China scheint das Coronavirus in den Griff zu bekommen

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
01/14/2021

China steigerte Exporte 2020 trotz Corona

Chinas Firmen exportieren um 3,6 Prozent mehr als 2019. Pandemie treibt Nachfrage an. Europäische Unternehmen warnen aber vor neuen Risiken.

China hat ungeachtet der Coronarezession bei vielen Handelspartnern im vergangenen Jahr mehr exportiert. Die Ausfuhren kletterten in Dollar gerechnet um 3,6 Prozent im Vergleich zu 2019, wie die Zollbehörde am Donnerstag in Peking bekanntgab. "Der Appetit nach chinesischen Konsumgütern ist ungebremst groß", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. "Es ist derzeit auch kein Ende dieses Booms in Sicht, solange in weiten Teilen der Welt das Virus den Takt vorgibt."

Davon profitierten letztlich auch andere, so Gitzel: "Wenn Chinas Produktion auf Hochtouren läuft, braucht es Maschinen. Diese kommen häufig aus Deutschland. Aber auch die US-Industrie profitierte vom China-Boom."

Zum Jahresende gelang den Exporteuren ein starker Endspurt: Im Dezember allein nahmen die Ausfuhren um 18,1 Prozent zum Vorjahresmonat zu. Ökonomen hatten hier nur mit einem Plus von 15,0 Prozent gerechnet, nachdem es im November sogar eine Zunahme von 21,1 Prozent gegeben hatte.

Pandemie als Treiber

China stellt viele Güter her, die in der Coronapandemie weltweit gefragt sind - etwa Medizinausrüstung wie Masken oder Laptops und Bildschirme für das Arbeiten zu Hause. "Die Nachfrage nach Elektronik für das Homeoffice und nach Hygieneartikeln heizt der chinesischen Exportwirtschaft ordentlich ein", führte Gitzel aus.

Auch deshalb dürfte die Volksrepublik im vergangenen Jahr als einzige große Wirtschaftsmacht gewachsen sein. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent aus. Heuer soll es ein Wirtschaftswachstum von 7,9 Prozent geben.

Der Handel dürfte auch im neuen Jahr zulegen, wie ein Sprecher der Zollbehörde sagte. Die Coronapandemie stelle den Exportweltmeister aber weiter vor Herausforderungen. Lockdowns bei wichtigen Handelspartnern in Europa und in den USA könnten die Nachfrage nach chinesischen Waren dämpfen.

Die chinesischen Importe nahmen im vergangenen Jahr ab, und zwar um 1,1 Prozent. Zuletzt zeigte der Trend aber nach oben: Im Dezember wuchsen die Einfuhren um 6,5 Prozent. Hier hatten Ökonomen nur mit plus 5,0 Prozent gerechnet, nachdem es im November einen Anstieg von 4,5 Prozent gegeben hatte. Das sind gute Nachrichten für Exporteuropameister Deutschland, für den China nach den USA der wichtigste Kunde ist.

Europäische Firmen warnen vor Risiken

Indes warnten am Donnerstag vor dem Hintergrund der Stärke der chinesischen Wirtschaft europäische Firmen vor neuen Risiken für ihr Geschäft in der Volksrepublik. So wird befürchtet, dass China und die anderen großen Volkswirtschaften in Zukunft weiter auseinanderdriften, was zu Störungen der globalen Handelsströme führe. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag vorgestellte Analyse der EU-Handelskammer in Peking und des China Institut Merics in Berlin.

Die Experten warnen, dass die Spannungen zwischen China und den USA sich auch unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden fortsetzen dürften. China setze angesichts wachsender Vorbehalte im Westen zunehmend darauf, die eigene Wirtschaft unabhängiger zu machen.

Eine Biden-Regierung werde wahrscheinlich "weniger scharf" agieren. Der überparteiliche Konsens in Washington, China als strategischen Konkurrenten zu betrachten, bedeute jedoch, dass die Globalisierung wohl nicht einfach zur Normalität zurückkehre.

Entkopplungstendenzen seien längst nicht nur bei Lieferketten im Handel zu erkennen. Auch bei Daten, im Digitalbereich oder bei Industriestandards gehe China einen eignen Weg. Dass Peking seine Unabhängigkeitsbestrebungen "radikaler" vorantreibe, bekämen auch europäische Unternehmen in China zu spüren.

Die EU und Peking haben sich Ende des Vorjahres auf die Grundzüge des Investitionsabkommens geeinigt. Der Pakt soll den Marktzugang für europäische Unternehmen in China verbessern, für fairen Wettbewerb und Rechtssicherheit sorgen und neue Geschäfte ermöglichen. Greifen dürfte der Pakt erst 2022, viele Details sind noch zu klären.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in China zuletzt so stark gestiegen wie seit über zehn Monaten nicht mehr. Binnen 24 Stunden wurden 138 neue Covid-19-Fälle bekannt, wie die Gesundheitsbehörde am Donnerstag in Peking mitteilte. Tags zuvor waren es noch 115.

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