Es wird wieder etwas mehr Geld ausgegeben

© APA - Austria Presse Agentur

Analyse
12/15/2020

Covid-Krise: Kommt jetzt die Hyper-Inflation?

Weltweit fluten die Zentralbanken die Märkte mit Billionen. Die Folgen für die Konsumenten sind unabsehbar.

von Wolfgang Unterhuber

Auf den ersten Blick gibt es durchaus gute Gründe, zu glauben, dass die Preise demnächst stärker steigen werden.

Weltweit haben Zentralbanken seit dem Ausbruch der Corona-Krise Billionen Euro/Dollar in die Märkte gespült, um einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

So hat die Europäische Zentralbank (EZB) erst in der vergangenen Woche ein weiteres 500-Milliarde-Paket geschnürt und damit die Geldschleusen weiter geöffnet.

 

Tagung des EZB-Rats

Im Tresor

Dass die reine Erhöhung der Geldmenge nicht automatisch zu steigenden Teuerungsraten führt, hält der ehemalige ifo-Chef Hans-Werner Sinn in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" für logisch.

Die Maßnahmen der EZB hätten demnach bislang vor allem dazu geführt, dass Banken, aber auch die Unternehmen, das Geld horten. Die Mittel würden also nicht in den Wirtschaftskreislauf eingespeist.

 

Investitions-Stau

Sprich: Das Geld der Zentralbanken kommt also nicht bei denen an, die damit einkaufen gehen und die Preise treiben könnten.

Also bei Handwerkern, Lehrern, Arbeitern oder Büroangestellten zum Beispiel. Es landet hauptsächlich bei Banken und in den Kassen von Unternehmen.

Die wollen es – quer durch Europa betrachtet - nicht ausgeben, weil sie überschuldet sind und die schlechte Wirtschaftsentwicklung nicht gerade zum Investieren einlädt.

Lohn-Preis-Flaute

Wegen der schwachen Konjunktur schaffen es die Gewerkschaften auch nicht, höhere Löhne für die Arbeitnehmer durchzubringen.

Steigen die Löhne nicht, können die Unternehmen auch keine höheren Preise verlangen, weil die Nachfrage nach ihren Produkten verhalten bleibt.

Billiger Sprit

Die Corona-Krise hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf den Warenkorb gehabt.

Vor allem verbilligten sich in den vergangenen Monaten die Preise für Energieprodukte, also Heizöl und Sprit.

Weil die nachlassende Konjunktur zu einem Überangebot an Öl und seinen Produkten geführt hat.

Wohnen immer teurer

Wobei festzuhalten ist, dass die Verbilligungen für Treibstoffe in Österreich durch Teuerungen speziell für Wohnen aber auch Lebensmittel beinahe kompensiert werden.

Die Preise für Wohnen stiegen laut Nationalbank allein über den Sommer im Jahresvergleich um durchschnittlich rund 2,2 Prozent.

In Restaurants und Hotels wurden die Preise durchschnittlich um 3,3 Prozent angehoben.

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke wurden durchschnittlich um 2,7 Prozent teurer.

All das hat mit den Auswirkungen der Pandemie zu tun, weil die Nachfrage der Konsumenten nach Lebensmitteln gestiegen ist.

Prognose von JPMorgan

Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, könnte das nach Einschätzung von Experten aber generell wieder zu höherer Inflation führen.

Die US-Investmentbank JPMorgan etwa prognostiziert in einem aktuellen Ausblick eine moderat steigende Inflation ab 2021.

Die USA sanktionieren Öl aus dem Iran

Wenn dann die Energiepreise wieder steigen, werde es allein deswegen zu einer höheren Inflation kommen.

Besondere Dynamik

Gleiches analysiert aktuell der US-Vermögensverwalter Blackrock. Laut Blackrock könnte die Corona-Krise überhaupt eine eigene Inflationsdynamik erzeugen. 

Die Krise mache nämlich starke Unternehmen (vor allem große) noch stärker.

Schwache würden nach dem Ende der Staatshilfen vom Markt verschwinden. Die „Überlebenden" könnten dann so leichter Preiserhöhungen für ihre Produkte durchsetzen.

Fazit

In Summe aber wird keine Mega-Inflation geben. Bei allen Prognosen ist von einem moderaten Inflationsanstieg für die nächsten Jahre die Rede.

Nationalbank erwartet heuer 7,1 Prozent BIP-Minus

Die Oesterreichische Nationalbank erwartet in ihrer jüngsten Inflationsprognose  für Österreich im Jahr 2020 eine Inflationsrate von 1,4 Prozent, gefolgt von einem leichten Anstieg auf 1,7 Prozent im Jahr 2021.

Unklar ist noch, ob die Welt mit dem Ende der Krise nicht einen Nachholeffekt erlebt, der zusammen mit steigenden Rohölpreisen eine doch kräftigere Verteuerung auslösen könnte. 

Weiterhin Nullzinspolitik

In früheren Zeiten hätten die Notenbanken mit Zinserhöhungen den Konsumrausch samt Preisauftrieb gedämpft.

Nur wird das globale Finanzsystem seit gut einem Jahrzehnt von einer neuen Normalität geprägt: der Nullzinspolitik.

Null-Reform-Politik

Wenn die EZB die Zinsen erhöhen würde, wäre das die Pleite für Griechenland, Italien dann Portugal und Spanien sowie für Frankreich, die alle trotz ihrer gigantischen neuen Staatsverschuldung dank Null-Reform-Politik in den vergangenen Jahrzehnten dafür eben nur Minizinsen zahlen müssen.

Mit anderen Worten: Eine Erhöhung der Zinsen wäre das Ende des Kartenhauses namens Eurozone. 

Ob die Verbraucherpreisinflation in den kommenden Jahren bei zwei oder gar drei Prozent landen wird, ist aber auch gar nicht so entscheidend.

Geldvernichtung

Entscheidend ist, dass die Inflationsrate steigen wird, die Zinsen aber nicht. Damit öffnet sich die Schere zwischen Inflation und Nominalzinsen, und der Realzins (also Nominalzins minus Inflationsrate) triftet noch stärker in den negativen Bereich ab.

Das vernichtet den Wert des Geldes der Sparer. Weshalb alle Welt den Sparern seit Jahren erklärt, ihr Geld für Immobilien auszugeben.

Wann dort die Blase platzt, ist offen. Fest steht nur: Nach der Krise ist immer vor der Krise.

 

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