Wirtschaft
06.08.2018

Das sind Europas Verlierer der US-Sanktionen gegen den Iran

Europas Autobauer, Luftfahrtunternehmen, Öl- und Technologiekonzerne sowie Banken sind von Trumps Politik betroffen.

Auch wenn sich viele europäische Unternehmen zurückhaltend geben: Die neuen US-Sanktionen gegen den Iran dürften Auswirkungen auf ihr Geschäft mit der Islamischen Republik haben. Die neuen Sanktionen betreffen nach Angaben eines US-Regierungsvertreters Devisen- und Edelmetallgeschäfte sowie den Handel mit Stahl und Kohle. Zudem umfassten die Sanktionen noch Software für die Industrie und die Autobranche, sagte der ranghohe Regierungsvertreter am Montag in Washington.

Ein Überblick über einige Branchen:

AUTOHERSTELLER

Die Opel-Mutter PSA um die Marken Peugeot und Citroën hat sich aus dem Iran-Geschäft zurückgezogen, wie sie bereits im Juni ankündigte. Der zweitgrößte europäische Autobauer hatte im vergangenen Jahr 445.000 Fahrzeuge in der Islamischen Republik verkauft, er kontrollierte damit zuletzt fast ein Drittel des Marktes.

Andere Autohersteller haben zurückhaltender auf die neuen US-Sanktionen reagiert: Renault will seine Aktivitäten gegebenenfalls zurückfahren. Auch Daimler und Volkswagen könnten betroffen sein. Daimler kooperiert seit zwei Jahren mit iranischen Firmen bei der Produktion und Vermarktung seiner Fahrzeuge, Volkswagen hatte erst im vergangenen Jahr nach 17 Jahren Abwesenheit die Rückkehr auf den iranischen Markt angekündigt.

LUFTFAHRT

Für große europäische Luftfahrtgesellschaften wie die deutsche AUA-Mutter Lufthansa und British Airways stehen womöglich die Transatlantik-Verbindungen auf dem Spiel, wenn sie ihre Direktflüge nach Teheran aufrechterhalten.

Auch der Flugzeughersteller Airbus könnte betroffen sein: Er will insgesamt 100 Maschinen an die Gesellschaft Iran Air liefern. Das Geschäft hat einen Wert von rund 10 Mrd. Dollar (8,6 Mrd. Euro). Bisher wurden aber nur drei Maschinen geliefert - diese brauchen US-Lizenzen, da einige Teile in den USA gefertigt werden.

ÖLKONZERNE

Der französische Erdölriese Total wollte bisher massiv in das South-Pars-Gasfeld im Persischen Golf investieren. Gemeinsam mit der chinesischen Gruppe CNPC wollte Total 5 Mrd. Dollar einsetzen. Nun dürften die Chinesen das Ölfeld alleine ausbeuten.

Andere große Ölkonzerne wie die britische BP und die italienische Eni warten offiziell noch die Auswirkungen der neuen US-Sanktionen ab.

INDUSTRIE

Der deutsche Technologiekonzern Siemens ist bereits seit 150 Jahren im Iran aktiv und arbeitet seit 2016 mit dem iranischen Unternehmen Mapna bei Gasturbinen und Generatoren für Stromkraftwerke zusammen. Mit Blick auf die neuen Sanktionen sagte Siemens-Sprecher Yashar Azad der Nachrichtenagentur AFP, der Konzern werde "sicherstellen, dass er in strenger Übereinstimmung mit den relevanten internationalen Exportkontrollbeschränkungen" handle.

BANKEN

In diesem Sektor sind vor allem deutsche Geldhäuser betroffen: Die Landesbank Helaba und die genossenschaftliche DZ Bank haben wegen der neuen US-Sanktionen ihren Rückzug aus dem Iran-Geschäft angekündigt.

Bei der Deutschen Bank und der Commerzbank liegt es bereits auf Eis, seitdem die Institute von den USA 2015 scharf wegen Sanktionsverstößen gemaßregelt wurden. Allein die Deutsche Bank verpflichtete sich wegen der Missachtung von Sanktionen gegen den Iran und Syrien zur Zahlung einer Strafe von 258 Mio. Dollar.