Karten für Kinder: Ab wann sie sinnvoll sind
Angebote gibt es viele. Das jüngste kommt von der N26. Auch bei der Berliner Neobank mit Wiener Gründern können seit Ende Jänner Eltern Debitkarten für ihre Kinder beantragen. Erhältlich sind sie, wie auch bei zahlreichen anderen Finanzinstituten, bereits ab sieben Jahren. Die Karten sind mit Ausgabenlimits versehen und unterliegen der elterlichen Aufsicht. Transaktionen müssen von den Erziehungsberechtigten freigegeben werden. Überziehungen sind nicht möglich.
Kinder könnten dadurch „schon früh mit digitalem Banking und strukturierter Finanzverwaltung in Kontakt gebracht werden“, heißt es bei N26. Dies ermögliche Familien, Finanzwissen aufzubauen, das sich im Laufe der Zeit zu Sparen, Investieren und langfristigem Vermögensaufbau weiterentwickele. Aber wie sehen das Pädagogen? Aber ab wann ist es sinnvoll, dass Kinder zum Bezahlen oder Geldabheben Karten nutzen?
Viele Banken und Neobanken - von der Bank Austria bis zu den Raiffeisenbanken, von N26 bis Revolut, bieten Kontopakete, die auch Debitkarten umfassen, für Kinder an, meist ab 7 bis 10 Jahren.
Sie sind mit Ausgaben- und Abhebelimits versehen, können im frühen Altern nicht überzogen werden und werden meist von den Eltern über eine App verwaltet. Ab 14 können Kinder auch selbst ein Konto eröffnen.
Auf ein bestimmtes Alter will sich die Wirtschaftspädagogin Bettina Fuhrmann, die an der WU Wien das Kompetenzzentrum für Finanzbildung leitet, nicht festlegen. Rechenfähigkeiten entwickeln sich erst im Laufe der Volksschulzeit, sagt sie. Bei manchen Kindern sei das früher, bei manchen später der Fall. Dass ein Kind mit Karte auf ein Konto zugreifen könne, mache deshalb grundsätzlich eher ab der Sekundarstufe Sinn, also ab zehn Jahren.
Dass Erwachsene mit Karte bezahlen, beobachten Kinder aber bereits früh. Auch dass man etwa das Handy oder Uhren zum Bezahlen nutzen könne, wissen sie bereits im Volksschulalter.
Bargeld mit Vorteilen
Aufgrund von Untersuchungsergebnissen lasse sich sagen, dass Kinder mit Bargeld leichter lernen können, was Geld ist, sagt die Wirtschaftspädagogin: „Weil sie sehen, wie es weniger wird, wenn sie es ausgeben.“ Auch das Ausgeben von Geld „tut mit Bargeld mehr weh“, als mit Karte.
Unbedenklich sei die Nutzung dann, wenn Kindern oder Jugendlichen bewusst ist, dass ihr Geld auch dann weniger werde, wenn es mit der Karte ausgegeben wird und sie in der Lage sind, den Überblick zu behalten.
Fuhrmann empfiehlt, das Thema mit Kindern aktiv anzusprechen. Ob sie sich schon vorstellen können, mit Karte zu bezahlen, oder ob sie warten wollen. Sobald sie über eine eigene Karte und Konto verfügen, sollten Kinder auch dazu angehalten werden, Kontobewegungen zu beobachten und auch aufzuschreiben, wofür man das Geld ausgibt: „Die wichtigste Fähigkeit im Umgang mit Geld ist es, zu wissen, wie viel man noch zur Verfügung hat.“
Die Wirtschaftspädagogin Bettina Fuhrmann
Kontrolle über Apps
Viele der Kartenangebote für Kinder umfassen Smartphone-Apps, in denen die finanzielle Situation übersichtlich dargestellt wird und Ausgaben penibel dokumentiert werden. Häufig finden sich darin auch spielerische Elemente. Aufgaben und Belohnungen gehören ebenso zum Repertoire wie Sparziele und Spartöpfe oder Challenges und Quizze zu Finanzthemen. Einige, wie etwa die Bling Card, sind darauf spezialisiert, verlangen dafür aber auch Geld. Grundsätzlich seien solche Apps durchaus sinnvoll, meint Fuhrmann. „Es stellt sich aber die Frage, warum man dazu eine App braucht.“
Das Wichtigste sei, mit Kindern über Geld zu reden. Welche Wünsche sie haben, wie sie erfüllt werden können, wie man sich Geld einteilen kann, auch ein finanzieller Polster könne Thema sein. „Wir sehen aus Untersuchungen, dass Eltern, die sich mit Kindern auseinandersetzen, eher bewirken, dass sie unabhängig von einem konkreten Sparziel sparen.“
Konto "nicht leicht zu verstehen"
Auch was ein Bankkonto ist, sei nicht so leicht zu verstehen und müsse erklärt werden. Viele Kinder glauben, dass die Karte das Konto sei. Ohne Einwilligung der Eltern seien Überziehungen in dem Alter zwar nicht möglich. Fragen, ob man mehr abheben könne, als auf der Karte drauf sei, würden von Kindern und Jugendlichen aber häufig gestellt, erzählt Fuhrmann: „Auf die Idee würde man bei einer Geldbörse nicht kommen.“
Wichtig sei, deshalb auch zu lernen, dass wenn man Geld ausborgt, der zukünftige Konsum in die Gegenwart verschoben werde. Bei vielen Jugendlichen sei „Buy now pay later“ („Jetzt kaufen, später zahlen“), wie es oft in Online-Shops angeboten wird, brennendes Thema. „Wenn es normal wird, dass man etwas kauft und erst später bezahlt, kann das der Anfang von Schuldenproblemen sein, weil der Überblick leicht verloren geht“, warnt Fuhrmann.
Gestaltungsspielraum
Viele Angebote von Banken geben auch Spielraum bei der Gestaltung der Plastikkarten. Sie können mit Comicfiguren vollgepappt oder eingefärbt werden. „Aus Sicht der Anbieter ist das eine nachvollziehbare Produktentscheidung“, meint die Pädagogin: „Für den Umgang mit Geld bringt es nichts.“
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