Wirtschaft 05.12.2011

"Chinesen schwenken jetzt mehr auf Euro um"

© Bild: KURIER/Schraml Wilhelm

Der Wiener Ökonom und Währungsexperte Fritz Breuss bewertet im KURIER-Gespräch die Entwicklungen der letzten Tage.

Ökonom Fritz Breuss zum ...
... Euro-Rettungsschirm
Die Debatte über die Vergrößerung des Rettungsschirmes ist schädlich und fördert nur das "moral hazard". So gesehen kann der Rettungsschirm auch irgendwann zu groß werden, es muss eine klare Grenze geben. Die Debatte ist auch deshalb sinnlos, weil wenn Italien pleite geht, ist die Währungsunion ohnehin Geschichte.

... Anleihen-Aufkauf
Der EZB-Beschluss zum Aufkauf italienischer und spanischer Staatsanleihen ist richtig und mindert wie beabsichtigt die Risikoaufschläge dieser Papiere. Das ist die einzige Lösung zu Stabilisierung der Situation. Grundsätzlich ist natürlich richtig, dass man das nicht ewig machen kann. Aber die US-Notenbank macht es auch und zwar in einem zehn Mal so hohen Ausmaß.

... Pleitegefahr
Wenn gewährleistet ist, dass sich Staaten wie Italien und Spanien weiterhin zu verkraftbaren Zinsen ganz normal über die Finanzmärkte finanzieren können, dann müssen diese Länder nicht unter den Rettungsschirm. So die Logik. Die Märkte akzeptieren das. Die EZB muss glaubwürdig die Rolle des "Lenders of Last Ressort" einnehmen.

... Euro
Der Wert des Euro ist davon unabhängig zu sehen. Er wird durch die europäische Leistungsbilanz im Verhältnis zur Welt bestimmt und die ist ausgeglichen. Alles andere sind kurzfristige spekulative Störungen, ausgelöst durch die permanenten Verunsicherungen.

... Weltleitwährung
Der Euro gewinnt sogar an Gewicht im Verhältnis zum Dollar. In den letzten zehn Jahren stieg der Anteil des Euro an den Weltwährungsreserven von 18 auf 27 Prozent. Der Dollar-Anteil sank von 72 auf 60 Prozent. Dieser Trend geht auch weiter, weil die Chinesen jetzt mehr auf Euro umschwenken. Die Chinesen helfen uns also, das stabilisiert den Euro.

Erstellt am 05.12.2011