"Das Problem löst sich von selbst"

Christine Bauer-Jelinek
Foto: Kurier/Juerg Christandl Österreichische Autorin Christine Bauer-Jelinek.

Gut ausgebildete Frauen werden automatisch in die Chef-Etagen einziehen, sagt Bauer-Jelinek.

Sie ist auf Machtfragen spezialisiert: Christine Bauer-Jelinek ist Wirtschaftscoach, Psychotherapeutin und Autorin ("Die geheimen Spielregeln der Macht").

KURIER: Gibt es einen Rückschritt in der Sache der Frauen?

Christine Bauer-Jelinek:Meiner Beobachtung nach ist er eher herbeigeschrieben als real. Es gibt beides bei den Frauen: Einerseits sehr gut ausgebildete Durchsetzungsstarke, die ihren Weg nach oben machen und machen werden – und zwar bis ganz oben. Andererseits gibt es die Wahlfreiheit, um die wir ja auch gekämpft haben in der zweiten Welle der Frauenbewegung: Dass Frauen – wie übrigens auch die Männer – entscheiden können, in bestimmten Lebensphasen mehr Zeit für Kinder und Familie zu verwenden.

Sind Frauen die besseren Chefs?

Das glaube ich nicht. Frauen haben immer noch starke Mängel im Erkennen der Spielregeln in hierarchischen Systemen. Daher begehen sie Fehler, die zwar menschlich verständlich, aber karrieretechnisch eher hinderlich sind.

Welche Fehler sind das?

In hierarchischen Systemen geht es darum, einen Nutzen für die nächsthöhere Ebene zu erzeugen. Frauen sind schlecht darin, ihre Leistung als Nutzen zu verkaufen und kritisieren ihre Vorgesetzten gerne öffentlich beziehungsweise weisen sie auf Fehler hin. Das schadet ihnen und wird als Besserwisserei ausgelegt.

Den Frauen sind vielleicht auch Macht-Symbole wie dickes Dienstauto und repräsentatives Büro weniger wichtig?

Ja, sie setzen weniger auf die Insignien der Macht und werden daher häufig als rangniedriger wahrgenommen und nicht entsprechend ihrer Position behandelt.

Was halten Sie von Quoten?

Quoten sind dazu da, um Diskussionen anzustoßen. Aber ich glaube nicht, dass sie zu mehr Frauen in Chef-Positionen führen. In zehn Jahren werden die Frauen aber ohnehin dort sein – mit und ohne Quoten. Weil jetzt genügend gut ausgebildete Frauen in das Alter kommen, wo man Top-Karrieren macht.

Man wundert sich ja ohnehin, dass Frauen noch nicht in größerer Zahl in die Chefetagen eingezogen sind, wo sie doch mittlerweile besser ausgebildet sind als die Männer.

Das stimmt für die Jungen. Doch die Frauen, die jetzt gerade in die Vorstände und Aufsichtsräte kommen, sind 50 plus. Die flächendeckend gut Ausgebildeten sind 35 und jünger. Sie werden in Top-Positionen streben. Das Problem löst sich daher von selbst. Diese Wette habe ich im Safe liegen.

Kann die Zuwanderung dazu führen, dass manch Erreichtes wieder untergraben wird?

Wie sich die gesellschaftlichen Werte entwickeln werden, steht in den Sternen. Ich glaube aber, dass sich die Zuwanderung eher auf die unteren Ebenen des Arbeitsmarktes auswirkt.

(kurier) Erstellt am
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