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Wirtschaft

Düstere Aussichten: Der Traum vom Eigenheim platzt

Krise am Bau. Zuerst verteuerten sich die Baumaterialien, nun ziehen die Kreditzinsen an. Für viele Familien wird das „Häuslbauen“ damit unfinanzierbar

von Ulla Grünbacher

10/03/2022, 06:10 PM

In den vergangenen Jahren wurde gebaut und gekauft als gäbe es kein Morgen. Die Kreditzinsen waren niedrig wie nie, auch die Vergabe der Kredite war locker. Betongold in aller Munde. Das ändert sich nun drastisch. Die spürbar höheren Zinsen, die sprunghaft gestiegenen Baukosten und neue Finanzierungsvorgaben setzten dem Wohnboom ein jähes Ende.

 Markt beginnt sich zu drehen

Die Nachfrage nach Eigentum sei von einem „unglaublich hohen Niveau“ nun zurückgegangen, so der Maklerverbund Remax. Der Grund dafür ist, dass sich die wirtschaftliche Situation für viele potenzielle Käufer rapide verschlechtert. Der Markt beginnt sich zu drehen. Das zeigt sich auch an den Zahlen: Die Baubewilligungen sinken. Wurden im ersten Quartal 2021 noch 19.103 Häuser und Wohnungen bewilligt, so waren es im ersten Quartal 2022 nur noch 13.871 neue Einheiten. Aber auch die Grundstückstransaktionen sinken – kein Wunder, wer sich kein Haus leisten kann, braucht schließlich auch keinen Baugrund.

Stark steigende Baukosten

Ausgelöst wurde die Trendwende auch durch steigende Preise für Baumaterialien, hinzu kam die Verteuerung bei den Kosten für Strom und Gas. „Die Energiekosten wirken sich dramatisch auf den Preis von Baumaterialien aus, da die meisten sehr energieintensiv hergestellt werden“, sagt Hans Jörg Ulreich, Sprecher der österreichischen Bauträger in der Wirtschaftskammer. Während gewerbliche und gemeinnützige Bauträger neue Projekte auf die lange Bank schieben oder die Mehrkosten einpreisen, wird der Hausbau für viele private Bauherren unleistbar.

Der Hauptgrund für viele Baustopps ist die Finanzierung. Mit 1. August sind neue Kredit-Richtlinien in Kraft getreten, die vielen Menschen den Zugang zu Finanzierungen verwehrt.

20 Prozent Eigenkapital für Kredit

Konkret gilt nun, dass Käufer 20 Prozent des Kaufpreises in Form von Eigenkapital nachweisen müssen, die monatliche Kreditrate maximal 40 Prozent des monatlich verfügbaren Nettohaushaltseinkommens ausmachen und die Laufzeit der Finanzierung 35 Jahre nicht übersteigen darf. „Die geänderten Kreditrichtlinien in Kombination mit einer kräftigen Zinserhöhung führen dazu, dass bis zu 50 Prozent der Kunden keine Kredite mehr bekommen“, sagt Hans Jörg Ulreich. Die Kreditzinsen sind seit Jahresbeginn kräftig gestiegen. Laut Vergleichsportal Durchblicker haben sich die Fixzinsen seither verdoppelt bis beinahe verdreifacht. Für Kreditnehmer bedeutet das hohe monatliche Mehrkosten.

Wer heute über einen neuen Kredit die eigenen vier Wände finanziert, muss deutlich mehr von seinem Einkommen für die Raten abzwacken. „Gerade Jungfamilien sind mit den neuen Regelungen vom Eigentumserwerb regelrecht abgeschnitten. Viele von den jetzt ausgeschlossenen Eigenheimnutzern hätten sich gern Eigentum geleistet, schaffen aber die neuen Rahmenbedingungen nicht. Auch Michael Pisecky, stellvertretender Obmann des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer, macht darauf aufmerksam, dass Familien, die ihre Wohnsituation verbessern wollen, vor einem Problem stehen. Denn bis die Wohnung verkauft ist und mit dem Erlös der Großteil das neue Einfamilienhaus finanziert werden kann, müsse die gesamte Summe zwischenfinanziert werden – das gehe sich finanziell für die meisten Häuslbauer nicht aus.

Die Auswirkungen: 

Die Folgen sind: Wer nicht erbt, tut sich schwer, den Hausbau zu finanzieren. Wer nicht schon mitten in den Arbeiten für den Bau des Eigenheims steckt, wartet jetzt lieber ab, wie sich die Situation weiter entwickelt. „Viele Grundstückskäufer, die den Traum hatten, einen Neubau zu errichten, orientieren sich – aufgrund der massiv gestiegenen Baukosten und der Tatsache, dass sie dafür keine Finanzierung mehr bekommen – neu“, sagt Remax-Geschäftsführer Bernhard Reikersdorfer.  Der Markt für gebrauchte und damit günstigere Einfamilienhäuser rückt nun verstärkt in den Fokus. Das nach eigenen Vorstellungen errichtete Traumhaus muss hingegen zunehmend warten. Mit schweren Auswirkungen für die Baubranche.

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