Wirtschaft | BusinessOesterreich
23.03.2017

Nachhilfe in Sachen Digitalisierung

Wiener Kleinbetrieb möchte sein Personal weiterbilden. Das ist gar nicht so einfach.

Das Wiener Metalltechnik-Unternehmen Model Shop Vienna will sein Personal in Richtung Industrie 4.0 höher qualifizieren, fällt derzeit aber offenbar durch alle Förderschienen. "Entgegen aller Beteuerungen der Politik werden derzeit in Wien vom WAFF (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds, Anm.) nur noch Deutschkurse gefördert. Und das AMS sieht Unterstützung bei der Höherqualifizierung von Mitarbeitern erst ab einem Alter von 45 Jahren vor", schildert Firmenchef Bruno Schachner dem KURIER.

Seine lernwilligen 38 Mitarbeiter sind ausgebildete Fachkräfte und unter 45 Jahre alt. In diesem Fall fördert das AMS in der Regel die Weiterbildung nur dann, wenn es um das Nachholen von Berufsabschlüssen geht. Der WAFF wiederum stellte seine Fachkräfteförderung Ende des Vorjahres ein. Es gab zuwenig Interesse vonseiten der Betriebe, so die Begründung. Bleibt noch das Wirtschaftsförderungsinstitut (WIFI), das sich der Weiterbildung verschrieben hat. Tatsächlich gibt es hier ein großzügig gefördertes "Sonderprogramm Arbeitswelt 4.0 – Fit für Digitalisierung". Das wäre genau richtig für Schachners Betrieb, hat aber einen Haken: Die Bildungsförderung gibt es derzeit nur in Niederösterreich. Und weil das Geld vom Land Niederösterreich stammt auch nur für niederösterreichische Betriebe. Also wieder nichts. Ein Schreiben an Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck bringt wenig Erhellendes. Der WKW-Boss verweist auf die WAFF-Förderungen für Beschäftigte. Diese müssten die Kurse jedoch selbst beantragen. Der WAFF-"Weiterbildungstausender" wird jedoch nur gewährt, wenn das Einkommen maximal 1800 Euro beträgt. Als einzige Unterstützung wäre da noch der Bildungsgutschein der Arbeiterkammer Wien in Höhe von 120 Euro, der ist jedoch nicht überall einlösbar. Was nun?

Wie KURIER-Recherchen ergaben, ist schon bald Besserung in Sicht. Herr Schachner war mit seinem Wunsch nach geförderter Höherqualifizierung offenbar nur zu früh dran.

Bildungsoffensive

Ab Juni startet die Wirtschaftskammer österreichweit eine "Digitalisierungsoffensive" für Klein- und Mittelbetriebe mit einem Bündel an Maßnahmen. Ziel ist etwa der Erwerb digitaler Kompetenzen im Bereich technischer oder kaufmännisch-betriebswirtschaftlicher Informationstechnologie (z. B. eCommerce, New Media, IT-Security, Automatisierungstechnik).

Details dazu soll es Anfang März in einer eigenen Pressekonferenz geben. So viel sei schon verraten: Das WIFI wird ab September unterschiedliche Kurse zur "Stärkung der digitalen Fähigkeiten" anbieten, die zur Hälfte bzw. mit maximal 600 Euro pro Kursteilnehmer gefördert werden. Neben den geförderten Kursen soll es diverse Veranstaltungen sowie eine eigene Informationsplattform für KMU mit Online-Status-Check geben. "Für uns ist das Thema schon so selbstverständlich, dass wir gar nicht mehr darüber reden", erläutert Christian Faymann, Leiter des Bereichs Bildungsmanagement im WIFI. "Unsere Themenpalette ist diesbezüglich sehr umfangreich, auch was maßgeschneiderte Angebote für Unternehmen betrifft", sagt Faymann. Er verweist auch auf spezielle Angebote für Führungskräfte, von denen die Innovationen im Unternehmen ja getragen werden müssen. Die Kurs-Palette reicht von "Als Unternehmen im Social Media kommunizieren" bis zu "Arbeitswelt 4.0 – Die neue Welt des Arbeitens".

Schon im Vorjahr verzeichnete das WIFI großen Zulauf zu Themen wie Online-Marketing, eCommerce und Social Media. Weniger nachgefragt waren laut Institutsleiter Michael Landertshammer reine Basic-Ausbildungen. "Basiskurse a la ,Wie bediene ich mein Handy‘ gehören gerade im IT-Bereich der Vergangenheit an. Wir entwickeln uns in Richtung Spezialisierung." Insgesamt besuchten 360.000 Teilnehmer einen WIFI-Kurs, die Zahl der Veranstaltungen stieg um 2200 auf 33.837.

eCommerce-Lehre

Die Wirtschaftskammer will auch die Lehre im Handel digitalisieren. Schon ab dem Sommer gibt es im Zuge der Lehrausbildung den Schwerpunkt "Digitaler Verkauf". Ab 2018 sollen Betriebe den neuen Lehrberuf Online-Händler anbieten können. Der eCommerce-Kaufmann könnte als eigener Lehrberuf im nächsten Lehrberufspaket enthalten sein, sagt Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der WKO. "Wir wollen die österreichischen Händler ermutigen, die digitale Transformation anzugehen und nicht nur auf Veränderungen zu reagieren", meint Thalbauer.

Für den neuen Lehrberuf braucht es noch die Zustimmung der Sozialpartner und des Wirtschaftsministeriums.