Fernwärme Wien: undurchsichtige Preisgestaltung

© APA/HELMUT FOHRINGER

Konsumentenschutz
02/20/2017

Deutlich zu hohe Rechnung von der Fernwärme

Viele Beschwerden.Wenig Rechte für Kunden.

von Andreas Anzenberger

Frau K. war erbost, als sie die Vorschreibung für Heizung und Warmwasser zugestellt bekam. Für die gutgedämmte Neubauwohnung mit 76 Wohnfläche wollte die Fernwärme Wien monatlich rund 130 Euro. Das ist viel zu viel. Um diesen Betrag werden Einfamilienhäuser mit Heizung und Warmwasser versorgt.

Noch dazu, wo die neue Wohnung die ersten Monate nicht benutzt wurde. Die Eigentümer sind erst deutlich später eingezogen. Es wurde kein Warmwasser verbraucht und auch nicht geheizt. Trotzdem musste die Vorschreibung bezahlt werden. Das ist kein Einzelfall und nicht nur in Wien ein Problem. Es gibt laufend Beschwerden über die Festsetzung der Tarife durch Fernwärme-Anbieter in Österreich.

Professor Martin Wimmer von der Wirtschaftsuniversität hat vor drei Wochen einen ähnlichen Fall beschrieben. Eine viele zu hohe Vorschreibung, obwohl die Wohnung noch nicht bezogen war. Wimmer und die Arbeiterkammer haben damals eine Studie im Auftrag des Klimafonds präsentiert.

Intransparent

Das Ergebnis in Kurzfassung: Die Kunden von Fernwärmeunternehmen sind beim Konsumentenschutz deutlich benachteiligt. Dazu kommt, dass die Preise völlig intransparent sind.

Frau K . hat sich mehrmals bei der Fernwärme Wien beschwert. Als Kulanzlösung wurde die monatliche Vorschreibung auf 80 Euro gesenkt. Das ist immer noch zu viel. Die Fernwärme Wien hat argumentiert, die zu viel bezahlten Beträge würden den Kunden ohnehin gutgeschrieben.

Gratis-Darlehen

Allerdings ohne Verzinsung. Frau K. muss der Fernwärme ein Gratis-Darlehen gewähren. Es gibt keine Möglichkeit dagegen rechtlich vorzugehen.

Laut Studie gibt es anders als bei Strom oder Gas keine Aufschlüsselung der Energiekosten und der Netzkosten auf der Rechnung. Bei Strom und Gas kontrolliert die Aufsichtsbehörde E-Control, dass den Konsumenten nicht zu hohe Netzkosten verrechnet werden. Bei der Fernwärme gibt es keine solche Kontrolle.

Die Aufschlüsselung der Kosten ist nicht nur wegen der Vergleichbarkeit interessant. In Städten mit Müllverbrennung wird der Müll auch als Brennstoff für die Fernwärme genutzt. Die Bürger zahlen zuerst für die Entsorgung des Mülls und dann für die Energie, die aus der Verbrennung des Mülls gewonnen wird. Da wäre es für die Kunden eine wichtige Information, wie sich die Kosten aufteilen.

Der KURIER hat die Fernwärme Wien um eine Stellungnahme ersucht. Bis Redaktionsschluss ist keine Antwort eingetroffen.

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