Wirtschaft 18.03.2018

Casinos Austria: Rien ne va plus

ABD0064_20170518 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA0418 VOM 18.5.2017 - Der neue Casinos-Chef Alexander Labak auf einem undatierten Arc… © Bild: CASINOS AUSTRIA/ACHIM BIENIEK

Probleme unter den Eigentümern und im Unternehmen spitzen sich zu. Regierung ist alarmiert.

Seriös und glaubwürdig, damit punktete die Casinos-Austria-Gruppe (Casag) Jahrzehnte lang. In der Glücksspielbranche ist ein guter Ruf fast alles. Doch im Unternehmen und auf Eigentümerebene spielt es sich derart ab, dass das Image starke Kratzer abbekommen könnte. "Wir haben ohnehin alle Fronten offen. Aber wenn wir jetzt auch unsere Glaubwürdigkeit verlieren, dann haben wir wirklich ein enormes Problem", sorgen sich Insider.

Die Regierung, die über die Staatsholding ÖBIB ein Drittel am Konglomerat aus Casinos, Lotto, Sportwetten, Automatenspiel und Online-Gaming hält, ist in Alarmbereitschaft. Und will nicht tatenlos zusehen, wie Vermögen der Steuerzahler verspielt wird. Immerhin ist die Casag mit 622 Millionen Euro (2017) einer der größten Steuerzahler im Land.

Die Probleme begannen mit dem Einstieg der tschechischen Sazka Group. Der Glücksspiel-Konzern der Milliardäre Karel Komarek und Jiři Smejc hat bereits 34 Prozent und will die Kontrolle.

Der nächste Schritt wäre die geplante Übernahme der Anteile des Bankhauses Schelhammer & Schattera, das der Grazer Wechselseitigen (Grawe) gehört. Die ehemalige Kirchenbank hält durchgerechnet mehr als neun Prozent an der Casag, davon 5,3 Prozent direkt.

Dieses Aktienpaket wird allerdings schwierig, denn die restlichen Casag-Aktionäre haben Vorkaufsrechte. Anzunehmen, dass die ÖBIB den Deal verhindern wird und schlimmstenfalls einen Rechtsstreit mit den Tschechen riskieren würde.

Um die Anteile selbst aufzugreifen, braucht die Staatsholding einen Regierungsbeschluss. Dieser wäre wohl zu bekommen. Eine zweite Variante ist der Einstieg von österreichischen Investoren. Das hatte in der Vergangenheit nicht funktioniert. Krone-Chef Christoph Dichand wäre an einer größeren Beteiligung interessiert gewesen, konnte aber das Kapital nicht aufbringen.

Schelhammer & Schattera betreibt die Wechselstuben in den zwölf inländischen Casinos. Dieses Geschäft müsste die Bank, die ethische Investments auf ihre Fahnen geschrieben hat, aufgeben.

Eine außerordentliche Hauptversammlung (HV) sollte den Verkauf Ende Februar absegnen, wurde aber abgesagt. Die Akteure haben noch etwas Zeit, die turnusmäßige HV ist im Sommer.

Die 17 Prozent der Novomatic bekommt die Sazka ebenfalls nicht. Harald Neumann, General des vom Selfmade-Industriellen Johann F. Graf gegründeten Konzerns mit der Zentrale in Gumpoldskirchen, hat dies mehrmals klar deponiert. Das Klima zwischen Novomatic und Sazka hat sich stark abgekühlt. Um beim Wettbewerbsrecht nicht anzustreifen, ging Novomatic für das operative Geschäft der Casag eine Stimmrechtsbindung (Change-of-Control-Klausel) mit Sazka ein. Heißt, Novomatic stimmt mit den Tschechen mit.

Sazka will in London an die Börse gehen. Sobald sich aber die Eigentümerstruktur verändert, und das wäre bei einem Börsegang der Fall, ist die Change-of-Control hinfällig. Novomatic ist ernsthaft gewillt, hört man, das auch zu exekutieren.

Der Börsegang dürfte der Grund sein, warum Sazka derart Druck macht. Die von ihrer Größe recht beachtliche Casag würde die Börsestory schön aufputzen. Die Casag kann aber nur dann voll konsolidiert werden, wenn Sazka die Kontrolle hat.

Man darf jedoch davon ausgehen, dass die ÖBIB auch auf Aufsichtsratsebene das Feld nicht kampflos räumen würde. Derzeit hat die Staatsholding vier Aufsichtsräte und gemeinsam mit dem Betriebsrat die Mehrheit.

Mit dem Börsegang will sich Sazka frisches Kapital für die weitere Expansion holen. Der Konzern ist nicht stark kapitalisiert und wies zum Halbjahr 2017 Verbindlichkeiten von knapp 1,5 Milliarden Euro aus. Plus eine Anleihe über 200 Millionen, verzinst zu vier Prozent. Kapitalmarktexperten meinen, dass die Börsephantasie ohne Konsolidierung der Casag nicht sehr groß wäre. Sazka wollte die Anteile an der Casag offenbar bereits verpfänden. Dafür ist allerdings der Segen der anderen Aktionäre erforderlich. Die ÖBIB jedoch verweigerte ihre Zustimmung.

Auch der von Sazka geplante Verkauf der Auslandstochter Casinos Austria International (CAI) spießt sich. Der von den Tschechen als Statthalter eingesetzte neue Casag-Chef Alexander Labak wollte den Verkauf bis Oktober 2017 durchziehen. Novomatic hatte im Mai die Mitaktionäre über ihr Kaufinteresse informiert und Labak schickte einen Teaser an mögliche Käufer aus. Die Novomatic ist hier in einer Doppelrolle. Als potenzieller Käufer ist man an einem möglichst niedrigen Preis interessiert, als Casag-Aktionär an einem möglichst hohen.

Über den Verkauf gibt es ebenfalls heftige Meinungsverschiedenheiten mit der ÖBIB, die zuerst eine klare Strategie sehen und dann erst entscheiden will. Aufsichtsratssitzungen wurden mehrfach kurzfristig abgesagt.

Die CAI fuhr lange Verluste ein, bis sie Labak-Vorgänger Karl Stoss ab 2015 in die schwarzen Zahlen brachte. Das exakte Ergebnis der CAI ist auf Grund der intransparenten Verrechnungen innerhalb des Konzerns jedoch schwierig festzustellen.

Ein Interview von Casag-Aufsichtsrat Pavel Horak (sitzt für Sazka im Gremium) in der Vorwoche im Standard wird von den Miteigentümern gar als geschäftsschädigend eingestuft. Seine abschätzigen Äußerungen über die CAI sind einem erfolgreichen Verkauf wenig dienlich.

Für die Trafikanten stellte Horak ein neues, umsatzabhängiges Provisionssystem in Aussicht. Was ebenfalls für Aufregung sorgt. Derzeit werden die wichtigsten Vertriebspartner für das Lotto nach fixen Sätzen bezahlt. Fragt sich, wie es mit dem Spielerschutz vereinbar ist, wenn Trafikanten ihre Kunden künftig offensiv zum Lotto animieren würden.

Kein Wunder, dass die Stimmung innerhalb der Casinos auf dem Tiefpunkt ist. Dazu hat auch der in Belegschaft und Management umstrittene Führungsstil von Labak beigetragen. Erstmals ging der Betriebsrat auf die Barrikaden und attackierte den Chef in einem offenen Brief. Das als Kalmierung gedachte Antwortschreiben von "Alex" an alle 4200 Mitarbeiter war zwar gut gemeint, aber derart ungeschickt formuliert, dass genau das Gegenteil erreicht wurde.

Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling wird an der Gerüchtebörse übrigens als neuer Berater der Sazka Group gehandelt. Dürfte damit zu tun haben, dass das Finanzministerium im Dezember den Tschechen akkurat am letzten Amtstag von Schelling die Übernahme weiterer Casag-Anteile genehmigte. Schelling, der inzwischen sein Gewerbe als Unternehmensberater reaktivierte, dementiert gegenüber dem KURIER jede Tätigkeit für Sazka vehement.

( kurier.at ) Erstellt am 18.03.2018