Wirtschaft
16.05.2017

Der Euro ist im Höhenrausch

Die Eurozone wächst derzeit schneller als die US-Wirtschaft. Euro etabliert sich deutlich über 1,10 Dollar.

Der deutsche Leitindex Dax lässt sich bei seinem Rekordlauf nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Eigentlich müsste der deutlich gestiegene Euro die Kurse der Wertpapiere drücken, weil es die Exportchancen verringert. Das hielt die Anleger am Dienstag aber von größeren Engagements nicht wirklich ab. Mit 12.834,91 Punkten erklomm der deutsche Leitindex zeitweise ein neues Rekordhoch, bröckelte dann aber wieder um 0,1 Prozent auf unter 12.800 Zähler ab.

Der EuroStoxx50 notierte ebenfalls 0,1 Prozent schwächermit 3640 Punkten.Unterstützung erhielten die Optimisten an der Börse von positiven Konjunkturdaten. Die Eurozone wuchs im ersten Quartal mehr als doppelt so schnell wie die USA. Laut Daten des Statistikamts stieg das Bruttoinlandsprodukt von Jänner bis März um 0,5 Prozent zum Vorquartal.

Die USA, die größte einzelne Volkswirtschaft der Welt, hatte dagegen nur ein Plus von 0,2 Prozent geschafft.Die Daten nährten Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank ( EZB) die Zügel in der Geldpolitik bald enger anzieht. Der Ausblick auf oder auch nur eine leise Ahnung von künftig höheren Zinsen beeinflusst die Währungskurse: Der Euro stieg bis 13.30 Uhr um 0,8 Prozent auf 1,1064 Dollar und erreichte den höchsten Stand seit einem halben Jahr.

In der Regel belastet eine stärkere Gemeinschaftswährung die Aktienmärkte, da die Waren von Unternehmen aus der Euro-Zone im Welthandel teurer werden. „Dass der Dax trotz der Aussichten auf eine nicht mehr ganz so lockere Geldpolitik und eines stärkeren Euro steigen kann, zeigt, dass die Märkte die geldpolitischen Normalisierungspläne nicht mehr als Gefahr, sondern vielmehr als Bestätigung des Aufschwungs interpretieren“, sagte Marktexperte Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

Politwirren in den USA

Die Stärke des Euro ist aber auch auf eine Schwäche des Dollars zurückzuführen. Dort schlagen nach Meinung von Börsianern allmählich Zweifel an der Regierungsfähigkeit von Präsident Donald Trump auf die Stimmung durch. Insidern zufolge gab Trump geheime Informationen zur Extremistenmiliz Islamischer Staat an den russischen Außenminister Sergej Lawrow weiter.

„Geschasste FBI-Chefs, wirre Interviews oder der Bericht über eine potenzielle Preisgabe brisanter Geheimdienstinformationen werden nun doch ein Faktor für den Dollar“, erklärte Commerzbank-Analystin Esther Maria Reichelt. Dass sich die US-Regierung nun wie ursprünglich geplant auf Steuerreformen und Infrastrukturpläne konzentriere, erscheine unwahrscheinlich. Die Spekulationen darauf hatten den Dollar und die Aktienmärkte seit der Wahl von Trump im November beflügelt.

Schwaches Pfund schadet Easyjet

An der Börse in London rutschen Easyjet nach einem unerwartet hohen Verlust um sechs Prozent ab. Schuld war unter anderem das schwache britische Pfund. In den Sog gerieten Lufthansa, die 0,2 Prozent verloren. Die Papiere der British-Airways-Mutter IAG und Air France KLMrutschen je rund ein Prozent ab.

Beliebt bei Anlegern in Großbritannien waren dagegen Vodafone, nachdem der Telekommunikationskonzern einen Ergebniszuwachs im Gesamtjahr in Aussicht gestellt hat. Die Titel stiegen um vier Prozent und verhalfen dem Auswahlindex „Footsie“ zu seinem neuen Rekordhoch von 7490 Punkten.