Wirtschaft
30.06.2018

Die Milchproduktion steigt weiter: Alles Käse

Die Erzeugerpreise sind wieder auf Talfahrt. Die Bauern bekommen weniger Geld pro Liter Milch. Butter wurde aber nicht billiger

Die größte österreichische Molkerei Berglandmilch wird künftig jährlich um 15.000 Tonnen mehr Käse produzieren. 45 Millionen Euro wurden in Produktionsanlagen am Standort Voitsberg (Steiermark) investiert. Durch kurze Transportwege werde sichergestellt, dass „die hohe Qualität heimischer Milch geschmacklich noch besser erlebbar wird“, betont der Generaldirektor der Berglandmilch, Josef Braunshofer. 300 Millionen Liter Milch werden künftig an diesem Standort zu Käse verarbeitet. Am Sonntag ist Eröffnung.

Gutes Timing

Die zusätzliche Verarbeitungskapazität für Milch kommt zur richtigen Zeit. Seit Herbst 2017 liefern die Bauern deutlich mehr Milch an die Molkereien. Das steigende Angebot hat Auswirkungen auf die Erzeugerpreise. Das Milchgeld für die Bauern betrug im Dezember 2017 laut Agrarmarkt Austria (AMA) noch 40,86 Cent je Liter. Im Mai dieses Jahres waren es lediglich 35,57 Cent. Laut Schätzung der AMA Austria ist er im Juni für Milch mit einem Fettgehalt von 4,2 Prozent auf 34,60 Cent gefallen. Die Liefermengen steigen weiter leicht an.

Bei Milch- und Milchprodukten sind deutliche Preisschwankungen die Regel. Bei hohen Erzeugerpreisen steigt die Produktion so lange, bis das Überangebot die Preise auf Talfahrt schickt. Daraufhin wird die Zahl der Milchkühe und damit die Produktionsmenge reduziert. Wenn die Milchanliefermenge geringer ist als die Nachfrage, steigen die Preise wieder. Im Fachjargon nennt man solche Schwankungen auch den „Schweinezyklus“.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger hatte bereits im Jänner einen Rückgang beim Erzeugermilchpreis vorhergesagt. Was vorauszusehen war: Wenn die Produktionsmenge steigt, sinken die Preise.

Die Molkereien wird man dafür nicht direkt verantwortlich machen können. Die Berglandmilch ist eine Genossenschaft und die Milchbauern sind die Genossenschafter. Das bedeutet, dass die Milchbauern die Höhe ihres Milchgeldes selbst bestimmen. Mehr als der Markt hergibt, kann nicht ausbezahlt werden, weil sonst die Molkerei zusperrt. Über die Milchliefermengen entscheiden aber sehr wohl die Milchbauern.

Verhandlungspartner der Molkereien sind die drei großen heimischen Supermarktketten, die bei Butter auch günstige Eigenmarken anbieten. Die Geschäftsbeziehungen zwischen Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel ist nicht friktionsfrei. Immer wieder beschweren sich Bauern.

Für ein paar Cent mehr

Ein paar Cent mehr oder weniger für einen Liter Milch fallen den Konsumenten oft gar nicht auf. Für die Milchbauern kann das aber den Unterschied zwischen weitermachen und zusperren bedeuten.

Bei Milchprodukten wie Butter merkt man die deutlichen Preisschwankungen sehr wohl in der Brieftasche. Der Preis für ein Viertel Kilo Butter von Eigenmarken der großen Supermarktketten ist binnen 15 Monaten von 1,29 Euro auf rund 2,40 Euro gestiegen.

Trotz des geringeren Milchgeldes für die Bauern ist das Preisniveau bei Butter bisher nicht gesunken. Ein Grund dafür ist nach wie vor die hohe Nachfrage nach Milchfett. In der Vergangenheit wurde Milchfett oft durch das billigere und leichter zu verarbeitende Palmöl ersetzt.

Doch die heftige Kritik vor allem von Umweltorganisationen an der Abholzung von Regenwäldern zur Palmölgewinnung hat Konsequenzen. Der Trend geht nun zurück zum Milchfett.