Wirtschaft
15.04.2017

Das Wettrennen der Essenszusteller

Das Geschäft ist in Händen großer Plattformen, die jährlich um geschätzte 60 Prozent wachsen.

Boten mit Fahrradhelm am Kopf und dampfendem Plastikgeschirr am Buckel sind auf der Überholspur. Ob Pizza, Burger oder Sushi – sie bringen das Essen an die Tür. Jährlich bauen die Essenszusteller ihre Umsätze um geschätzte 60 Prozent aus. Auch am Land schließen sich immer mehr Wirte an die Bestellplattformen an – und zahlen diesen bei jeder Bestellung eine Provision. "Bei uns kommen jedes Quartal 200 zusätzliche Restaurants dazu", rechnet Mjam-Chef Michael Hagenau vor. Das Plus kommt vor allem vom Land – in den Städten ist Mjam längst die Nummer 1. Gemessen am Umsatz liege der Marktanteil bei 50 Prozent.

Im Wiener Straßenbild fällt aber mehr die kleine Schwester Foodora auf, die aktuell 300 Fahrradboten mit pinken Rucksäcken und T-Shirts losschickt. Um 75 weniger als noch vor ein paar Wochen. Schuld daran ist der Frühlingseinbruch. "Wenn das Wetter schöner wird, gehen die Leute wieder raus zum Essen und wir haben weniger Geschäft", erklärt Vincent Pfeifer, Sprecher von Foodora in Deutschland und Österreich. Foodora, 2014 in München gegründet, ist aktuell in zehn Ländern unterwegs und gehört wie Mjam zu Delivery Hero, einem internationalen Netzwerk von Essenszustellern. Mjam beschäftigt im Gegensatz zu Foodora aber keine eigenen Fahrer – fällt also auf der Straße nicht auf. Bei großen Kunden wie McDonald’s oder Burger King schickt Mjam externe Lieferfirmen los, sonst nimmt der Wirt die Zustellung selbst in die Hand.

Lieferservice setzt auf E-Bikes und eigene Fahrer

Ein System, mit dem auch Erzrivale Lieferservice.at bisher gut gefahren ist. 2016 sind bei der zum bösenotierten Konzern Takeaway gehörenden Plattform österreichweit 3,4 Millionen Bestellungen eingegangen. "Um 62 Prozent mehr als im Vorjahr", sagt Lieferservice-Gründer und Chef Jitzse Groen. Rund 1800 Restaurants liefern allein in Österreich an Lieferservice – das sind mehr Lokale als bei Mjam. Lieferservice.at probt nun die Zustellung mit eigenen Boten auf E-Bikes. Die 30 bis 40 Zusteller sind fix angestellt – im Gegensatz zu Foodora, wo die Boten ihre eigenen Fahrräder mitbringen und für das bei der Arbeit verbrauchte Datenvolumen am Smartphone selbst aufkommen müssen. Im Vergleich dazu hat Takeaway ein teures Geschäftsmodell gewählt, wie deren Chef Jörg Gebring erklärt. Geld sei mit diesem Modell vorerst schwer zu verdienen, sagt er.