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Wirtschaft
12/18/2020

Corona-Hilfen: Wohin die Milliarden fließen

Warum mögliche Überförderungen gar nicht so schlimm und mehr Pleiten wünschenswert wären, erklären die Cofag-Chefs.

von Simone Hoepke

Um die Wirtschaft auch in der Corona-Krise am Laufen zu halten, hat die Regierung die Cofag gegründet, die 15 Milliarden Euro aus dem Corona-Hilfsfonds verteilt. In Form von Garantien, Fixkostenzuschüssen, den Verlustersatz sowie den Lockdown-Umsatzersatz. Kritisiert wird vieles – von der Überförderung der Betriebe bis hin zu schleppenden Genehmigungen. Dem KURIER legen die Cofag-Geschäftsführer Bernhard Perner und Marc Schimpel nun Fakten auf den Tisch.

Wie viele Unternehmen haben bisher um einen Umsatzersatz angesucht?

Per 17. Dezember mehr als 100.000, wobei die Unterstützungen oft moderat ausfallen. Ausgezahlt wurde er an 65.499 Firmen.

Wie hoch ist der Umsatzersatz im Durchschnitt?

Ein Viertel der Anspruchsberechtigten hat 2.300 Euro bekommen – den Mindestbetrag. Jeder zweite bekam weniger als 5.000 Euro, 75 Prozent der Antragsteller blieben unter der 16.000-Euro-Auszahlungsgrenze.

Welche Branchen haben am meisten Geld aus dem Hilfsfonds abgeholt?

Wenig überraschend die Hotellerie und Gastronomie, die auch am stärksten vom Lockdown betroffen war.

Werden die Betriebe oft überfördert?

„Das muss man im Einzelfall beantworten“, sagt Cofag-Geschäftsführer Marc Schimpel. Der Umsatzersatz sei eine schnelle, effektive Maßnahme, aber eben nicht so treffsicher wie der Fixkostenzuschuss. Cofag-Geschäftsführer Bernhard Perner: „Man muss bedenken, dass wir von relativ kleinen Beträgen reden. Eine mögliche Überförderung bei kleinen Unternehmen ist im Einzelfall weniger dramatisch als die systemische Überförderung von Konzernen.“ Der Umsatzersatz ist mit 800.000 Euro gedeckelt, was für viele Betriebe mit mehreren Standorten zum Problem wurde, da sie nur einmal einen Antrag stellen konnten, wenn alle Filialen in einer Gesellschaft firmieren.

Wäschereien, die für Hotels und Restaurants arbeiten, bekommen auch dann keinen Umsatzersatz, wenn ihnen das Geschäft im Lockdown weggebrochen ist. Könnte sich der Staat die Unterstützung für diverse Zulieferer überhaupt leisten?

„An uns liegt es nicht“, sagt Perner. Aus dem 15 Milliarden Euro Topf, den die Cofag zur Verfügung hat, sind erst zwei Milliarden ausgeschüttet worden. Ein Umsatzersatz für Zulieferbetriebe sei aber mit einem enormen administrativen Aufwand verbunden. Am Beispiel Wäscherei: „Das Finanzamt weiß ja nicht, für wen gewaschen wird. Das heißt, man müsste sich auf Belegebene begeben und schauen, welcher Umsatz mit welchem Kunden gemacht wurde.“

Laut Cofag wird der Umsatzersatz im Schnitt binnen vier, der Fixkostenzuschuss binnen 10 Tagen genehmigt. Wie passt das mit den Beschwerden über träge Genehmigungen zusammen?

„Wir leugnen nicht, dass auch unsere Callcenter-Mitarbeiter enorm be- und überlastet sind. Dazu kommen Antragsteller, die in einer Ausnahmesituation sind, da wird es schnell emotional“, meint Perner. Unter dem Strich funktioniere die Abwicklung aber – von Ausnahmen abgesehen – gut.

Der Staat hat auch Haftungen für Unternehmen übernommen. Vor allem für Großkonzerne?

Nein, bisher wurden Kredithaftungen von insgesamt 5,5 Milliarden Euro beantragt, davon nur 670 Millionen Euro von Großunternehmen. Das spiegelt auch die Unternehmenslandschaft Österreichs wider, die vor allem von Klein- und Mittelbetrieben getragen wird. Cofag-Geschäftsführer Bernhard Perner: „Es handelt sich hier ja nicht um Projektfinanzierungen, sondern um Überbrückungskredite, die vor allem kleinere Betriebe benötigen, die kaum finanzielle Reserven haben.“ Große Unternehmen hätten oft ein besseres Liquiditätsmanagement und würden so leichter durch Krisen kommen.

Werden die Firmen die Kredite jemals zurückzahlen können?

„Bisher haben wir kaum Ausfälle“, sagt Schimpel. Von einem Volumen von 4,6 Milliarden Euro an genehmigten Haftungen wurden bisher weniger als fünf Millionen Euro in Anspruch genommen. Die meisten Kredite sind Ende 2025 fällig.

Kommt 2021 die Insolvenzwelle?

Eine „gewisse natürliche Insolvenzquote“ wäre aus Sicht von Perner sogar wünschenswert. Aufgrund der Stundungen von Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen gibt es derzeit außergewöhnlich wenige Insolvenzen, „Nachholeffekte“ sind programmiert. Perner: „Hier muss mittels Übergangsfristen sichergestellt werden, dass Kollateralschäden vermieden werden.“

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