatenbank analysiert. Tankstellen wurden dabei in 3 Gruppen eingeteilt. Gruppe 1 (1.090 Tankstellen) umfasst Standorte, die große Tankstellen-Ketten selbst betreiben. Gruppe 2 (884 Tankstellen) haben Pächter, die an mindestens 30 Standorten bekannte Tankstellenmarken nutzen. Zu Gruppe 3 (1.291 Tankstellen) zählen kleine Betreiber, die entweder nur eine oder mehrere (unter 30) Tankstellen besitzen.
Die „Großen“ sind nun so günstig wie die „Kleinen“
Die Margenbegrenzungsverordnung gilt für die Gruppen 1 und 2. Bei der Gruppe 3 wurde angenommen, dass sie ihre Preise aus Wettbewerbsgründen an erstere beiden Gruppen anpasst. Bei Gruppe 1 betrug die Preissenkung im Median 18 Cent/Liter bei Diesel, 21 Cent bei Benzin. In Gruppe 2 sah man eine Senkung bei Diesel um 5 Cent, bei Benzin um 16 Cent. Gruppe 3 hinkte mit minus 3 Cent bei Diesel und minus 10 Cent bei Benzin hinterher. Die Preise von kleinen – oftmals im Diskontsegment tätigen – Tankstellen und größeren Betreibern haben sich also durch die Spritpreisbremse angeglichen.
Das sei eine bemerkenswerte Entwicklung, sagt Mayer. „Bisher hat die Gruppe 3 dafür gesorgt, dass Preise niedrig bleiben. Jetzt kann es sein, dass diese Gruppe keinen Spielraum mehr nach unten hat. Wir müssen schauen, wie sich das weiterentwickelt.“ Die Verordnung sehe eine Evaluierung vor, bei der die Wettbewerbsfähigkeit kleiner Betreiber berücksichtigt werde.
Kooperation der Tankstellenbetreiber war vorbildlich
Sehr positiv sei, dass sich Tankstellenbetreiber sehr kooperativ zeigen, was die Umsetzung der Spritpreisbremse anbelangt und günstige Preise von Inverkehrsetzern im Allgemeinen tatsächlich an Tankstellenkunden weiterreichen. Die Senkung der Mineralölsteuer (MöSt) habe mittlerweile auch voll durchgeschlagen, nachdem Tankstellen ihre eigenen Tanks mit nun steuerreduziertem Treibstoff aufgefüllt haben.
Auslaufen der Bremse könnte Lage zuvor wiederherstellen
Ob die Maßnahme, dass Tankstellen ihre Preise nun nur noch drei Mal pro Woche erhöhen dürfen, eine preisdämpfende Wirkung gehabt hat, kann die E-Control nicht beurteilen. Die Kontrolle der Margen mache sie jedenfalls komplizierter, so Mayer. Sollte die Spritpreisbremse wie geplant Ende April auslaufen, erwartet der Experte, dass sich „die alte Struktur“ im Wettbewerb der Tankstellen wieder einstellt. Markentankstellen könnten also wieder teurer werden. Aber was genau passieren werde, könne man nicht sagen, so Mayer: „Das wäre Kaffeesudlesen.“
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