Wirtschaft
05.12.2011

CO2 reduzieren! Schön und gut - aber wie?

Reduzierung der Treibhausgase (THG) ist das große Thema dieser Tage. Nur wie, davon hört man vergleichsweise wenig.

CO2-Reduktion, oder genauer, Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen (THG) ist das große Thema, wenn es dieser Tage um Klimaschutz geht. 7%, 30%, 50%, 80%, viele Zahlen schwirren herum. Wenig hört man dabei, wie diese Ziele eigentlich erreicht werden sollen. Hier daher ein kurzer Überblick über die wesentlichen Maßnahmen und Instrumente zur Reduktion der THG-Emissionen.

In modernen Industrieländern wie Österreich werden Maßnahmen und Instrumente zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bereits auf breiter Ebene eingesetzt. Dabei werden vorrangig die folgenden Sektoren unterschieden:

- Industrie
- Energiewirtschaft (Strom und Wärmeproduktion, Raffinieren)
- Verkehr
- Haushalte und Dienstleistungssektor
- Landwirtschaft

Beispiele für die verschiedenen Sektoren

Zu den zentralen Maßnahmen zählen ganz allgemein die Verringerung des Verbrauches von fossilen und der verstärkte Einsatz von erneuerbaren Energieträgern. Dazu ein paar Beispiele für die einzelnen Sektoren:

- Industrie: energetische Optimierung von Prozessen und Verfahren, Einsatz von modernen und energieeffizienten Technologien, Nutzung von Erneuerbaren Energieträgern, verstärkte Nutzung von KWK-Technologien (Kraft-Wärme-Kopplung, sprich z.B. die Abwärme eines Gaskraftwerkes für Fernwärme nutzen), etc.

- Energiewirtschaft: Steigerung der Wirkungsgrade in Kraftwerken, Modernisierung des Kraftwerksparks, verstärkte Nutzung von KWK-Technologien, verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energieträgern bei der Erzeugung von Strom und Wärme, etc.

- Verkehr: Reduktion des Individualverkehrs und Forcierung der öffentlichen Verkehrsmittel, Verhaltensänderungen, Beimengung von biogenen Treibstoffen zu konventionellen Treibstoffen, etc.

- Haushalte: Reduktion des Energieverbrauches durch Sanierung und energieeffizienten Neubau, Nutzung von modernen und effizienten Haushaltsgeräten, Verhaltensänderungen, Heizungstausch, etc.; Nutzung von erneuerbaren Energieträgern beim Heizen (z.B. Pellet, Wärmepumpe)

- Dienstleistungssektor: ähnlich wie bei Haushalten

- Landwirtschaft: Nutzung von landwirtschaftlichen (Abfall-)Produkten zur Strom- und Wärmeerzeugung

Bund und Länder

Um die Vielzahl an Maßnahmen auch tatsächlich umzusetzen, wird in Österreich sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene eine Reihe von Instrumenten eingesetzt. Dabei kann es sich um sogenannte "Soft Actions" (Beratungen, Tipps, Verhaltensänderung) handeln, um ordnungspolitische Maßnahmen (Gesetze, Verbote, etc.) oder um öffentliche Investitionen, Förderungen und steuerliche Anreize, etc. Dazu wiederum folgende Beispiele in den einzelnen Sektoren:

- Industrie und Energiewirtschaft: Förderungen für Investitionen in energieeffiziente und erneuerbare Technologien, Steuervergünstigungen, etc. wichtig: energieintensive Industrie und große Anlagen der Energiewirtschaft sind vom europaweiten Emissionshandelssystem erfasst

- Verkehr: Investitionen in den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, Anpassung der Mineralölsteuer, Anpassung der NOVA, verpflichtende Beimischung von biogenen Treibstoffen, Zuschüsse zu Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel, Mautbestimmungen im hochrangigen Straßennetz, etc.

- Haushalte und Dienstleistungssektor: Förderungen für den Neubau von energieeffizienten Gebäuden und die Sanierung bestehender Gebäude, Förderung des Einbaus von modernen Heizsystemen, energetische Kennzeichnung von elektrischen Geräten, etc.

Flexible Mechanismen

Das Kyoto-Protokoll ermöglicht einzelnen Staaten einen Beitrag zur Erfüllung ihrer Klimaziele im Ausland zu realisieren. Dabei handelt es sich um die so genannten flexiblen Mechanismen. Der einfache Hintergrund dazu: je mehr ein Land bereits seine (spezifischen) Emissionen reduziert hat, desto schwieriger zu realisieren und teurer wird jede weitere Einheit CO2 die man sparen muss. Deswegen wird es Staaten ermöglicht außerhalb der eigenen Landesgrenzen Einsparungen zu realisieren und sich diese für die eigene Zielerreichung anrechnen zu lassen.

Zu diesen Mechanismen zählen:

- Emissionshandelssystem: in Europa wurde ein Emissionshandelssystem mit CO2-Zertifikaten geschaffen. In diesem System werden, nach gewissen vorgegeben Kriterien, die größten Emittenten (anlagenbezogen) aus Industrie und Energiewirtschaft erfasst. Diese haben nun die Wahl, im eigenen Unternehmen CO2-Einsparungsmaßnahmen zu implementieren, oder an der Börse CO2-Zertifikate zu kaufen - am Ende der jeweiligen Handelsperiode müssen sie die vorgegebenen Zielsetzungen nachweisen.

- Joint Implementation (JI): Länder können Emissionsreduktionen in anderen Ländern durchführen und sich die lukrierten Einsparungen für das eigene Ziel anrechnen lassen - Voraussetzung: das Ziel-Land in dem die Investition statt findet, muss auch ein Industrieland bzw. im Kyoto-Prozess integriert sein. Eine zusätzliche Motivation für dieses Instrument ist die Förderung von Investitionen in moderne Technologien und Anlagen in Osteuropa.

- Clean Development Mechanism (CDM): Dieses Instrument ist ähnlich dem zuvor beschriebenen JI - wesentlicher Unterschied: die Investition wird in einem Entwicklungsland durchgeführt.

In Österreich sollen aktuell rund 47 % der notwendigen Einsparungen über die beschriebenen flexiblen Mechanismen - also außerhalb Österreichs realisiert werden.