Wirtschaft
03/26/2020

Corona: CA Immo sieht die Immo-Märkte im Schlafzustand

Das Immo-Unternehmen fühlt sich für die Corona-Krise gut aufgestellt. 90 seiner Immobilien sind im Bürosektor. Transaktionen am Immo-Markt gibt es derzeit nicht.

Die börsennotierte CA Immo, die voriges Jahr einen Rekord-Nettogewinn eingefahren hat, sieht sich vergleichsweise gut aufgestellt für die Coronavirus-Krise. CEO Andreas Quint verwies am Donnerstag auf Mieterstruktur, Liquidität und Eigenkapitalausstattung des Unternehmens. Die Immobilienmärkte seien aber "in einen Schlafzustand gegangen".

Alle An- und Verkaufsaktivitäten seien praktisch eingestellt, es seien auch etwa keine Besichtigungen von Büros mehr möglich - die CA Immo ist zu 90 Prozent im Bürobereich aktiv. "Die Märkte sind in einem Ruhezustand - da ist einmal die Pausetaste gedrückt."

Das gleiche gelte für Entwicklungsprojekte, wo sich etwa die Frage stelle, ob man überhaupt Bauarbeiter bekomme, so Quint. Die CA Immo trage der Sperrsituation voll Rechnung, "wir können auch in der Home-Office-Situation weiterarbeiten. Die Mitarbeiter bewältigen die Situation sehr gut." Die drei Vorstandsdirektoren waren in der telefonischen Bilanzpressekonferenz übrigens aus Wien, Frankfurt und Berlin zugeschaltet.

Problemlose Weiterführung

Die CA Immo könne ihr Unternehmen "nahezu problemlos weiterführen", betonte Quint: "Wir gehören zu den drei Prozent der Unternehmen mit den geringsten Problemen in der Corona-Krise." Man sei keine Airline und kein Restaurantbetreiber und müsse auch nicht "täglich produzieren". Auch sei man kaum bei Einzelhandelsimmobilien mit einer niedrigeren Eigenkapitalquote engagiert. "Wir sind sehr gut aufgestellt im Vergleich zu anderen Unternehmen und anderen Unternehmen der eigenen Branche", so der CEO:

"Wir sehen uns ausgesprochen gut gerüstet für die Krise, die sich vielleicht noch weiter zuspitzen wird", meinte Quint. In offiziellen Statements höre er immer wieder: "Wir stehen erst am Beginn der Pandemie", deshalb würden Prognosen mit "konkreten Zahlen" für das heurige Jahr "derzeit keinen Sinn" machen.

Mit 89 Prozent Büroanteil am fast voll ausgelasteten, zu 96 Prozent vermieteten Bestandsportfolio, sehr guter Standort- und Gebäudequalität sowie einer branchendiversifizierten Mieterstruktur verfüge man über "hohe Resilienz", hatte die CA Immo schon am Mittwochabend erklärt. Man sei fokussiert auf Top-Mieter und staatliche Mieter, betonte Quint am Donnerstag: "Wir gehen von der Bonität der Mieter aus. Wir fühlen uns da sehr wohl." Der größte Einzelmieter (PwC) stellt nur 2,8 Prozent der Mieten, gefolgt von Frontex mit 2,7 Prozent, die Top-20 zusammen 32 Prozent.

Die Bilanz sei mit über 50 Prozent Eigenkapitalquote robust, die Ausstattung mit 439 Mio. Euro liquiden Mitteln Ende 2019 "sehr komfortabel" - 2018 waren es 374 Mio. Euro. Zusätzlich verfüge man über 400 Mio. Euro Nettoeinnahmen aus der Bond-Emission im Feber, das biete "stabilen Rückhalt" und ermögliche "Investitionen auch in schwierigerem Marktumfeld". Die Finanzierungskosten wurden auf 1,6 (1,7) Prozent per Jahresende weiter abgesenkt. Heuer gebe es Fälligkeiten nur aus Projekten, nicht aus Bonds. Erst kürzlich, am 18. März, hat Moody's das Baa2-Rating mit stabilem Ausblick bestätigt.

2019 stieg das Konzernergebnis um 29 Prozent auf die Rekordhöhe von 393 Mio. Euro. Die Dividende soll um elf Prozent von 0,90 auf einen Euro je Aktie angehoben werden - jedoch behalten sich Vorstand und Aufsichtsrat wegen der Coronavirus-Krise eine laufende Evaluierung und allfällige Änderung dieses Beschlussvorschlags vor.

Gewinnsteigerung

Das Immo-Vermögen steigerte die CA Immo voriges Jahr durch starkes organisches Wachstum um 16 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro, davon 83 Prozent Bestandsimmobilien. Das Bestandsportfolio von 4,3 Mrd. Euro liegt zu 47 Prozent in Osteuropa, zu 40 Prozent in Deutschland und 13 Prozent in Österreich. Die Rendite lag bei 5,5 (5,8) Prozent.

Geholfen bei der Gewinnsteigerung hat das hohe Neubewertungsergebnis von 463 Mio. Euro - das reflektiere die profitable Entwicklungstätigkeit und das sehr gute Marktumfeld in Deutschland. 36 Prozent des Neubewertungsergebnisses resultierten laut CFO Andreas Schillhofer aus den eigenen Entwicklungsprojekten, 50 Prozent aus Investment Property und 14 Prozent aus der Landbank. Non-Core-Assets wurden im Ausmaß von 190 Mio. Euro verkauft, dafür wurden 258 Mio. Euro in Core-Assets investiert, sagte CIO Keegan Viscius.

Die Mieterlöse wuchsen 2019 um 15 Prozent auf 221 Mio. Euro. Für heuer geht Quint davon aus, dass der "weit überwiegende Teil" der Mieten hereinkommen und es "nur in Ausnahmen" die Möglichkeit geben wird, dass Mieter nicht zahlen müssen. Ein eigenes Team sei hier im Einsatz, auch für Stundungslösungen. Dabei führe man etwa mit einem Kleingewerbetreibenden "andere Gespräche" als mit einem internationalen Großkonzern.

Die Cash-Generierungs-Größe FFO I kletterte um 13 Prozent auf 133 Mio. Euro, über die mindestens angepeilte Marke von 125 Mio. Euro hinaus. Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity) legte auf 14 (12) Prozent zu, der Nettovermögenswert (EPRA-NAV) je Aktie um 15 Prozent auf 38,37 Euro.

Im Herbst hat sich die CA Immo von ihren restlichen Immofinanz-Aktien getrennt. In Summe lukrierte sie mit dem Verkauf von 4,9 Prozent einen Return on Investment (ROI) von 15 Prozent bzw. 19 Mio. Euro auf die insgesamt investierten 130 Mio. Euro. Insgesamt lukrierte sie einen Return von rund 15 Prozent auf das Investment.