© Reinhard Vogel

Wirtschaft
07/16/2021

China könnte künftig auch bei den ÖBB zum Zug kommen

ÖBB wollen Loks der Baureihen 1063 und 1163 ersetzen. Sie kaufen bis zu 200 E-Hybrid-Verschub-Loks um 788 Millionen Euro.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die ÖBB sind auf Einkaufstour. Die Bahn will in den nächsten zehn Jahren bis zu 200 E-Hybrid-Verschub-Lokomotiven anschaffen, die die alten Rangier-Loks der Baureihen 1063 und 1163 ersetzen sollen. Der Gesamtauftragswert dieses Rahmenvertrags beträgt 788,63 Millionen Euro. Maximal acht Bewerber sind zur Angebotsabgabe zugelassen. Bis 28. Juli müssen diese ihre Angebote abgeben.

Bahn-Insider gehen davon aus, dass neben Alstom und Siemens Mobility auch der chinesische Zugbauer China Railway Rolling Stock Corporation (187.000 Mitarbeiter, 38 Milliarden Dollar Umsatz) mitmischen wird. CRRC hat solche E-Hybrid-Loks im Programm.

Zwei dieser Rangier-Loks aus China mit der Bezeichnung „Bison“ hat die ÖBB-Tochter Rail Cargo Hungaria bereits geordert. Doch diese Lokomotiven benötigen noch eine EU-Zulassung.

Laut dem Branchenmagazin Lok-Report werden die Tests in Deutschland durchgeführt. Die E-Hybrid-Lokomotiven können mit Akkumulatoren Strecken ohne Oberleitung befahren, unter anderem vor allem dort, wo bisher Dieselloks eingesetzt werden. Laut Eisenbahn-Revue sollen die eLoks im September 2022 in Ungarn und in angrenzenden Ländern zugelassen werden.

Mehr als 40 Loks

Entsprechen die Leistungen der chinesischen Verschubloks den Anforderungen, kann Rail Cargo Hungaria weitere 20 Loks abrufen.

Außerdem hat Rail Cargo Hungaria zwei Streckenlokomotiven bei CRRC bestellt. Auch bei den Streckenlokomotiven gibt es eine Kauf-Option auf weitere 20 Loks.

Seit Herbst 2016 unterhält der chinesische Zugbauer seine Europa-Zentrale „CRRC ZELC Verkehrstechnik“ in Wien. Die Hauptgeschäftstätigkeit bestand in den ersten Jahren darin, Ersatzteile auf dem europäischen Markt anzukaufen und an verbundene Unternehmen nach China zu liefern.

Zugleich wurde die CRRC ZELC Verkehrstechnik darauf vorbereitet, Marketing- und Vertriebsaufgaben für den CRRC-Konzern zu übernehmen.

Mittlerweile hat sich CRRC einen Zugang zum europäischen Markt verschafft. Der Einstieg erfolgte in Nordmazedonien. So hat CRRC 2015/16 zwei elektrische und vier Diesel-Triebwagen-Personenzüge nach Nordmazedonien geliefert.

Im Herbst 2016 hat dann der tschechische Privatbahnbetreiber Leo Express einen Rahmenvertrag über 30 elektrische Triebwagenzüge „Sirius“ mit CRRC abgeschlossen. Die Züge haben aber bis heute noch keine EU-Zulassung. Und im Frühjahr 2020 kauften die Chinesen das Lokomotiven-Werk der Vossloh-Gruppe in Kiel.

„Strategische Gründe“

Das größte Aufsehen sorgte aber der Deal mit dem privaten österreichischen Bahnbetreiber Westbahn. Die Westbahn mietet vier Doppelstock-Triebzüge von CRRC an. Die Züge müssen erst nach Europa verschifft werden, die Zulassung soll, wie der KURIER berichtete, im Sommer oder Herbst 2023 erfolgen. Laut Bilanzlagebericht der Wiener CRRC-Tochter soll einem wichtigen Kunden, der vier Züge mietet, eine Kaufoption auf bis zu 30 Züge eingeräumt worden sein. Nicht ganz klar ist, ob damit die Westbahn gemeint ist. „Aus strategischen Gründen“ will sich die Westbahn zu dieser Frage nicht äußern.

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