Wirtschaft
23.04.2018

Digitalisierung: „Das ist wie Popcorn machen ohne Rezept“

Im digitalen Zeitalter sind Kundenwünsche für Unternehmen transparent. Wer nutzt, ist erfolgreich, zeigen Beispiele.

Womit beschäftigen sich Österreichs Unternehmer? Heinz Marx, Gründer und Geschäftsführer des heimischen Industrieberaters Syngroup, stellte diese Frage in einer Studie. Die häufigste Antwort – „Mit der Auswirkung der Digitalisierung auf die Produktion“ – hält er für eine gefährliche Fehlstrategie.

„Wer übersieht, dass die Digitalisierung auf das gesamte Geschäftsmodell und die Produkte wirkt, hat wenig Chance auf Erfolg“, glaubt er. Und vor allem eine Einsicht fehle noch: „Die Kundenwünsche werden durch die Digitalisierung transparenter“, sagt er. Es müsse darum gehen, den Kunden das Leben einfacher zu machen. Zeit bleibe den Unternehmern dafür nicht mehr viel. Denn: „Die Digitalisierung ist wie Popcorn machen. Es beginnt langsam und plötzlich geht es blitzartig“, vergleicht Marx. Doch im Gegensatz zum Popcorn gibt es bei der Digitalisierung kein Rezept für sicheren Erfolg.

Beispiele für die gelungene Nutzung der Digitalisierung hat die Syngroup dennoch gefunden:

Kranhersteller PalfingerDas Unternehmen ist dabei, eine Online-Plattform aufzubauen, über die Kunden exakt nach ihren Bedürfnissen leasen können. Die Folge: Die Kunden wählen jenes Modell, das für ihre Anforderung am besten passt und nicht wie bisher zur Sicherheit einfach das größte Hebesystem. Für die Kunden ist das billiger. Palfinger nimmt sich damit zwar selber Geschäft weg, vergrößert durch das Anbieten von Gesamtlösungen (Kran plus Auflieger) aber seinen Marktanteil und schafft so im Wettbewerb Vorteile. Und über die Datenflüsse weiß das Unternehmen immer besser, was die Kunden wollen.

Autozulieferer Miba Der oberösterreichische Hersteller von Gleitlagern für Motoren hat keinerlei direkten Endkundenkontakt. Dennoch nutzt er die Digitalisierung geschickt im Sinne der Kunden und der Produktivität des Unternehmens. Er will alle seine Produkte nämlich mit Sensoren ausstatten, die Hitze, Bruch und Abnutzung melden. Damit werden die Serviceintervalle optimiert. In Bereichen wie der Hochseeschifffahrt kann dieses Feedback enorme Kosten senken helfen. So könnte etwa ein Gleitlager im Schiff melden, dass es auf der Fahrt nach Fernost wahrscheinlich defekt wird. Es wird daher vorsorglich im Heimathafen ausgetauscht.

Heizungsbauer Viessmann Das deutsche Familienunternehmen arbeitet gemeinsam mit Installateuren und Monteuren an einem digitalen Vertriebskanal, das den Kunden ein umfassendes Service bietet. Will ein Kunde eine neue Heizung, gibt es auf dieser Plattform seine Wohnungsgröße und weitere Wünsche ein. Es wird ein Produkt vorgeschlagen. Die Kaufberatung kann dann exakter auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden. Über die Plattform kommt er auch rascher und besser zu Service- und Beratungsterminen.

Verpackungsindustrie Für diese Branche bringt die Digitalisierung eine gewaltige Änderung der Produkte. Ist Verpackung bisher Werbefläche, steht beim Online-Handel hingegen die Widerstandsfähigkeit des Verpackungsmaterials im Vordergrund. Im Online-Versand zählt zudem, dass Verpackungen möglichst günstig und raumsparend sind.