© APA/AFP/Pfizer/HANDOUT

Pharmaaktien
12/10/2021

Pharmaaktien: "Die Felle sind bei Covid verteilt"

Neue Medikamente sollen helfen, die Pandemie einzugrenzen. Doch sie können die Impfung nur ergänzen, sagen nicht nur Mediziner, sondern auch Börse-Experten. Die Wirkung auf die Kurse sei begrenzt.

von Robert Kleedorfer

Der medizinische Kampf gegen das Coronavirus hat sich bis dato auf Impfstoffe konzentriert. Doch nun steht die Zulassung von Medikamenten, die kurz nach Ausbruch der Krankheit eingenommen werden müssen, kurz bevor. Sie sollen nicht nur Krankenhauseinweisungen verhindern, sondern auch gegen die Omikron-Variante wirksam sein.

Bei den Medikamenten handelt es sich um einen um Paxlovid des US-Konzerns Pfizer, der ja auch schon gemeinsam mit Biontech einen Impfstoff auf dem Markt hat. Zum anderen um Molnupiravir des US-Pharmakonzerns Merck & Co. In der Wirksamkeit hat jedenfalls jenes von Pfizer deutlich die Nase vorne mit 89 Prozent zu nur 30 Prozent.

„Ende November wurde die Wirksamkeit von 50 auf 30 Prozent herabgestuft“, sagt Leopold Sacher, Pharmaanalyst bei der Raiffeisen Bank International. Die US-Arzneimittelbehörde FDA habe nur sehr knapp einer Notfallzulassung zugestimmt. Das alles werde sich auch auf künftige Bestellungen auswirken. „Der Aktienkurs von Merck ist 1:1 mit nach unten gegangen.“ Seit Jahresbeginn gerechnet ist er um sechs Prozent gefallen.

Nicht nur, dass die Pille von Pfizer besser wirkt, der Hersteller biete mit der Impfung auch einen One-Stop-Shop, also alles aus einer Hand. Zudem habe Pfizer den Vorteil, so Harald Kober, Biotech-Analyst bei der Erste Asset Management, dass die Einnahmen im Gegensatz zum Impfstoff alleine an Pfizer gehen. Dieser werde den Schweizer Konzern Roche als weltweite Nummer eins der Pharmahersteller dank Corona ablösen, so die US-Investmentbank SVB Leerink. Pfizer werde kommendes Jahr einen Umsatz von 100 Milliarden Dollar erzielen.

Pfizer will von seiner Anti-Covid-Pille Paxlovid nächstes Jahr 80 Mio. Stück herstellen. Das würde bis zu 60 Mrd. Dollar bringen. Aus der ganzen Welt liegen bereits zahlreiche Vorbestellungen vor.

Und auch mit den Impfstoffen verdient Pfizer prächtig. So soll der Konzern laut Financial Times in der EU die Preise per Nachverhandlung von 15,50 auf 19,90 Euro erhöht. Moderna soll sogar von 22,60 auf 25,50 erhöht haben. Beide argumentierten damit, dass die Wirkung eine bessere sei als bei Astra bzw. Johnson. Johnson hingegen bietet seinen Impfstoff zum Selbstkostenpreis an. Daher liegen die Einnahmen bei bisher nur 2,5 Mrd. Dollar.

Pfizer setzt laut Schätzung der Bank 36 Milliarden Dollar allein mit dem Impfstoff um, gefolgt von Biontech und Moderna mit je rund 19 Milliarden Dollar. Die Aktie legte heuer bereits 43 Prozent zu, ist aber mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 relativ moderat bewertet. Analysten sind dennoch schaumgebremst und sehen nur einen noch geringfügigen Kurszuwachs. Die Dividendenrendite ist mit drei Prozent aber durchaus ordentlich.

Antikörperpräparate

„Je länger die Pandemie dauert und je mehr man weiß, desto eher bringt vielleicht eine andere Firma ein Präparat auf den Markt und gräbt anderen das Wasser ab“, erklärt Kober. Etwa Antikörpermedikamente. „Sie benötigen aber eine Infusion und damit einen Spitalsaufenthalt“, so Kober. Das Präparat von Glaxo soll laut ersten Tests auch gegen Omikron wirksam sein. Auch Roche, Regeneron, Eli Lilly und Astra Zeneca arbeiten an ähnlichen Präparaten.

Medikamente sind jedenfalls deutlich teurer (laut Salcher 500 bis 600 Dollar je Patient) als die Impfung, was zwar die Hersteller erfreut, aber nicht die Staaten. „Für die Gesamtbewertung wird die Pille daher nicht den großen Stellenwert bekommen“, so Salcher. „Die Felle sind bei Covid verteilt.“

Dass Medikamente auch weit hinter den Erwartungen bleiben, zeigt das Beispiel Remdesevir von Gilead Sciences. Anfangs der Hoffnungsträger, verblasste es bald. "Es gab anfangs einen großen Hype um Remdesivir, weil es damals noch nichts anderes gab", sagt Kober. "Aber es hat keine Wirkung."

Der Aktienkurs legte dennoch heuer immerhin 17 Prozent zu. Das überrascht Salcher nicht, schließlich sei das Hauptgeschäft von Gilead ein HIV-Medikament. "Das macht 60 Prozent des Umsatzes und ist hat bedeutend mehr Einfuss auf die Aktie." Zwar laufe die Exklusivität des Mittels 2025 aus, dafür sei ein wirksames Mittel gegen Brustkrebs in der Phase 3.

Neue Impfstoffe

Für viele bis dato Ungeimpfte sind sie die Hoffnung: jene Impfstoffe, die auf der  bisher üblichen Totstofftechnologie beruhen. Für den Stoff des US-Biotechunternehmens Novavax könnte die Zulassung in der EU noch heuer über die Bühne gehen, in Indonesien und auf den Philippinen ist er bereits in Verwendung.  Die EU hat einen Kaufvertrag über bis zu 100 Millionen Dosen in diesem und im nächsten Jahr geschlossen.

Das Mittel hat laut Novavax eine Wirksamkeit gegen Delta von rund 90 Prozent. Ein Update gegen Omikron soll laut Novavax im Jänner erfolgen. „Die mRNA-Technologie lässt sich schneller umsetzen“, sagt RBI-Analyst Salcher. Zudem könne man nicht abschätzen, wie viele Impfskeptiker Totimpfstoffe wirklich nützen werden.
Diese Ansicht teilt Erste-Analyst Kober und spricht von einer „Nische“. Zudem seien die Kapazitäten mit nur 2 Fabriken beschränkt.

Dennoch sind die Anleger zuversichtlich. Die Aktie legte seit Jahresbeginn bereits um 60 Prozent zu, Analysten sehen weiteres Potenzial und empfehlen sie zum Kauf. Die Aktie des Konkurrenten Valneva, der mit seinem Stoff erst im Laufe des nächstes Jahres kommen soll, legte heuer sogar schon 220 Prozent zu.

Flop

Als Flop hat sich hingegen ein Totimpfstoff des deutsch-niederländischen Unternehmens Curevac herausgestellt, es zeigte zu wenig Wirkung, der Antrag wurde zurückgezogen. Nun wird an einem mRNA-Impfstoff gemeinsam mit GlaxoSmithKline gearbeitet. "Es gehört zum Image dazu, hier mitzumischen", sagt Salcher. mRNA werde sich mittelfristig am Markt gegenüber Totimpfstoffen durchsetzen. Moderna arbeite bereits an einer entsprechenden Grippeimpfung. Die Aktie von Curevac jedenfalls verlor heuer die Hälfte ihres Werts.

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