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Wirtschaft
07/22/2020

Klimawandel: Die Bösen werden nicht bestraft

Der CO2-Ausstoß ist 2019 erneut gestiegen. Umweltsünder dürfen trotzdem weitermachen

von Andreas Anzenberger

Man hat ja so seine Vorstellungen, wer für den steigenden -Ausstoß der vergangenen Jahre verantwortlich sein könnte. Nämlich Menschen mit wenig Einkommen, die in alten, schlecht gedämmten Wohnungen leben und viel Fleisch essen.

Doch das ist Unsinn. Mehrere Studien wie etwa eine Untersuchung des deutschen Umweltbundesamtes belegen, dass die Gutverdiener die größten Umweltsünder sind. „Die Umweltbewussten besitzen zwar mehr energieeffiziente Haushaltsgeräte, kaufen mehr Bioprodukte und essen oft weniger Fleisch. Aber: Andere Aspekte ihres (nicht) nachhaltigen Lebenswandels wie Fernreisen werden häufig von ihnen unterschätzt oder bei der Bewertung des eigenen Verhaltens nicht berücksichtigt, sodass sie in Summe deutlich mehr -Ausstoß verursachen als Menschen mit niedrigem Einkommen. “

Doch auf die Umweltpolitik hatte das bisher keinerlei Auswirkungen. Die großen Umweltsünder dürfen weitermachen. Laut einer Studie des österreichischen Umweltbundesamtes stieg hier zu Lande der CO2-Ausstoß von 2018 auf 2019 um 1,8 Prozent (siehe Grafik).

Ein typisches Beispiel ist der Verkehr. Im Straßenverkehr sind die Treibgasemissionen verglichen mit 2005 leicht gesunken. Trotzdem sieht Umweltministerin Leonore Gewessler hier großen Handlungsbedarf.

Ganz anders beim Flugverkehr. Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sind die durch den Luftverkehr verursachten Emissionen von 2017 auf 2018 um zwölf Prozent gestiegen. Bemerkenswert ist, dass es in der Studie des Umweltbundesamtes keine Zahlen für die Luftfahrt gibt, obwohl dieser Bereich laut VCÖ die höchsten Zuwachsraten aufweist.

Ein Grund, warum die durchschnittlichen Emissionen pro Einwohner am Land höher sind als in der Stadt, ist die Raumordnung. Der neue Supermarkt wird auf der grünen Wiese am Ortsrand gebaut. Daher braucht man zum Einkaufen ein Auto. Eine österreichweite Reform der Raumordnung ist nicht in Sicht.

Bei den durch Gebäude verursachten Emissionen gab es seit 2005 einen massiven Rückgang. Hausbesitzer sollen mit Förderungen dazu motiviert werden viel Geld in zusätzliche Wärmedämmung zu investieren. Angesichts der aktuellen Energiepreise rentieren sich solche Investitionen bisweilen erst nach vielen Jahren oder gar nicht. Die Umweltsünder bei den Gebäuden sind bekannt, es sind die Zweitwohnbesitzer. Die scheinen allerdings in keiner Umweltstatistik auf.

Bei der Landwirtschaft sind die jährlichen Schwankungen bei den Treibhausgasen eine Folge der Marktlage. Steigt der Milchpreis, dann steigt auch die Zahl der Milchkühe. Insgesamt ist die Landwirtschaft für knapp über acht Prozent der -Emissionen in Österreich verantwortlich. Doch nur ein Teil davon wird durch die Produktion von Lebensmitteln wie Fleisch verursacht. Produziert wird ja auch Biosprit oder Stärke für die Papierindustrie. Außerdem sind große Teile der für die Tierhaltung benötigten Flächen anders kaum zu nutzen. Sojaanbau auf einer Tiroler Alm wird es eher nicht bringen.

Die Emissionen der Bereiche Energie und Industrie steigen und sinken mit der Konjunktur. Es wird daher heuer wegen der Corona-Krise zu einem massiven Rückgang der Emissionen kommen. Im nächsten Jahr wird sich das wieder ändern. Seit 2005 ist der Schadstoffausstoß in diesem Bereich deutlich gesunken.

Wegen der Deponieverordnung dürfen keine unbehandelten Abfälle mit hohem organischem Anteil auf einer Deponie gelagert werden. Daher die leichte Verbesserung in der Umweltbilanz. Bei den F-Gasen (fluorierte Treibhausgase) ist die Steigerung laut Studie auf die Entsorgung von alten Schallschutzfenstern zurückzuführen.

Gewessler versprühte bei der Präsentation Optimismus und sprach von einer „Trendwende“. Ab 2020 werde es in Österreich eine jährliche CO2-Reduktion von rund 2,34 Millionen Tonnen geben.

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