Spritpreisbremse: "Kasperltheater auf dem Rücken der Autofahrer"

Um 12 Uhr trat in Österreich die neue Spritpreisbremse in Kraft. Benzin und Diesel wurden vielerorts auf einen Schlag rund 10 Cent billiger. Ein Lokalaugenschein.
Tankstelle nach Spritpreisbremse

Ab sofort gelten in ganz Österreich neue Regeln für Spritpreise. Bereits seit rund drei Wochen dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch dreimal pro Woche – jeweils zu Mittag – erhöhen. Mit der nun in Kraft getretenen „Spritpreisbremse“ greift der Staat direkt in die Preisgestaltung ein.

Am Donnerstag um Punkt 12 Uhr trat die Maßnahme in Kraft: Die Mineralölsteuer wird um fünf Cent pro Liter gesenkt, gleichzeitig werden die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne in gleichem Ausmaß begrenzt. Für Konsumentinnen und Konsumenten soll sich daraus ein Preisnachlass von insgesamt rund zehn Cent pro Liter ergeben – eine durchschnittliche Tankfüllung wird damit um etwa fünf Euro günstiger.

Unmittelbar wirksam wird die Preisbremse zunächst nur bei jenen Tankstellenketten der großen Mineralölkonzerne – etwa OMV, BP oder Shell –, die über eigene Raffinerien verfügen. Freie Tankstellen hingegen dürfen bestehende Lagerbestände noch zu den bisherigen Konditionen abverkaufen und werden die Entlastung daher erst zeitverzögert an die Kundschaft weitergeben. Autobahn-Tankstellen sind von der Regelung zudem ausgenommen.

Lokalaugenschein in Wien

Keinen Ansturm hat die Spritpreisbremse jedenfalls bei der OMV-Tankstelle Muthgasse/Gundoldstraße in Wien-Döbling ausgelöst. Der Kassierin sei zwar "aufgefallen, dass ab 12 Uhr mehr Kunden gekommen sind", der Zustrom habe sich aber in Grenzen gehalten. "Die Spritpreisbremse hat niemand als Grund genannt." Das sagen auch zwei Autofahrer, die die Tankstelle ansteuern - sie hätten von dieser nämlich noch gar nichts mitbekommen.

Redakteurin Verena Richter hat außerdem bei der BP-Tankstelle in der Erzherzog-Karl-Straße im 22. Bezirk nachgesehen, wie die Stimmung ist. Dort liegt der Preis um 11:55 Uhr für Diesel noch bei 2,289,-. 
Tankstelle

Preise um 11:55 Uhr 

Fünf Minuten später ändert sich das. Dann springt er nämlich auf 2,169,-. 
Tankstelle um 12 Uhr

Preis ab 12 Uhr

Eine Autofahrerin kommt kurz nach 12, weil der Tank leer ist - und nicht wegen der Preisbremse. Die bringe eh nur kleine Cent-Beträge, am besten wäre es, das Auto ganz stehen zu lassen, meint sie: "Aber das geht auch nicht immer." 

Wir haben nachgerechnet: Bei dieser Tankstelle macht der Unterschied genau 6 Euro für einen 50 Liter. Tank aus. Statt 114,45 Euro fünf Minuten vor zwölf Uhr kostet die gleiche Menge nach Mittag 108,45 Euro.

Ein anderer Autofahrer rollt an und erzählt, dass die Spritpreisbremse für ihn uninteressant ist, da sich der Preis nur minimal ändern würde. Er fährt am Wochenende lieber nach Slowenien, um dort zu tanken. Dort sei der Tank um 50 Cent günstiger. 

Hier ist jedenfalls auch kein Ansturm zu erkennen. Redakteurin Stephanie Angerer war zudem bei einer Turmöl-Tankstelle in Wien-Josefstadt. Auch dort war es um die Mittagszeit sehr ruhig, ein Auto ist gerade eingebogen, der Tankwart kam aus seinem Stüberl und ging entspannt zu der Frau, die "einmal volltanken" geordert hat. 

Avanti in Stegersbach

Avanti in Stegersbach

Blick ins Burgenland

Ein Lokalaugenschein in Stegersbach von Redakteur Gernot Heigl zeigt, wie sich die neue Regelung hier unmittelbar auf die Preise auswirkt. Bei zwei nur rund 700 Meter voneinander entfernten Tankstellen lagen die Dieselpreise kurz vor Mittag noch deutlich höher.

Um 11.50 Uhr kostete Diesel bei Turmöl 2,199 Euro, bei Avanti sogar 2,289 Euro. Nach Inkrafttreten der Maßnahme sanken die Preise: Bei Turmöl auf 2,138 Euro, bei Avanti auf 2,169 Euro. Auffällig ist dabei, dass die Preise kurz vor Mittag nochmals angehoben wurden.

Turmöl in Stegersbach

Ein 28-jähriger Autofahrer zeigt sich wenig überzeugt: „Die Reduzierung ist lieb, aber unterm Strich lächerlich. Ein politisches Kasperltheater auf dem Rücken der Autofahrer …“

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