Cloover: Mit Ratenkauf bei Finanzierung der Energiewende helfen
Arbeiter installieren eine PV-Anlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses.
Rund eine halbe Million PV-Anlagen und 550.000 Wärmepumpen haben Eigenheimbesitzer in Österreich bereits installiert. Potenziell könnten es aber noch viel mehr sein. Mit dieser Überzeugung ist das deutsche Fintech Cloover im Dezember in den heimischen Markt eingetreten. Es will Installateuren und Privathaushalten mit digitalen und finanziellen Lösungen unter die Arme greifen und bringt dafür eine dicke Geldbörse mit.
Unternehmen expandiert in Europa
1,2 Milliarden Euro an Finanzierungszusagen hat Cloover von seinen Investoren und Partnern eingesammelt. Im Sommer 2023 als schweizerisch-schwedisches Start-up gestartet, ist Cloover heute auch in den Niederlanden, in Deutschland und seit Dezember auch in Österreich aktiv. Der Firmensitz befindet sich in Deutschland. Den Kern des Geschäftsmodells bildet ein "KI-basiertes Betriebssystem für mittelständische Installationsbetriebe", erklärt CEO Jodok Betschart im Gespräch mit dem KURIER.
Plattform dient Installateuren und indirekt Privatkunden
Mit einer Online-Plattform können Unternehmen Projektplanung, Beschaffung, Vertrieb, Energiemanagement und Finanzierung abdecken. Das soll Arbeitsabläufe "wie in einem großen vollintegrierten Installationsbetrieb" erlauben. In Kundengesprächen sollen Mitarbeiter in wenigen Minuten Finanzierungsangebote vorlegen können. Das sei viel schneller, als es durch die Zusammenarbeit mit regionalen Banken möglich wäre. Jenen fehle ein tiefes Verständnis von der Installation.
"Die Bank schaut nur auf die Kreditwürdigkeit", sagt Betschart. Sie achte nicht darauf, welche Komponenten in einem Haus verbaut werden, wie sich der Energieverbrauch dadurch ändere, welche Einsparungen man damit erziele und wie sehr der Wert des Hauses dadurch steige.
Jodok Betschart ist Mitgründer und CEO von Cloover.
100 bis 150 Euro monatlich für Vollausstattung
Hausbesitzern bietet Cloover ein Ratenkaufmodell an. Wenn man eine Photovoltaik-Anlage, eine Wärmepumpe und einen Batteriespeicher anschaffen will, komme man "schnell einmal auf 40.000 bis 50.000 Euro." Mit einer monatlichen Rate von 100 bis 150 Euro über 25 Jahre sei dies leichter finanzierbar. Die Rate lässt sich bei Geldmangel bis zu 3 Monate aussetzen. Sondertilgungen sind jederzeit kostenlos möglich.
Auch thermische Sanierungen werden finanziert. Cloover will dazu mit Kundenservice, einer eigenen Versicherung und eigenen dynamischen Stromtarifen punkten und alles aus einer Hand anbieten.
Heimische Betriebe suchen Partnerschaft
Die Nachfrage sei laut Betschart enorm. Im vergangenen Jahr hatte Cloover bereits "20 bis 30" österreichische Betriebe auf der Warteliste. Im Dezember wurde mit Heizma die erste Kooperation in Österreich abgeschlossen. Im Jänner und Februar kamen über 20 weitere Installationsbetriebe dazu. "Wir haben ein extrem starkes Momentum. Die Offenheit für das Produkt ist groß. Viele Betriebe merken, dass so eine Lösung wichtiger wird."
Heizma wollte eigentlich an einer eigenen Finanzierungslösung arbeiten, bedient sich dabei aber nun bei Cloover. "Wir haben das oft erlebt. Viele der größeren Betriebe wollten unser Modell nachmachen, eigene Kreditlinien aufstellen. Sie merken dann aber schnell, dass das ein eigenes Geschäftsmodell ist und arbeiten lieber mit einem Drittanbieter zusammen."
Team wächst rasch
Sein eigenes Finanzierungskapital hat Cloover durch Investoren und internationale Banken aufgestellt. Die Investoren kommen mehrheitlich aus den USA, aus Großbritannien und aus Deutschland. Die Partner-Banken seien mehrheitlich europäisch. Cloover beschäftigt derzeit 60 Mitarbeiter. In Österreich sind es zwei Personen, das Team soll aber bis Jahresende auf 10 Personen anwachsen.
Das Wachstumspotenzial in Österreich sieht Betschart als immer noch sehr groß an. "Die ersten 10 bis 15 Prozent der Haushalte wurden abgedeckt, aber der Rest ist auch offen für die Unabhängigkeit, die eigene Anlagen bringen." Österreich sei ein Markt, der sehr energiebewusst sei. "Viele Leute mögen es, energieunabhängig zu sein. Das ist ein größeres Thema als in vielen anderen Ländern."
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