Ex-Tennisstar Dominic Thiem: "Investieren ist viel Risiko – wie Sport auch"

Der Ex-Tennisstar ist heute Unternehmer. Im Interview spricht er über riskante Investitionen, Fleisch aus dem Labor und seine Energie-Erzeugergemeinschaft.
Ein junger Mann mit kurzem dunklem Haar sitzt entspannt vor einer gepolsterten, beigen Wand und lächelt leicht.

Er gehörte zur Tennis-Weltspitze, heute ist Dominic Thiem Unternehmer und Investor. Der KURIER hat den 32-Jährigen in seinem Büro in Wien besucht und mit ihm über seine Karriere nach der Karriere gesprochen.

KURIER: Als Spitzensportler weiß man, dass die Karriere irgendwann enden wird. Wann haben Sie angefangen, sich Gedanken über die Zeit danach zu machen?

Dominic Thiem: Bei mir war das eher gegen Ende der Karriere. Da gab es Momente, in denen ich gemerkt habe, dass meine beste Zeit vorbei ist. Das lag vor allem an meiner Verletzung. Außerdem wusste ich immer, dass ich nicht spielen möchte, bis ich 40 Jahre alt bin.

Welche waren Ihre ersten Investments?

Das erste Investment war Neoh. Das Unternehmen war damals noch recht neu. Sie haben mir eine eMail geschrieben und gefragt, ob ich investieren und Markenbotschafter werden möchte. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich die Vision sinnvoll fand – nämlich den Zuckerkonsum im Alltag zu reduzieren. Am Platz ist es klar, dass man Zucker braucht. Das war noch während meiner Top-Zeit, aber es hat mir als erster Schritt für alles geholfen, das danach gekommen ist.

Wie wichtig ist es für Sie bei neuen Investments, dass diese auch zu Ihrer eigenen Marke passen?

Das ist sowieso das Wichtigste, dass es nichts ist, wofür ich mich verstellen muss. Und dass es mich wirklich interessiert. Für mich war relativ schnell klar, dass ich in drei Bereichen investieren möchte: Nachhaltigkeit, Gesundheit und Sport. Heute haben alle meine Investments mit einer dieser drei Säulen zu tun.

Zwei Personen sitzen in Sesseln vor einem Bücherregal und unterhalten sich.

Thiem im Interview mit KURIER-Redakteurin Marlene Liebhart.

Was konnten Sie aus dem Sport mitnehmen?

Ich würde sagen, die Resilienz. Und auch das Wissen, dass ziemlich sicher keine Phasen mehr kommen, die so stressig sind wie damals. Bei einem zweiwöchigen Grand-Slam-Turnier ist man als Sportler komplett am Limit. Dass es vermutlich nie mehr so stressig wird, hilft schon sehr auf dem neuen Weg.

Und welche Hürden gibt es, wenn man vom Spitzensport kommt und dann zum Unternehmer wird?

Während meiner Tennis-Karriere habe ich oft meinen eigenen Willen durchgesetzt und war egoistisch, weil das in einem Individualsport wie Tennis auch einfach notwendig ist. Ich hatte zwar ein Team, aber bin letztendlich immer allein auf den Platz gegangen, habe dort meine Entscheidungen getroffen und war dafür verantwortlich. Diese Dynamik hat sich völlig verändert. Heute ist mein Team für mich unglaublich wichtig. Wir treffen auch jede Entscheidung gemeinsam. Ich will gar nicht alles selbst entscheiden, weil mir ihre Meinungen wichtig sind.

Ihr Bruder gehört zu Ihrem Kernteam, Ihr Vater leitet die Thiem Academy im Burgenland. Wie wichtig ist Ihnen Familie im Unternehmen?

Sehr wichtig. Meiner Familie kann ich absolut vertrauen. Auch dass mein Vater die Thiem Academy Burgenland leiten soll, war ganz klar. Immerhin ist er seit bald 30 Jahren Tennistrainer und hat einiges an Erfahrung.

Unter „Thiem Energy“ betreiben Sie unter Ihrem Namen eine Bürgerenergiegemeinschaft. Wie ist dieses Projekt entstanden?

Unser Geschäftspartner ist mit einer Sponsoring-Anfrage für seine Firma auf uns zugekommen.  Wir haben auch sonst viele Gespräche geführt. Das war alles zu dem Zeitpunkt, als ich schon entschieden hatte, dass meine Karriere als Profisportler enden wird. Und dann ist Thiem Energy entstanden mit dem Hintergedanken, etwas Sinnstiftendes zu schaffen mit cooler Community  und Menschen beim Thema Stromkosten zu unterstützen.

Und dann gibt es noch die Sonnenbrillenmarke Thiem View. Da scheinen bei Ihrem Partner Wutscher alle Modelle ausverkauft. Kommt da noch etwas?

Ja, da kommt noch heuer im Frühling eine ganz neue Kollektion. Die wird richtig cool. Ich liebe ja Sonnenbrillen  seit ich jung war. Und unsere Kollektion passt super zu den drei Säulen: Die Brillen sind nachhaltig, wichtig für die Augengesundheit und – jetzt neu – für Sport geeignet.

Eines Ihrer neuesten Investments ist das deutsche Unternehmen Precision Lab, das Milchprodukte mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Zutaten herstellt. Was hat Sie an dieser Idee gereizt?

Ich interessiere mich seit vielen Jahren für die Ernährung der Zukunft und das Thema Laborfleisch. Precision Lab hat mich angefragt, dann habe ich das Team in München getroffen und die Milch verkostet. Da war für mich gleich klar, dass ich da unbedingt dabei sein will. Ich hoffe, dass das einmal den gesamten Markt völlig verändern wird und so unseren Planeten wieder ein Stückchen gesünder macht.

Viele Start-ups werden nicht erfolgreich. Wie gehen Sie mit Investments um in Unternehmen, die dann doch scheitern?

Ich weiß, dass beim Investieren viel Risiko dabei ist. Ich kann nicht erwarten, dass jedes Investment aufgeht. Mir geht es darum, dass ich mit gutem Gefühl  hineingehe. Wenn einmal ein Unternehmen scheitert, ist das extrem schade. Aber das verbindet das Investieren auch mit dem Spitzensport. Wenn ich als Zehnjähriger anfange, Tennis zu spielen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich Profi werde und eine erfolgreiche Karriere habe, sehr gering. Bei Start-ups kann das ähnlich sein.

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