Kößler (links) in seiner Buchhandlung in der Seestadt

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Branchen-Blick
09/08/2016

"Ich weiß, was den Kunden gefällt"

Johannes Kößler von der Buchhandlung "Seeseiten" erklärt, wie er sich gegen Online-Konkurrenz behauptet.

von Johanna Kreid

Manchmal braucht es ein wenig Magie: Obwohl der Buchhandel aktuell mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat, gibt es durchaus auch Gründe, "vorsichtig optimistisch" zu sein, wie es Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, nennt. Und einer dieser Gründe heißt Harry Potter. Denn immer wieder erscheinen Bücher, die derart erfolgreich sind, dass sie den Verkauf wieder ankurbeln. "Das ist eine Art Mitnahme-Effekt: Wer in eine Buchhandlung geht, um diesen Bestseller zu kaufen, nimmt häufig auch noch andere Bücher mit nach Hause", erklärt Föger. Zudem sei professionelle Beratung eine gute Möglichkeit, Kunden wieder in Buchhandlungen zu locken.

In ganz Österreich gibt es derzeit rund 400 Vollsortimentsbuchhandlungen. Die Umsätze im Buchhandel gingen seit Jahresbeginn jedoch um 2,9 Prozent zurück. "Trotzdem gibt es auch Beispiele für Neugründungen, die erfolgreich sind", betont Föger.

Das Geschäft am See

Etwa die "Seeseiten" in der Seestadt Aspern in Wien: Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin Bettina Wagner eröffnete Buchhändler Johannes Kößler im Mai 2015 eine Buchhandlung direkt am Seeufer. Seine Erfahrungen bisher? "Die Menschen sind froh, dass es hier in der Gegend wieder ein Buchgeschäft gibt", erzählt er. Service werde schließlich in vielen Bereichen zurückgeschraubt: "Am Flughafen muss ich selbst einchecken, bei der Kassa selbst einscannen. Umso mehr wissen Kunden guten Service zu schätzen."

Kößlers Strategie: Nicht mit den Online-Riesen konkurrieren. "Das ist sinnlos. Sondern schauen, was ich besser machen kann." Etwa, indem man das entsprechende Ambiente biete: "Bei uns kann ich Kaffee trinken und stundenlang schmökern."

Zentral sei aber die Beratung: "Und das kann ein Mensch besser als eine App", ist Kößler überzeugt. "Besser als jedes Computerprogramm weiß ich, was den Kunden gefällt. Auf Wunsch kann ich ganze Stapel an Empfehlungen liefern."

Die Entscheidung, in Zeiten wie diesen eine Buchhandlung zu eröffnen, habe er jedenfalls keineswegs bereut, mit den Verkaufszahlen sei er zufrieden. "Wir haben auch schon viele Stammkunden", erklärt Kößler. Und: Der nächste Harry Potter kommt bestimmt.