Wirtschaft
23.12.2017

BUWOG: Wie "Zeuge 81" die Affäre ins Laufen brachte

Am Anfang der BUWOG-Causa steht Kid Möchel – ein KURIER-Journalist.

Ein Anruf, der auf einer Mobilbox landet, später eine SMS-Nachricht: Am Beginn einer der spektakulärsten Korruptionsanklagen der Zweiten Republik stehen diese zwei harmlosen Details.

Über kaum eine Affäre wurde in den vergangenen Jahren ähnlich intensiv berichtet wie über die BUWOG, und das ist wohl gerechtfertigt. Denn glaubt man der Anklage, ist die Geschichte sagenhaft: Gemeinsam mit ein paar Spezis entscheidet sich der Finanzminister der Republik, beim Verkauf von Staatsimmobilien sein Insider-Wissen zu Barem zu machen.

9,6 Millionen Euro beträgt die Provision, die vom Käufer Immofinanz letztlich nach Zypern überwiesen wurde. Doch unter allen Details, die über die Affäre erzählt worden sind, ging ein Faktum zumeist unter: Wie alles begann, oder besser: Mit wem alles begann.

Denn tatsächlich war es ein Anruf von KURIER-Journalist Kid Möchel, der vor acht Jahren die Causa ins Rollen brachte.

September 2009: Möchel, damals Mitarbeiter im Wirtschaftsblatt, sieht sich den Akt der Immofinanz durch und wird bei einer kurzen Passage stutzig. "Das waren Tausende Seiten, und an einer Stelle steht in einer Zeugen-Einvernahme, dass die Immofinanz zehn Millionen Euro nach Zypern überweist. Ich hab’ mich gefragt: Warum machen die das? So viele Jahre nach dem BUWOG-Verkauf? Und warum nach Zypern?", sagt Möchel heute.

Ibiza-Urlaub? Abgebrochen

Aus dem Akt geht hervor, dass Lobbyist Peter Hocheggger das Geld bekommen hatte. Möchel ruft also Hochegger an – und landete auf der Mobilbox. Später antwortet Hochegger und schickt eine SMS, in der er bestätigt, dem früheren Immofinanz-Boss Karl Petrikovics "Informationen bezüglich des BUWOG-Verkaufs beschafft zu haben".

Dieser Kontakt und der folgende Artikel Möchels machen die Betroffenen offenbar unruhig. Der Lobbyist schickt SMS-Nachrichten an Walter Meischberger.

Der wiederum bricht seinen Ibiza-Urlaub kurzfristig ab und verständigt Karl-Heinz Grasser sowie Ernst Karl Plech, dass die Bestechungszahlungen auffliegen könnten. So steht es später jedenfalls in der Anklage.

"Ich habe offenbar eine gewisse Nervosität ausgelöst", sagt Möchel. Zum einen, weil Hochegger & Co die 9,6 Millionen Euro nicht versteuert hatten.

Möglicherweise aber auch, weil der Überweisung keine "geldwerte Leistung" gegenüberstand, wie es im Justiz-Deutsch heißt. Kurzum: Weil es sich um Bestechungsgeld handelte.

Die Verteidigung von Grasser & Co bestreitet das bis heute. Anders Hochegger: Er hat im BUWOG-Prozess ein Teil-Geständnis abgelegt und bestätigt damit, was Möchel – er wird in der Anklage als Zeuge Nummer 81 geführt – vor acht Jahren dachte: Dass der Transfer der 9,6 Millionen mehr als auffällig war.