Wirtschaft
23.03.2017

Die Lust der Kreditnehmer, der Frust der Sparer

Beim Geldausborgen setzen Österreicher auf fixe Sätze, beim Sparen auf Nummer sicher.

Vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise machte der Leitzins für den Euroraum noch 4,25 Prozent aus. Dann ging es schrittweise bergab – bis auf 0,00 Prozent, die seit einem Jahr gelten. Johannes Turner, Chef der Statistik in der Nationalbank (OeNB), hat analysiert, wie sich das auf Spar- und Kreditzinsen ausgewirkt hat.

9,9 Milliarden Euro

Um so viel stiegen die Spareinlagen der privaten Haushalte im Vorjahr, und das trotz der historisch tiefen Zinsen. Aufgrund des weiter sinkenden Zinsenvorteils gebundener Einlagen landete das Plus vor allem auf täglich fälligen Sparprodukten.

0,15 Prozent

So winzig war der durchschnittliche Zinssatz für täglich fällige Einlagen Ende des Vorjahres. Abzüglich der Inflation (im Fachjargon Realverzinsung genannt) ergab das einen Wert deutlich unter der Nulllinie. Heuer wird die Realverzinsung noch schlechter ausfallen, weil die Teuerung anzieht. Negativwerte sind allerdings keine Seltenheit. Seit 1960 sei das in zwei Drittel aller Jahre so gewesen, sagt OeNB-Manager Turner (siehe Grafik unten).

4,89 Prozent

So viel an Zinsen kostete ein neu vergebener Konsumkredit im Vorjahr durchschnittlich. Das war weiterhin billiger als in Deutschland oder im Durchschnitt der Eurozone. Bei Wohnbaukrediten ging dieser Zinsvorteil im Vorjahr allerdings verloren.

35 Prozent

Der Verlust des Zinsvorsprungs hat damit zu tun, dass die Kundschaft bei der Neuaufnahme von Hypo-Krediten (oder bei der Umschuldung) sich länger an Fixzinsen binden. Dies ist eine Spur teurer als variable Verzinsung, dafür "sperrt" sich der Kreditnehmer die jetzt tiefen Zinsen über Jahre hinweg ein. Jetzt entscheiden sich 35 Prozent für Fixzinsen, 2012 waren das erst fünf Prozent. In Deutschland ist dieser Anteil von 71 auf 81 Prozent gestiegen

2800 Euro

Im Schlussquartal 2016 hatten die heimischen Haushalte 0,9 Milliarden Euro an Kreditzinsen zu zahlen. Neun Jahre davor lag diese Belastung bei 1,7 Milliarden Euro und damit fast beim Doppelten. Das ist umso erstaunlicher, als sich das private Kreditvolumen in diesem Zeitraum von 121 auf 153 Milliarden Euro erhöhte. Pro verschuldetem Haushalt bedeutet die Talfahrt der Zinsen: Die durchschnittliche Zinsbelastung sank von 5200 im Jahr 2008 auf rund 2800 Euro im Vorjahr.

1,85 Prozent

So viel kosteten im Vorjahr Firmenkredite im Volumen von bis zu einer Million Euro, die meist von kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) in Anspruch genommen werden. Heimische KMU kommen damit günstiger an Geld als ihre Mitbewerber im Euroraum. In Deutschland kostet ein entsprechender Kredit 2,40 Prozent, im Durchschnitt der Eurozone 2,23 Prozent Zinsen. Bei neu vergebenen Großkrediten über eine Million Euro lag die Verzinsung mit 1,60 Prozent dagegen eine Spur über dem Euroraum-Wert.

60 Milliarden Euro

Diesen Rekordberg an Bankeinlagen haben heimische Unternehmen mittlerweile aufgebaut – um 11,9 Prozent oder 6,5 Milliaden Euro mehr als ein Jahr davor. Die gute Liquidität dämpfte die Nachfrage nach Firmenkrediten. Kurzfristige Unternehmensfinanzierungen gingen um 6,4 Prozent zurück.