Hessen/ ARCHIV: Wolken ziehen in Frankfurt am Main ueber das Bankenviertel mit der Zentrale der Deutschen Bank (M. r. ) (Foto vom 15.07.12). Die deutsche Bank veroeffentlicht am Dienstag (31.07.12) das Ergebnis des zweiten Quartals. (zu dapd-Text) Foto: Martin Oeser/dapd

© Deleted - 206247

Deutsche Bank
02/13/2013

80 Mio. Euro Bonus für einen Investmentbanker

Der Zinsspekulant erhielt diese Summe 2009, 2011 wurde er entlassen.

Kann ein Banker so gut sein, dass er 80 Mio. Euro Bonus verdient? Im Lichte des Libor-Skandals erscheint die Vergütungspraxis in der Finanzbranche in neuem Licht.

Die Deutsche Bank hat nach Informationen des Stern im Jahr 2009 einem einzelnen Investmentbanker 80 Mio. Euro Bonus genehmigt. Wie das Hamburger Magazin berichtet, sollte mit dieser Summe ein Zinsspekulant für das Jahr 2008 belohnt werden, gegen den inzwischen wegen der Manipulation des Referenzzinses Libor ermittelt wird und den das Institut 2011 entlassen hat. Die Bank behielt daraufhin nach früheren Informationen mehrerer Medien 40 Mio. Euro der Rekordsumme ein.

Dass die EU überlegt, bei Bonuszahlungen für Manager Obergrenzen einzuziehen, mag ob solcher Meldungen nicht überraschen.

Kein Kommentar

Ein Sprecher des Konzerns wollte sich am Mittwoch in Frankfurt nicht zu dem konkreten Fall äußern. Er bekräftigte: "Nachdem die Bank festgestellt hat, dass sich eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern unangemessen verhalten hatte, hat sie diese Mitarbeiter suspendiert oder entlassen und verfallbare Vergütungskomponenten einbehalten. Dies wird auch weiterhin der Fall sein, während wir die Untersuchung zu Ende führen."

Die "London Interbank Offered Rate" (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe. Großbanken sollen den Zinssatz über Jahre manipuliert haben, um höhere Gewinne einzustreichen. Bei der Deutschen Bank läuft sowohl eine interne Prüfung als auch eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin zu dem Fall.

Entlassen, suspendiert

Im Zusammenhang mit den Tricksereien hat die Deutsche Bank bislang sieben Mitarbeiter entlassen oder suspendiert. Bei der britischen Großbank Barclays kostete der Skandal VorstandschefBob Diamondden Job.

Die Schweizer Großbank UBS zahlte im Dezember fast 1,2 Mrd. Euro Strafe, die verstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) einigte sich mit den Behörden auf 612 Mio. US-Dollar (aktuell 455,4 Mio. Euro) Strafe.

Warum die hohe Summe?

Der extrem hohe Bonusanspruch des inzwischen gefeuerten Deutsche-Bank-Mitarbeiters ergab sich laut Stern aus einer vertraglichen Formel, nach der dem Mann ein fixer Prozentsatz der von ihm erzielten Spekulationsgewinne zustand.

Der seit Juni 2012 amtierende Co-ChefAnshu Jainhatte im Jänner 2013 erklärt, derartige Vergütungsmodelle gebe es bei dem Dax-Konzern seit der Finanzkrise nicht mehr.

Zum Vergleich: Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekam in seinen besten Zeiten rund 14 Mio. Euro - Festgehalt plus Bonus. Für das Krisenjahr 2008 hatten Ackermann und seine Vorstandskollegen auf Boni in Millionenhöhe verzichtet.