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Wirtschaft
01/05/2012

Deutsche bekommen im Winter heimischen Strom

In Deutschland könnte der AKW-Ausstieg im Winter zu Stromengpässen führen. Österreich hilft aus und riskiert eine schlechtere CO2-Bilanz.

Österreichs Energiekonzerne bereiten sich auf einen harten Winter in Deutschland vor: Heimische Reserve-Kraftwerke sollen zu Spitzenzeiten die Stromversorgung der Deutschen sichern, berichtet das Handelsblatt am Donnerstag. Anfang August haben acht österreichische Energieversorger - von der Wien Energie bis zum Verbund - Post von der deutschen Bundesnetzagentur bekommen. In den Schreiben heißt es sinngemäß, dass es im süddeutschen Raum im Falle eines harten Winters zu Stromdefiziten kommen könnte. Österreichs Energieversorger sollten bekannt geben, ob sie im Winter Stromengpässe ausgleichen könnten.

Das können sie: Die beiden größten Stromkonzerne, die Verbund AG und die Energieversorgung Niederösterreich (EVN), sowie die Stadtwerke aus Wien hielten zusätzliche Kraftwerks-Kapazitäten bereit. Besonders im Großraum Wien ständen gas- und ölbetriebene Kraftwerksblöcke, die hochgefahren werden könnten, wenn ein extrem strenger Winter den Strombedarf in Deutschland plötzlich in die Höhe treibt. Damit könne eine Leistung von knapp 1100 Megawatt bereit gestellt werden - das entspricht in etwa jener Strommenge, die ein deutsches Kernkraftwerk liefert.

Das Problem: Die heimische CO2-Bilanz würde sich durch den Einsatz der Gaskraftwerke verschlechtern. Vom klimafreundlichen Ökostrom hat Österreich zur kalten Jahreszeit selbst zu wenig - von November bis zum Frühling wird elektrische Energie aus dem Ausland importiert. Die Wasserkraftwerke, aus denen mehr als die Hälfte der Stromerzeugung stammt, produzieren im Winter weniger Strom. Und: "Im Winter wird weniger Windstrom in die Netze gespeist", sagt Verbund-Chef Anzengruber.

Seine Klimaziele hat Österreich auch im zweiten Jahr der Kyoto-Phase (2008 bis 2012) nicht erreicht. Vom vorgeschriebenen Ziel von 68,8 Millionen Tonnen ist man 5,1 Millionen Tonnen entfernt. Laut Umweltminister Niki Berlakovich drohen dadurch Strafzahlungen von rund 600 Millionen Euro.

"Mit den Kapazitäten aus Österreich schafft man die erforderliche zusätzliche Sicherheit, um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein", sagt Verbund-Vorstandschef Wolfgang Anzengruber dem Blatt. Im Winter steigt der Strombedarf regelmäßig an. Die Stromnetze in Deutschland und Österreich seien besonders eng miteinander verknüpft. Sollte es zu Versorgungsproblemen in der Bundesrepublik kommen, könnte sich der Engpass auch auf Österreich ausdehnen und dort zu Stromausfällen führen, schreibt das Blatt.

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