Flugzeuge sollen wie geplant starten

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
01/28/2021

Deutsche Luftfahrtbranche stellt sich auf lange Durststrecke ein

Für die Branche sind die Auswirkungen der Coronapandemie dramatisch.

Leere Terminals, leerer Himmel: Die Deutschen werden nach Einschätzung der Branche erst in einigen Jahren wieder so viel fliegen wie vor Coronakrise. Vermutlich 2025 dürften deutschlandweit wieder so viele Menschen in Flugzeuge steigen wie 2019, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mitteilte. Die Branche durchlaufe ihre längste und tiefste Krise.

Airlines und Flughäfen werden demnach auch in diesem Jahr Verluste machen, zahlreiche Arbeitsplätze sind bedroht. Bund und Länder könnten mit Millionen gegensteuern. Die Unternehmen hoffen unterdessen auf ein Ende des Fast-Stillstands im Frühjahr.

"Testen statt Quarantäne", das ist die zentrale Forderung mit Blick auf die Osterzeit. Denn die Aussicht, nach einer Reise in Risikogebiete mehrere Tage das Haus nicht verlassen zu dürfen, hält viele vom Fliegen ab. "Wer einen negativen Test vorweisen kann oder einen Immunitätsnachweis, der muss wieder reisen können", forderte Verbandspräsident Peter Gerber am Donnerstag.

Die Fluggesellschaften sind zurückhaltend mit neuen Angeboten. Easyjet kündigte am Donnerstag an, von Jänner bis März höchstens zehn Prozent der eigentlich möglichen Flüge durchzuführen. Die deutschen Gesellschaften haben ihr Angebot für Januar und Februar auf 16 Prozent reduziert, im März könnte es auf 47 Prozent wachsen, wenn die Impfzahlen steigen und die Infektionen mit dem Coronavirus zurückgehen.

Die deutschen Flughäfen können auf Coronahilfen in Höhe von einer Milliarde Euro von Bund und Ländern hoffen. Die Konferenz der Länderfinanzminister stimmte dem am Donnerstag nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zu. Die Freigabe des Bundesanteils von 500 Millionen Euro durch den deutschen Finanzminister Olaf Scholz (SPD) steht noch aus. Das Finanzministerium begrüßte die Bereitschaft der Länder und kündigte baldige Gespräche mit diesen an.

"Zentrale Handelsdrehscheibe"

Auch der Bund müsse daher seiner Aufgabe gerecht werden und den Flughäfen als Grundpfeiler der Verkehrsinfrastruktur durch die schwierige Zeit helfen, sagte Bayerns Finanzminister Albert Füracker (CSU) der dpa in München. "Flughäfen sind nicht nur Tore zur Welt und Symbol für Freiheit, sie sind auch zentrale Handelsdrehscheibe und Arbeitgeber für viele tausend Menschen."

Ihre Lage ist nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) extrem angespannt. Mehrere Betreibergesellschaften kämpften ums Überleben. Für die Jahre 2020 und 2021 wird der voraussichtliche Verlust auf 3 Milliarden Euro beziffert.

Der Umweltverband BUND warnte hingegen vor einer Verschwendung von Steuergeld. "Auf keinen Fall dürfen Flughäfen Zuschüsse erhalten, die schon vor der Coronakrise von Subventionen abhängig waren und sich untereinander einen ruinösen Preiskampf liefern", erklärte Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Dazu lieferte der BUND eine Liste von zehn dauerhaft subventionierten Airports. Der in dieser Kategorie neben anderen Airports aufgelistete Flughafen Niederrhein-Weeze betonte, dass er nicht dazu gehöre.

Der starke Rückgang des Luftverkehrs in Deutschland gefährdet aus Branchensicht zahlreiche Arbeitsplätze. Von den deutschlandweit rund 255.000 Arbeitsplätzen bei Fluggesellschaften, Flugsicherung und an Flughäfen drohten in den nächsten Jahren 60.000 wegzufallen, schätzte der BDL auf Grundlage von Unternehmensangaben. Bisher hätten Kurzarbeit und Krisenpakete mit den Gewerkschaften Massenentlassungen verhindert. 60 bis 70 Prozent der Branchenbeschäftigten seien in Kurzarbeit.

Corona hatte die Zahl der Passagiere an den deutschen Flughäfen auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gedrückt. Von Jänner bis Dezember 2020 wurden deutschlandweit 63 Millionen Fluggäste gezählt. Das ist nur ein Viertel der Zahl von 2019. In diesem Jahr hält der BDL 95 Millionen für möglich, im nächsten 189 Millionen. 2025 wäre nach dem Szenario mit 225 Millionen Passagieren das Vorkrisenniveau wieder erreicht.

Weltweit ging der Luftverkehr in die Knie. Die US-Fluggesellschaft American Airlines machte allein in den drei Monaten bis Ende Dezember unterm Strich ein Minus von 2,2 Mrd. Dollar (1,8 Mrd. Euro) an, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Gewinn von 414 Mio. Dollar gegeben. Der Umsatz brach im Jahresvergleich um 64 Prozent auf 4,0 Mrd. Dollar ein.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.