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07.02.2017

"Jeder will ein Unikat"

Wienerroither honorarfrei © Bild: /Wienerroither

Regina Wienerroither ist die Erfinderin des Stretch-Dirndls und führt eine kleine Trachten-Manufaktur in Saalfelden: Dort werden Modelle in geringer Stückzahl in Handarbeit hergestellt.

Regina Wienerroither ist seit mehr als 30 Jahren Schneiderin. Schon mit 23 Jahren hat sie sich selbstständig gemacht, führt seither eine kleine Trachtenmanufaktur mit zwei Mitarbeiterinnen in Saalfelden. Vor fünf Jahren – mit einem genialen Einfall – hat sie ihr gesamtes Sortiment umgestellt: Sie macht ihre Dirndln seither ohne Falten und in schmaler Form, aus Stoffen mit Stretchanteil, aus Loden, Leinen und aus bedruckter Baumwolle.

KURIER: Tragen Sie jeden Tag ein Dirndl?

Regina Wienerroither: Ja, an jedem Tag. Ich bin sozusagen meine eigene Werbeträgerin. Nur nicht, wenn ich am Strand bin – dort trage ich dann schon etwas anderes.

Das Dirndl, das Sie heute tragen, hat ein schottisches Karo-Muster.
Schottenkaro mit einfärbiger Lodenschürze. Es sind meine eigenen Kreationen – die sehen dann doch etwas anders aus.

Seit wann machen Sie diese andere Art des Dirndls?
Seit etwa fünf Jahren. Da dachte ich mir: es braucht jetzt einmal etwas anderes, weil alle Hersteller machen irgendwie das gleiche. Ich wollte raus aus dieser Gleichmacherei. Seither mache ich die Dirndl völlig anders, schneide sie schmal und schlank. Auch die Stoffe sind anders, mit speziellen Drucken oder überhaupt einfärbig. Oft haben sie einen Stretchanteil: Ich bin die Erfinderin des Stretchdirndls.

honorarfrei, Wienerroither Tracht © Bild: /Wienerroither
Haben sich schon Nachahmer aufgetan?
Ja, leider. Oder zum Glück, muss man sagen, weil das ja zeigt, dass man das Richtige macht. Ich habe mir die Marke und das Design aber schützen lassen. Wenn also ein großer Produzent meine Schnitte und Kreationen nachmacht, kriegt er schon Schwierigkeiten mit mir. Aber ganz erwischen die Nachahmer das eh nicht – weder in der Herstellung, noch im Schnitt.

Mit dem neuen Sortiment hat sich wohl auch der Kundenkreis geändert.
Das stimmt. Jetzt kaufen viele Urlauber und Städter bei mir. Sie tragen gerne Tracht, für sie muss es aber keine echte, traditionelle Tracht sein.

Verkaufen Sie ausschließlich aus der Manufaktur heraus?
Ja, die Kunden kommen fast alle zu mir nach Saalfelden. Ich denke aber oft darüber nach, wie ich meine Kleider über Geschäfte verkaufen könnte. In den großen Städten Salzburg, München oder Wien müsste das gut gehen. Da fehlt mir aber noch der richtige Partner.

honorarfrei, Wienerroither Tracht © Bild: /Wienerroither

Ist es denn so schwierig, da jemanden zu finden?
Sehr schwierig. Es ist mir bisher auch noch nicht gelungen. Ich kann ein Geschäft nicht selbst betreiben. Ich bräuchte also einen Partner, der meine Kreationen versteht und meine Einzelstücke gerne in sein Sortiment aufnimmt.

Wie funktioniert der Verkauf über den Online-Shop?
Wir haben den Online-Shop seit etwa drei Jahren. Ich muss sagen: der Bereich entwickelt sich nur sehr langsam. Die Website fungiert eher als Schaufenster. Bestellungen kommen meistens von Kundinnen, die uns schon kennen und ihre Größe genau wissen. Kunden, die schon einmal gekauft haben und nachbestellen. Die meisten Kunden kommen aber lieber zu uns ins Atelier und lassen sich das Dirndl anpassen.

Haben Sie Großbestellungen von Hotels oder aus der Gastronomie?
Anfragen dazu gibt es, aber Großbestellungen machen wir nicht. In Einzelfällen würde ich vielleicht ein paar gleiche Modelle anfertigen, aber sicher nicht für eine ganze Mannschaft. Unser Weg ist klar definiert: möglichst klein, fein und exklusiv.

Wienerroither honorarfrei © Bild: /Wienerroither

Eine Produktion in sehr kleinen Stückzahlen also.
Ja, wir produzieren in sehr geringen Stückzahlen – im einstelligen Bereich. Der Kunde will Kleidung, die es nicht oft gibt. Ich würde sagen: Heute will jeder ein Unikat. Aber das ist ja durchaus verständlich: unsere Kleider sind ja auch exklusiv und hochpreisig.

Hochpreisig stört nicht?
Nein, das ist sogar gut. Dirndl werden heute überall angeboten, zum Teil auch schon sehr billig. Es ist also ist in jedem Preissegment und für jeden Geschmack etwas zu haben. Wir haben uns preislich am oberen Ende angesiedelt. Das hat auch damit zu tun, dass wir sehr teure Stoffe verwenden, fast alles Handarbeit ist.

Woher nehmen Sie die Stoffe?
Fast ausschließlich aus Österreich. Den hochwertigen Loden kann man etwa nur aus Österreich beziehen, da gibt es nur zwei Lieferanten. Der bedruckte Stoff kommt aus Tirol, das Leinen aus der Steiermark. Aber die Stoffe, die ich selbst entwerfe, sind eigentlich die erfolgreichsten. Wir zeichnen das Muster, die Stoffproduzenten setzen das dann für uns um.