DO&CO-Gründer und Chef Attila Dogudan auf der Terrasse seiner Restaurants im Haas-Haus am Wiener Stephansplatz

© Kurier / Franz Gruber

wirtschaft von innen
09/12/2020

DO&CO-Chef Dogudan: "Wir müssen die Drehzahl erhöhen"

Wie der börsenotierte Gourmetkonzern neu aufgestellt wird und was Dogudan mit Bayern München plant.

von Andrea Hodoschek

Airline-Catering, Restaurants, Sport-Events – Corona hat den Konzern schwer getroffen. Gründer und Chef Attila Dogudan ist zuversichtlich, investiert und hat viele neue Ideen.

KURIER: Auf der Hauptversammlung sprachen Sie von Licht am Ende des Tunnels. Wie hell ist das Licht?

Attila Dogudan: Wir sind von einer Milliarde Umsatz auf Null gefahren, in allen 20 Ländern. Damit konnte niemand rechnen. Aber es wird schon wieder heller. Unsere Restaurants sind komplett auf dem Niveau von 2019, teilweise sogar besser.

Was ist der Grund dafür?

Wir haben die richtige Strategie. Qualität, Innovation und Flexibilität. Wir sind hier sehr auf den österreichischen Gast fokussiert, nicht auf Touristen, und halten uns extrem an die Regeln der Regierung. Das kommt zurück. Die Kunden sagen, wenn sie ausgehen, dann dorthin, wo am meisten aufgepasst wird. Es gibt natürlich nie eine Garantie, wir testen sogar unsere Mitarbeiter einmal pro Woche.

Auch in der Formel 1?

Die Weltpremiere nach dem Shutdown war in Österreich. Wir catern alle Teams, in Summe sind das so viele Gäste wie vorher VIP-Kunden. Über kurz oder lang werden die Stadien aufgehen, möglicherweise nicht mit hundertprozentiger Kapazität, aber doch. Der Motor, der komplett abgestellt war, ist wieder angesprungen, läuft aber mit geringerer Drehzahl. Jetzt müssen wir vorsichtig die Drehzahl erhöhen.

Das Airline-Business ist am stärksten betroffen?

Stimmt, das ist derzeit nicht sehr erfreulich, aber das Geschäft kommt wieder. Fragt sich nur, ob da dazwischen noch eine Delle kommt. Wir wissen alle nicht, was bis Dezember passiert. Doch in der Sekunde, in der es eine Impfung gibt, wird Jeder fliegen wollen, was das Zeug hält. Die Menschen vergessen schnell und wollen alles tun, was sie versäumt haben – vor allem Reisen.

Immer noch mit dem Flugzeug?

Fliegen ist immer noch die bequemste und sicherste Art des Reisens.

Wann rechnen Sie wieder mit dem Normalzustand?

2020 können wir sowieso abhaken. Ich persönlich glaube, dass der Konjunkturmotor im Frühjahr-Sommer 2021 anspringen wird. Die Frage ist nur, wer bezahlt für die Ausgaben dazwischen?

Sie meinen das Budget?

Staat und Unternehmen sitzen im selben Boot. Der Staat muss dafür sorgen, dass die Unternehmen 2020 und 2021 lebensfähig bleiben und wieder Arbeitsplätze schaffen. Und zwar jene, die vor der Krise gesund waren. Wir brauchen in der Gesellschaft mehr Bewusstsein, dass der Motor für Arbeitsplätze die Unternehmen sind. Die Kurzarbeit hat aber sehr, sehr geholfen.

Welches Problem haben Sie mit der Gewerkschaft, die Sie zuletzt wegen des Demel wieder attackiert hat?

Fragen Sie lieber, welches Problem die Gewerkschaft mit uns hat. DO&CO ist einer der größten und bestzahlenden Arbeitgeber in Österreich. Der Demel ist zu 90 Prozent von ausländischen Touristen abhängig. Wenn kein Flugzeug mehr landet und die Hotels leer sind, was sollen wir dann tun? Mir tut es um jeden einzelnen Mitarbeiter leid. Wir haben leider 30 Mitarbeiter im Demel kündigen müssen, aber wer redet darüber, dass wir 9.000 von 12.000 Mitarbeitern gehalten haben.

Bleiben wir beim Demel.

Wir werden den Demel komplett neu positionieren. Der Demel könnte ohne DO&CO nicht bestehen. Wir werden auch am Abend offen halten und ein breites Gastronomie-Portfolio anbieten. Natürlich mit den berühmten Demel-Torten, aber auch mit Wiener Spezialitäten. Die Wiener bekommen den Demel zurück.

Lassen Sie Ihre Schanigärten im Winter offen?

Wo ist das Problem? Die Politik darf sich nicht anmaßen, Schanigärten nicht zu bewilligen. Die Gastronomie braucht die Schanigärten zum Überleben, das ist kein städtebildnerischer Schönheitswettbewerb. Die Gäste wollen das Gefühl, genug Luft zu haben.

Sie sind ein sehr kreativer Unternehmer. Neue Ideen?

Wir wollen näher an die Einzelkunden. Derzeit arbeiten wir an einer App, über die Airline-Kunden bis eine Stunde vor Abflug Essen bestellen können, das dann an den Sitzplatz serviert wird. Viele Fluglinien sind auf der Langstrecke in der Economy extrem budgetorientiert und bieten eine überschaubare Qualität, mit der die Passagiere nicht zufrieden sind. Die Passagiere sollen selbst entscheiden, was sie essen und wie viel sie dafür ausgeben.

Und am Boden?

Im Oktober starten wir mit "The Lazy Chef" – Abholgerichte, die zu Hause finalisiert werden. Vorerst mit sechs Shops in Wien. In München eröffnen wir im Dezember neben dem Bayern-München-Brandstore zwei Restaurants und ein Boutique-Hotel. Der heurige Fußball Championsleague Sieger ist einer unserer engsten Partner, die wir jemals hatten. Und in London Heathrow haben wir diese Woche eine der größten Küchen Europas eröffnet. 34.000 Quadratmeter und 56 gleichzeitig andockbare Lkw-Positionen. Wir catern in London derzeit täglich 200 Kurzstrecken- und 20 Langstrecken-Flüge.

Wie sehr fehlt Ihnen Ihr Lebensfreund Niki Lauda?

Ich kann gar nicht sagen, wie oft am Tag ich mich frage, was würde Niki wohl sagen. Er würde sagen: Nachdenken, Lösungen suchen, nach vorne schauen. Das tun wir.

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