© Karin Bergmann

Wirtschaft
09/20/2020

Der Coup: Walter Polz leitet das Weingut Kilger

Walter und Erich Polz verkauften ihr Hotel und trennten sich. Mit dem Einstieg ins Weingut Kilger entsteht innerfamiliäre Konkurrenz.

von Ida Metzger

Über Hans Kilger und seine millionenschwere Shopping-Tour durch die Südsteiermark wurde unter den Einheimischen stets viel getratscht. Als Konkurrenz nahmen Platzhirschen wie Manfred Tement, Hannes Sabathi & Co. den deutschen Investor aber nicht wahr.

Das ändert sich jetzt schlagartig. Denn Kilger landete einen Coup. Er engagierte Walter Polz als Leiter seines Weingutes. Nicht nur einer der besten Namen in der Südsteiermark, sondern Polz hat auch ein exzellentes Netzwerk in der Weinwelt – und das schürt Ängste, dass in der Welt des Sauvignon blanc nun ein Verdrängungswettbewerb entstehen könnte. Nachdem die Brüder Walter und Erich Polz getrennte Wege gehen und ihr kleines Imperium tatsächlich an den Wiener Immobilieninvestor Thomas Levenitschnig verkauft hatten (Hotel Pössnitzberg und das Weinregal sowie das Weingut Tscheppe wurden verkauft, aber das Weingut Polz bleibt in der Hand von Christoph und Erich Polz jun.), rief Hans Kilger bei Polz kurzerhand an, ob er nicht künftig für Domaines Kilger aktiv sein will.

„Wir haben nicht lange verhandeln müssen, nach wenigen Stunden war klar, dass wir es gemeinsam versuchen“, schildert Walter Polz die Entstehungsgeschichte.

Klingt so einfach: Aber war das Loslassen für den 56-jährigen Walter Polz, der mit seinem Bruder Erich 30 Jahre lang maßgeblich die Marke der Südsteirischen Klassik-Winzer mitaufgebaut hat, wirklich so leicht?

Neuer Walter-Polz-Wein

„Der Verkauf war leicht, der Weg bis zum Entschluss war schwierig. Von Kindesbeinen an habe ich im Weingut mitgearbeitet. Sobald ich den Führerschein hatte, lieferte ich Polz-Wein aus. Sechs Monate dauerte es, bis ich emotional für den Verkauf bereit war“, sagt Polz .

Nun fühlt er sich sogar befreit, obwohl Walter Polz im Wettbewerb zu seinen Neffen Christoph und Erich jun. steht, die das Weingut nach dem Verkauf übernommen haben. Als Konkurrenz will der Winzer die innerfamiliäre schwierige Situation nicht sehen. In der Südsteiermark gibt es „4.500 Hektar Weingärten. Die Weine müssen so oder so verkauft werden“. Sein Ziel ist klar: Polz will das Image von Investor Hans Kilger, dass er nur ein Einkäufer wäre, beseitigen.

Natürlich wird auch schon am ersten Wein gebastelt, der nicht nur die Handschrift von Walter Polz tragen soll, sondern auch unter seinem Namen auf dem Markt kommen wird. Also ein neuer Walter-Polz-Wein, der unter der Marke Domaines Kilger produziert wird. „Das ist mein Familienname, also ist für mich logisch, dass ich den Wein auch so nennen werde“, erklärt Polz.

Dazu kommt noch ein pikantes Detail – nämlich dass die besten Lagen des Polz-Weingutes wie etwa die Lage Obegg im Besitz von Renate und Walter Polz sind.

Gut möglich, dass Kilger diese wertvollen Weingärten in Zukunft pachten könnte. Dieser Schachzug würde die Neffen, die das Traditionsweingut Polz in Spielfeld weiterführen, empfindlich schmerzen, weil die Juwelen des Traubenimperiums damit weg wären.

Ein Neuanfang mit 56, wie es Walter Polz nun macht, wagen nicht viele. „Ich finde es spannend und witzig. Das Gute daran ist, dass man nicht mehr die Fehler begeht, die man mit 30 gemacht hat“, meint Polz. Und welche wären das? „Ich würde nie mehr ein Geschäft aufbauen, wo beide Partner 50 Prozent besitzen. Einer muss den Ton angeben“. Klingt, als hätten die Polz-Brüder noch eine Rechnung offen.

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