Wirtschaft
22.08.2017

Dieselgipfel: Software-Updates sollen es richten

Keine teure Technik-Umrüstung, dafür Tauschprämien. Viel Kritik am Ergebnis des Verkehrsministers.

Die laufende Dieseldebatte hat gestern, Dienstag, in Österreich ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Verkehrsminister Jörg Leichtfried lud die Automobilimporteure zum Dieselgipfel. Die Erwartungen waren im Vorfeld gering, zudem wurde moniert, dass Interessensvertreter wie ÖAMTC, ARBÖ oder VCÖ sowie das Umweltministerium nicht geladen waren. Nach "intensiven, keinen einfachen Gesprächen" (Leichtfried) lagen die Ergebnisse vor. Diese wurden laut Minister gegenüber jenen des deutschen Dieselgipfels "aufgefettet". Die wichtigsten Antworten zum Gipfel im Überblick:

Ist das Ergebnis tatsächlich besser als jenes in Deutschland?

Unwesentlich. Greenpeace etwa spricht von einer "Augenauswischerei" und der ÖAMTC vermisst weitergehende Maßnahmen. Kritik äußerten auch Global 2000 ("Statt die Autohersteller in die Pflicht zu nehmen, lässt man sie billig davonkommen"), die Grünen ("Viel Trara, aber fast nichts für Gesundheit und Umwelt") und der VCÖ ("Die angekündigten Prämien sind nicht mehr als ein Marketing-Gag"). Lediglich der ARBÖ sprach von einem "ersten positiven Schritt".

Wie in Deutschland wird nur ein Teil der Fahrzeuge der Diesel-Abgasklassen Euro 5 und 6 mit einer neuen Software ausgerüstet. Konkret sind das 600.000 von einer Million Pkw. Darin enthalten sind die 388.000 VW, für die bereits Rückrufe laufen. Hinzu kommen Mercedes, Renault und wahrscheinlich BMW. Wer sein Auto in die Werkstatt bringen muss, erhält einen Gutschein. Eine Gewährleistung soll es nach dem Update jedenfalls geben.

Zudem gibt es – ähnlich wie in Deutschland – eine Ökoprämie für den Wechsel auf ein umweltfreundlicheres Fahrzeug. Handelt es sich dabei um ein E-Auto, gibt es, anders als bei den Deutschen, einen Zusatzbonus. Mit der bereits bestehenden Prämie für den E-Autokauf können laut Leichtfried mehr als 10.000 Euro zusammenkommen.

Wie sehen die Prämien aus?

BMW kündigte bereits eine Umweltprämie von bis zu 2000 Euro an – für Kunden mit einem Dieselfahrzeug mit Euro-4-Abgasnorm oder älter. Bedingung ist der Erwerb eines BMW-Elektroautos i3, eines Plug-in-Hybrids oder eines Diesel mit einem Motor der jüngsten Abgasnorm Euro 6. VW wiederum gewährt bei Anschaffung eines Volkswagens und gleichzeitiger Verschrottung eines alten Diesel-Pkw jeder Marke (Euro 4 oder älter) eine modellabhängige Verschrottungsprämie von bis zu 8785 Euro. Bei Umstieg auf einen alternativen Antrieb (Elektro, Hybrid, Erdgas) kommen 1800 Euro hinzu. Weitere Hersteller werden folgen. Rabatte soll es in gleicher Höhe wie bisher geben, versprechen Leichtfried und Günther Kerle, der Sprecher der Autoimporteure.

Bringt das Software-Update etwas?

Experten sind skeptisch, dass man damit die Stickstoffoxide (NOx) um 25 bis 30 Prozent reduziert. Der ÖAMTC hat bei sieben getesteten VW-Fahrzeugen keine relevanten Auswirkungen auf Verbrauch, Leistung und Fahrverhalten festgestellt. Überraschenderweise aber gab es nach dem Update zum Teil sogar deutliche Steigerungen beim NOx-Ausstoß (allerdings noch im zulässigen Rahmen).

Wieso gibt es keine Hardware-Updates?

Viele Experten fordern zusätzlich ein Hardware-Update, sprich den Einbau eines besseren Katalysators sowie eines größeren AdBlue-Tanks. Bei AdBlue handelt es sich um eine wässrige Harnstofflösung, die in den Abgasstrom zwecks Schadstoffreduktion eingespritzt wird. Das Problem: Eine solche Umrüstung ist technisch nur bei Autos der beiden jüngsten Abgas-Generationen (Euro 5 und 6) möglich und auch das nur bei größeren Modellen. Kostenpunkt: rund 1500 Euro ohne Einbau. Das ist den Herstellern zu teuer. "Ich verstehe, dass ein Importeur dem Mutterkonzern solche Maßnahmen nicht vorschreiben kann", nennt Leichtfried einen weiteren Knackpunkt.

Was wären die Konsequenzen, wenn es keine Updates gäbe?

Dann drohten der Entzug der Zulassung oder bei starker Umweltverschmutzung generelle Fahrverbote. Diese werden aber ohnehin von Kommunalpolitikern in Städten (wie Graz oder Wien) für ältere Modelle forciert. Leichtfried stellte klar, dass er gegen ein Zulassungsverbot für neue Dieselautos ist. Das Ziel sei, ab 2030 E-Autos zu leistbaren Preisen kaufen und ohne Nachteile fahren zu können.

Was ist so schädlich an NOx?

Es reizt und schädigt die Atmungsorgane. Bodennahes NOx ist mitverantwortlich für die Bildung von Feinstaub und Ozon. An elf von 142 verkehrsnahen Messstellen wurden in Österreich im Vorjahr die Grenzwerte permanent überschritten. Dennoch geht die NOx-Belastung seit Jahren stark zurück, der Pkw-Anteil am Gesamtausstoß macht nur noch 11,8 Prozent aus. Bei Lkw sind es 18,8 Prozent.

Hat der Diesel auch Vorteile?

Ja. Der Verbrauch liegt rund zehn Prozent unter dem von Benzinmotoren und es wird auch deutlich weniger CO2 emittiert. Und die Motoren werden laufend weiterentwickelt. Zudem müssen neue Fahrzeuge ab 1. September im Echtbetrieb auf der Straße geprüft werden, damit realistischere Ergebnisse zustande kommen. Trotz all dieser Entwicklungen setzen die Hersteller zunehmend auf Elektromobilität.

Ist das E-Auto die Zukunft?

Es kann zumindest ein Teil der Lösung sein. Noch sind E-Autos teuer, die Reichweite ist gering, es gibt zu wenig Ladestellen, der höhere Strombedarf könnte die Leitungskapazitäten an ihre Grenzen bringen und neue Kraftwerke wären nötig. Der Ausbau alternativer Stromquellen könnte das Problem mindern. Und steigt die E-Autofertigung, wird der Anschaffungspreis stark sinken. Alternativ sind Erdgas- oder Wasserstoffautos eine Zukunftshoffnung.