Hassfigur Merkel: Die deutsche Kanzlerin soll Medienberichten zufolge ein Euro-Aus der Griechen mittlerweile für verkraftbar halten .

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Bluff oder ernste Drohung?
01/07/2015

Debatte über mögliches "Grexit" weitet sich aus

Deutsche Regierung weist neue Berichte zurück, wonach sie die Folgen eines Euro-Aus durchspielt.

von Philipp Hacker-Walton

Offiziell werden in Berlin alle Planspiele dementiert (mehr dzu hier). Doch es mehren sich die Berichte, wonach sich die deutsche Regierung zumindest theoretisch mit einem Ausstrieg Griechenlands aus der Eurozone befasst. Die Bild-Zeitung berichtete am Mittwoch, dass das Kanzleramt das "Grexit" durchspiele: Sollte das Linksbündnis Syriza die Parlamentswahl am 25. Jänner gewinnen und den Reformkurs abbrechen, würde die nächste Hilfstranche von zehn Milliarden Euro nicht überwiesen werden. Dafür könnte die EU-Bankenunion mit Milliarden-Hilfen einspringen müssen, falls die Menschen nach der Wahl die Banken stürmen, um ihre Euro-Guthaben zu retten.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat derweil die Debatte scharf kritisiert: Gegenüber der Zeitung Welt sprach er von "verantwortungslosen Spekulationen", die "wenig hilfreich" seien. Ein Euro-Aus der Griechen stehe nicht zur Diskussion, so Schulz.

Die wichtigsten Fragen zur Debatte um ein "Grexit":

Wieso gibt es aktuell eine "Grexit"-Debatte?

Der Spiegel hat am Wochenende berichtet, dass die deutsche Regierung bei einem Wahlsieg der Linken einen Austritt Griechenlands für verkraftbar halte. Syriza liegt in den Umfragen vorne, Parteichef Alexis Tsipras will die Sparprogramme aufweichen und nicht alle Schulden zurückzahlen. Die kolportierten Ausstiegsszenarien kann man als Warnschuss verstehen: Man wird sich von Tsipras nicht erpressen lassen; die Reformzusagen, die im Gegenzug für die Milliarden-Hilfen gemacht wurden, müssen halten.

Wäre ein "Grexit" für die Eurozone verkraftbar?

Zumindest verkraftbarer als am Höhepunkt der Krise. Der damals befürchtete Domino-Effekt würde nun wohl ausbleiben, weil EU-Banken kaum noch Geld in Griechenland haben. Trotzdem haben die Eurostaaten kein Interesse daran, dass Griechenland geht: Sie müssten Milliarden an Finanzhilfen abschreiben, ein "Grexit" würde das Vertrauen in die Eurozone schwächen.

Wollen die Griechen den Euro verlassen?

Nein. Selbst Tsipras will bei aller EU-Kritik in der Währungsunion bleiben – mit Erleichterungen. Eine Verlängerung der Kredit-Laufzeiten gilt in Brüssel als wahrscheinlich, ein Schuldenschnitt ist nicht ausgeschlossen.

Würde ein Euro-Aus Griechenland helfen?

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hält die Rückkehr zu einer eigenen Währung, die abgewertet werden kann, für die einzige Rettung vor einer neuen Staatspleite. Nur so lasse sich wieder Wettbewerbsfähigkeit herstellen. Andere Experten widersprechen: "Die griechische Wirtschaft würde weniger als erhofft von einer Entwertung der Währung profitieren", sagt Guntram B. Wolff, Chef des Brüsseler Thinktanks Bruegel. Er verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren trotz gesunkener Lohnniveaus die Exporte kaum stiegen. Vielmehr brauche es grundlegende Reformen, bei denen der Druck der Geldgeber helfe – und einen neuen Schuldenschnitt.

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