Die Uhr tickt: Drei Tage bis zur US-Pleite

Finanzminister Tim Geithner muss sich entscheiden, welche Ausgabenprioritäten er setzt.
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Am Dienstag ist D-Day: Selbst wenn eine Lösung im US-Schuldenstreit gelingt, droht der Verlust des "Triple A".

Die Zeit drängt. Damit das Gesetz zur Anhebung der US-Schuldengrenze noch rechtzeitig am kommenden Dienstag beschlossen werden kann, startet die Abstimmung darüber bereits am Wochenende. "Es ist todernst", sagte Regierungssprecher Jay Carney am Freitag. Die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern sind aber weiter verhärtet. Das US-Finanzministerium arbeitet fieberhaft an einem Plan B für den Fall, dass am Dienstag tatsächlich die Zahlungsunfähigkeit erklärt werden muss. Der Plan soll ebenfalls am Wochenende bekannt gegeben werden. China, der größte Gläubiger der USA, warnt Washington vor dem "Spiel mit dem Feuer" und übt scharfe Kritik an der "waghalsigen Politik", die die USA in die nächste Rezession stürzen könnte - und mit ihr die Weltwirtschaft.

Wird die gesetzlich erlaubte Schuldengrenze von 14.300 Milliarden Dollar nicht erhöht, muss sich US-Finanzminister Tim Geithner entscheiden, welche Ausgabenprioritäten er setzt, um über die ersten Tage nach dem D-Day zu kommen: Werden zuerst die Sozialleistungen bezahlt und dann erst die Zinsen für die Staatsanleihen? Oder umgekehrt? Kann es sich die US-Administration aber leisten, Zinsen nach China zu überweisen, während Irak-Veteranen in den USA leer ausgehen?, fragte die Süddeutsche Zeitung.

Experten in aller Welt streiten derweil über mögliche Folgen einer US-Staatspleite. Die Finanzmärkte haben bisher kaum reagiert. Noch immer liegen die Zinsen für US-Staatsanleihen unter drei Prozent, Italien etwa zahlt schon fast das Doppelte. Historiker erinnern aber an den Mai 1979, als die USA bereits einmal für einige Tage zahlungsunfähig waren. Damals stiegen die Zinsen für die US-Schulden um 0,6 Prozentpunkte.

Hohe Zusatz-Last

Finanzminister Tim Geithner muss sich entscheiden, welche Ausgabenprioritäten er setzt. Foto: ap Finanzminister Tim Geithner muss sich entscheiden, welche Ausgabenprioritäten er setzt.

Das klingt nach Peanuts. Doch eine Berechnung von JP Morgan zeigt: bereits ein Zinsanstieg um 0,5 Prozentpunkte kostet - wegen der hohen US-Schulden - zusätzliche 75 Milliarden Dollar. Und steigende Zinsen treffen nicht nur den Staat und sein Budget, sondern verteuern auch Immobilien- oder Kreditkartenschulden.

Dazu kommt: Selbst wenn eine Anhebung der Schuldenobergrenze gelingt, droht ein Entzug der besten Bonitätsbewertung durch die Ratingagenturen - was nochmals die Zinsen erhöhen und den Budgetspielraum einschränken würde.

Seit 1917, seit Einführung der Schuldenobergrenze, haben die USA das heiß begehrte "Triple A". Nun bröckelt zu allem Überfluss auch noch das Wirtschaftswachstum weg, im zweiten Quartal betrug es nur noch 1,3 Prozent. Ein Aufschwung, der Obama Luft verschafft, sieht anders aus.

Investoren schauen derzeit gerne auf die Kosten für Kreditausfallversicherungen. Die Kosten für CDS (Credit Default Swaps) gelten als Barometer für die Pleitegefahr. In zwölf Monaten stieg die "US-Ausfallswahrscheinlichkeit" von 2,87 auf mehr als fünf Prozent.

(kurier / Michael Bachner, Christine Klafl) Erstellt am
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