Refurbed-Mitgründer Peter Windischhofer (r) im Kurier Talk.

© Kurier/Franz Gruber

Wirtschaft
11/06/2020

"Die Menschen wollen konsumieren"

Peter Windischhofer, Mitgründer des Wiener Start-up Unternehmens refurbed, im Kurier Talk.

von Martin Meyrath

Sie bieten einen Online-Marktplatz für erneuerte Elektrogeräte. Wie funktioniert das?

Wir haben ein Netzwerk an Partnern, die gebrauchte Produkte erneuern (Das heißt die ….) und über unsere Plattform an Konsumenten verkaufen. Wir haben 150 Anbieter in ganz Europa, darunter die Experten für alle möglichen Produkte, wie Iphones und Android Smartphones, Laptops, Tablets, aber wir haben auch Küchengeräte und Haushaltsgeräte.

Welche Produkte, interessieren die Leute besonders?

Am besten gehen Handies. Aber die anderen Produktkategorien wachsen. Die meisten Kunden kaufen als erstes Produkt ein Handy und wenn sie merken, dass es funktioniert, kommen sie zurück.
 

Smartphones stehen nicht in dem Ruf, lange haltbar zu sein. Ist es nicht ein Risiko, ein gebrauchtes zu kaufen?

Refurbished Produkte sind in einem 40-stufigen Prozess durchgecheckt. Wenn Komponenten nicht mehr gut funktionieren, werden sie ausgetauscht. Deswegen kann man sich darauf verlassen, dass unsere Produkte zu 100 Prozent funktionieren, wir haben eine mindestens 12-monatige Garantie.

Die Reparatur ist trotz Leichtbauweise kein Problem?

Das ist ein bissl ein Mythos, dass man Produkte nicht mehr reparieren kann. Wir arbeiten mit Experten zusammen, die wissen, was sie tun.

Was machen über 90 Mitarbeiter bei einer Website?

Wir sind mittlerweile in fünf Märkten aktiv und man braucht für jedes Land ein anderes Marketing. Wir machen alles In-House. Außerdem haben wir viele Entwickler, Programmierer, einen Kundenservice und ein großes Team, das sich um die Händler kümmert. Im Hintergrund gibt es viele Tätigkeiten, die für die Kundenexperience wichtig sind.

Welche sind die fünf Märkte?

Wir haben in Österreich und Deutschland vor drei Jahren gestartet, letztes Jahr sind Italien und Polen dazugekommen, jetzt gerade haben wir in Spanien gelauncht.

Ein Merkmal von refurbed ist, Sie sagen man spart CO2 und schon die Umwelt, weil die Geräte länger im Umlauf sind. Kann man das beziffern?

Gegenüber einem Neuprodukt spart man mit einem refurbished Produkt 70 Prozent CO2 ein, weil man meistens nur ein oder zwei Komponenten austauschen muss. Eigentlich wollen wir aber 100 Prozent sparen, deswegen pflanzen wir für jedes Produkt das wir verkaufen einen Baum und sind dadurch CO2-negativ.

...auf der anderen Seite lebt das Geschäft natürlich von einem schnellen Produktumlauf.

Ja klar, aber wenn Produkte gekauft werden, die insgesamt besser für die Umwelt sind, ist das okay. Wir arbeiten daran, dass Kunden ihre alten Produkte wieder über uns verkaufen können. Dann werden sie wieder refurbished und so wollen wir den Kreis schließen.

Das heißt nicht über Konsumverzicht, sondern über den Kauf von erneuerten Produkten?

Viele NGOs haben die letzten 30 Jahre versucht, Leuten zu sagen, sie sollen weniger kaufen. Ich glaube ehrlicherweise nicht, dass Menschen am Ende des Tages verzichten, sondern sie wollen konsumieren. Deswegen muss es Wege geben, dass dieser Konsum so gut wie möglich wird.

Was kann refurbed, das ein großer Player im Online-Handel nicht leisten kann?

Ganz klar, Amazon verkauft zum Teil auch refurbished Produkte, aber das hat keine gute Kundenerfahrung. Man kann sich auch nicht wirklich darauf verlassen, ob etwas refurbished oder doch gebraucht ist. Gleiches gilt für ebay oder willhaben. Das ist immer mit sehr viel Misstrauen verbunden. Wir garantieren, dass die Produkte super funktionieren und jeder Kunde hat ein 30-tägiges Geld-zurück-Recht. Und wenn es darüber hinaus Probleme gibt, gibt es die Garantie. Bei uns ist Sicherheit und Vertrauen das zentrale Element und das ist bei vielen anderen Online-Shops nicht so.

Die WKO fordert die Ausdehnung des Reparaturbonus auf Elektrogeräte. Wie stehen Sie dazu und würden Sie davon profitieren?

Das sollte absolut gemacht werden. Ob wir davon direkt profitieren oder nicht, kommt darauf an, wie das Gesetz wirklich kommt. Das wichtigste ist, dass weniger Ressourcen verbraucht werden.

Sie versprechen eine Preisersparnis von bis zu 40 Prozent – ist es das, das die Kunden lockt, oder ist es das Umweltbewusstsein?

Die gute Antwort ist, es ist beides. Als wir vor drei gestartet sind, war Nachhaltigkeit kein großes Thema. Damals haben 80 Prozent gesagt, sie kaufen das Produkt wegen dem Preis und 20 Prozent wegen der Nachhaltigkeit. Aktuell stehen wir bei 60 Prozent wegen dem Preis und 40 Prozent wegen der Nachhaltigkeit.

Sie expandieren und Ihre Bürofläche wächst trotz Home Office?

Ja, wir haben in den letzten Monaten noch mal 20 Mitarbeiter eingestellt. Wir wollen in verschiedene Märkte expandieren. Dafür brauchen wir Mitarbeiter, die diese Märkte betreuen und dafür braucht‘s auch Bürofläche. Wir waren auch im Home Office und es funktioniert, aber man ist effizienter und besser in der Zusammenarbeit, wenn man gemeinsam in einem Büro sitzt.

Ist der Trend zu erneuerten Elektrogeräten vielleicht auch ein Corona-Effekt?

Mit Sicherheit auch. Jeder Mensch merkt, der Wirtschaft geht‘s nicht gut, ich sollte sparen. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit nach wie vor ein riesen Thema und wird ein Thema der nächsten Jahrzehnte bleiben.

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