Wirtschaft 26.04.2018

Dank Zinstief: Zweitbestes ÖBB-Ergebnis aller Zeiten

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Bilanz 2017: Staatsbahn steigerte Umsatz und Zahl der Fahrgäste. Zum Gewinnplus trug ein Sondereffekt bei.

Österreichs Staatsbesuch in China ist gefühlt schon eine kleine Ewigkeit her. Tatsächlich sind 14 Tage vergangen – so lange war der 600- Meter-Containerzug aus Chengdu unterwegs, der am Freitag in Wien eintrifft. Der erste Direktzug soll nicht der letzte bleiben: Die ÖBB wollen ihre Gütersparte Rail Cargo, die bisher in 18 Ländern vertreten ist, expandieren. In Richtung Osten, aber auch im „hohen Norden“ sollen neue Länder erschlossen werden.

Apropos Premiere: In der ÖBB-Bilanz 2017 war die Gütersparte mit 2,2 Mrd. Euro erstmals der umsatzstärkste Bereich. Sie hängte den ÖBB Personenverkehr (2,14 Mrd. Euro Umsatz) und die Infrastruktur (2,1 Mrd.) knapp, aber doch ab. Zum Gewinn trug sie jedoch am wenigsten bei. „Alle Teilkonzernbereiche haben positiv abgeschlossen“, betonte ÖBB-Chef Andreas Matthä indes. Der Konkurrenzkampf sei in der Gütersparte hoch – und Rail Cargo stärker gewachsen als Rivalen aus der Schweiz, Deutschland oder Polen.

Ein Problemfall bleibt Stückgut – das Joint Venture Q Logistics mit der Salzburger Firma Quehenberger ( der KURIER berichtete) brachte ein negatives Ergebnis „im niedrigen zweistelligen Bereich“ ein. Der Firmenwert musste um 4,2 Mio. Euro abgeschrieben werden.

Vor Steuern (EBT) erzielte der ÖBB-Konzern 176 Mio. Euro Gewinn – ein Plus von 6 Prozent, das zweitbeste Ergebnis nach 2015. Möglich machte das ein Sondereffekt: Die ÖBB finanzieren sich neuerdings über die staatliche Schuldenagentur (ÖBFA) und profitieren von der guten Bonität der Republik. Das half im Vorjahr, 28 Mio. Euro an Zinskosten zu sparen.

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Pensionierungswelle

Was aber, wenn die Hochkonjunktur und Niedrigzinsphase zu Ende gehen? Ohne Zinseffekte wäre das Ergebnis (EBIT) schwächer ausgefallen als 2016. Zur Begründung verwies Finanzchef Josef Halbmayr auf die um 65 Mio. (auf 1,03 Mrd.) Euro gestiegenen Abschreibungen, die den Gewinn schmälern. Die seien eine Folge der hohen Investitionen von rund 2 Mrd. Euro pro Jahr. Der Bahnausbau koste Geld, er schaffe aber auch Werte, sagte Matthä. Steigende Zinsen bereiten ihm keine Sorgen, das Gros der Schulden sei fixverzinst.

Wegen einer Pensionierungswelle suchen die ÖBB bis 2022 rund 10.000 neue Mitarbeiter. Die Fahrgäste müssen sich wie in den Vorjahren auf eine „moderate Preiserhöhung“ einstellen.

BILANZ-PK ÖBB "GESCHÄFTSJAHR 2017": MATTHÄ/HALBMAYR
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( kurier.at , hsp ) Erstellt am 26.04.2018