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© KURIER/Gerhard Deutsch

Landesgericht Wien
03/01/2019

Causa Bawag: Neue Anklage rund um 350 Millionen Euro schweren Kredit

Fast 14 Jahre nach Platzen der Refco-Affäre liegt beim Landesgericht Wien eine brisante Anklage gegen vier Beschuldigte vor. Der Vorwurf: Untreue und schwerer Betrug.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Fast 14 Jahre nach Platzen der „Refco-Affäre" liegt beim Straflandesgericht Wien eine neue brisante Anklageschrift gegen den früheren Bawag-Vorstandschef Johann Zwettler und drei weitere Personen vor. Der Vorwurf: Untreue und schwerer Betrug. Das bestätigt der Erste Staatsanwalt Thomas Vecsey auf Anfrage dem KURIER. Die Vorwürfe werden bestritten.

Im Mittelpunkt steht ein 350 Millionen Euro schwerer Blitzkredit, den die Bank ihrem langjährigen US-Geschäftspartner und Wertpapierbroker Refco im Oktober 2005 gewährte. Wenige Tage später war Refco aber pleite und die damalige Gewerkschaftsbank Bawag um 350 Millionen Euro ärmer.

 

Wertlose Aktien

Denn: Die als Sicherheit dienenden Refco-Aktien, die Refco-Chef Phillip Bennett als Besicherung zur Verfügung stellte, waren nichts mehr wert. Vor allem auch deshalb, weil Refco-Chef Phillip Bennett die Bilanzen seiner Firma Refco gefälscht hatte.

Angeklagte eigentlich Opfer?

Die Anklage liegt seit 27. Februar 2019 bei Gericht. Die vier Beschuldigten wird vorgeworfen, dass sie diesen 350 Millionen Euro schweren Kredit nicht begeben hätten dürfen.Drei der vier Beschuldigten wurden heute von der Staatsanwaltschaft Wien über die bevorstehnede Zustellung der Anklage informiert.

„Ich hoffe, dass sie uns die Anklage nächste Woche zugestellt wird", sagt Zwettlers renommierter Strafverteidiger Mario Schmieder auf Anfrage zum KURIER. Zwettler bestreitet alle Vorwürfe. Aufgrund einer Erkrankung dürfte der 77-jährige Ex-Banker aber weiterhin weder vernehmungsfähig noch verhandlungsunfähig sein. Indes fühlen sich einzelne Verdächtige eigentlich "als Opfer" von Bennett und seiner Brokerfirma Refco.

Eine Milliarde Euo Schaden

Doch für die damalige Gewerkschaftsbank Bawag war der Totalausfall des 350 Millionen Euro schweren Kredits noch nicht der einzige Schaden aus der Refco-Affäre. Dem Vernehmen nach musste die Bank rund 683 Millionen US Dollar an die Refco-Gläubiger und in einen Opferfonds zahlen. Zugleich verzichtete die krisengeschüttelte Bank auf die Kreditrückforderung, die damals mit 454 Millionen Dollar beziffert wurde. Später kamen weitere Zahlungen dazu. Insgesamt musste die Gewerkschaftsbank eine Milliarde Euro für den Vergleich, sprich die Einigung mit den Refco-Gläubigern und  -Investoren hinblättern. Am 30. Juni 2006 wurde diese Einigung von einem New Yorker Gericht abgesegnet.

 

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