Wirtschaft
30.10.2018

Digitalisierung: Warum Österreichs Banken hinterher hinken

Techriesen und FinTechs sind laut einer Studie innovativer. Banken könnten mit Dienstleistungen dazuverdienen.

Die Digitalisierung hält in fast allen Lebens- und Geschäftsbereichen Einzug. Auch bei den Banken. Doch nicht mit ausreichender Geschwindigkeit, wie die Unternehmensberatung Roland Berger kritisiert. Sie hat nach 2013 und 2015 zum dritten Mal den Retail Banking Survey durchgeführt. Demnach steht die Umsetzung echter Innovationen noch am Anfang. Konsequenz: Die Institute überlassen ungewollt Techriesen und FinTechs den Markt.

„Die Banken scheinen noch zu sehr mit Basisaufgaben der Digitalisierung beschäftigt“, sagt Michael Hilbert, Bankenexperte bei Roland Berger, zum KURIER. Aktuell sei es für die Institute sehr aufwendig, die Schnittstelle zum Kunden attraktiver zu gestalten, denn die Systeme dahinter seien teils antiquiert. „Das Problem ist aber nicht rasch und leicht zu lösen, weil die Systeme nicht wie bei Google etwa von Null aufgebaut wurden, sondern über Jahre gewachsen sind.“

Immerhin sei die Abschlussfähigkeit über digitale Kanäle seit 2015 deutlich gestiegen, wie die Erhebung unter 60 Instituten aus zehn Ländern zeigt. Vor drei Jahren konnte erst bei einem Drittel ein Girokonto sofort eröffnet werden, heute bei der Hälfte. Beim Konsumkredit stieg die Zahl von 0 auf 29 Prozent.

Daten nutzen

Aus Sicht von Hilbert sind diese Dinge aber nur die Basics. „Eine Bank weiß sehr viel über ihre Kunden. Sie kann dies – mit Erlaubnis der Kunden – zu ihrem Vorteil nutzen und zusätzliche, rentable Dienstleistungen anbieten.“ Dazu würden etwa bei KMU Steuerberatung oder Buchhaltung zählen.

„Es gibt schon Banken in Europa, etwa in den Niederlanden, die solche Services anbieten. Heimische Banken liegen, was die Möglichkeiten der Digitalisierung betrifft, im Mittelfeld.“ Unter den neun untersuchten heimischen Banken sei die Erste Bank wegen veränderter Filialkonzepte und der Onlineplattform George führend.

Mehr Mut

Generell wünscht sich Hilbert mehr Mut auf Seite der Entscheidungsträger. Andere Industrien wie etwa der Einzelhandel seien in ihrem Denken schon viel weiter. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für entsprechende Investitionen, weil die Geschäfte gut liefen. Denn die Herausforderung für die Banken sei groß: Sie müssen laut Studie Wege finden, um ihre digitale Transformation parallel zum regulären Bankbetrieb zu steuern.

Und durch den Generationenwechsel in den Häusern finde auch ein kultureller Wandel statt. Denn entscheidend werde nicht nur sein, auf neue Technologien zu setzen, sondern auch die Denk- und Arbeitsweisen anzupassen.