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Analyse
06/10/2020

US-Notenbank führt Ende ihrer derzeitigen Zinspolitik herbei

In Europa und den USA ist der Spielraum der Notenbanken bei der Zinssetzung aufgebraucht.

von Martin Meyrath

Nach der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nun auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins im Juni nicht verändert. Er bleibt somit, wie erwartet, in der Spanne von null und 0,25 Prozent. Der Grund dafür dürfte einfach fehlender Spielraum sein.

Generell gesprochen machen hohe Zinsen das Sparen attraktiv, niedrige sollen die Unternehmen wie auch die Konsumenten zu Investitionen anregen. Übersteigt die jährliche Inflation den Zinssatz, schrumpft das Vermögen sogar, es ist also sinnvoll, eine Ausgabe zeitnah zu tätigen. Niedrige Zinsen werden demnach als Mittel gesehen, die Konjunktur anzukurbeln. Das Problem in der aktuellen Situation ist aber, dass die Zinsen schon vor Ausbruch der Corona–bedingten Wirtschaftskrise niedrig waren.

Das Dilemma der Banken

Im Euroraum liegt der Leitzins seit 2016 auf einem Rekordtief von 0,0 Prozent. Der Einlagensatz für Banken ist mit minus 0,5 sogar negativ, was bedeutet, dass diese Geld verlieren, wenn sie überschüssige Reserven bei der EZB hinterlegen. Das soll die Kreditinstitute motivieren, das Kapital in Form von Krediten in die Volkswirtschaften zu bringen. Das Dilemma der Banken ist allerdings, dass sie bei der Kreditvergabe aus gutem Grund an die sogenannten Basel III–Kriterien gebunden sind. Diese wurden in Folge der Finanzkrise ab 2007 erarbeitet und sollen verhindern, dass die Banken durch hohe Kreditausfälle ins Trudeln geraten.

Steigt die Unsicherheit um den Arbeitsplatz, schnallen viele Bürger den Gürtel enger. In Österreich hat sich die Sparquote seit der Corona–Krise auf 13 Prozent fast verdoppelt, in den USA kletterte sie sogar auf 33 Prozent. Aus Perspektive des einzelnen Haushalts ist das eine vernünftige Entscheidung, für die Volkswirtschaft ist es aber fatal, weil im selben Ausmaß, in dem die Sparquote steigt, die Nachfrage von Waren und Dienstleistungen sinkt.

Die konjunkturellen Aussichten trüben sich dadurch also weiter ein, schlimmerenfalls kommt es zu einer Pleitewelle, Kreditausfällen und weiterer Arbeitslosigkeit.

Negativzinsen

Angesichts der Corona–Krise erwachte auch in den USA die Debatte um Negativzinsen. Insbesondere Präsident Donald Trump hat diesen Schritt wiederholt gefordert. Notenbankchef Jerome Powell hat sich bislang dagegen ausgesprochen. Negativzinsen galten als unkonventionell, sind inzwischen aber nicht nur in der Eurozone, sondern beispielsweise auch in Japan und der Schweiz Realität.

Fraglich ist jedoch, ob diese Erfahrungen auf die amerikanische Wirtschaft umgelegt werden können. Manche Analysten befürchten, dass negative Zinsen der Konjunktur nicht helfen, aber Turbulenzen an den Kreditmärkten zeitigen könnten. Auch die psychologische Komponente ist hier relevant. Ergreift die Fed eine Maßnahme, die sie bislang abgelehnt hat, könnte das als Alarmsignal interpretiert werden.

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