Stefan Ottrubay ist Vorstand der Esterházy-Stiftungen und Generaldirektor der Esterházy-Betriebe

© KURIER/Gilbert Novy

Stefan Ottrubay
09/30/2016

Der Erneuerer von Esterházy

Stefan Ottrubay über die neuen Pläne für die Region Eisenstadt – und warum der Staat ein schlechter Kulturmanager ist.

von Irmgard Kischko

Seit 15 Jahren steht Stefan Ottrubay an der Spitze der Esterházy-Gruppe. Der gebürtige Schweizer, Neffe der verstorbenen Fürstin Esterházy, hat die Land-, Forst- Immobilien-, Tourismus- und Kulturbetriebe von Esterházy zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor im Burgenland entwickelt. Im KURIER-Gespräch erzählt er, was er nun vorhat und wie er die Konflikte mit dem Land überwinden will.

KURIER: Herr Ottrubay,als Sie 2000 von der Schweiz nach Eisenstadt übersiedelt sind: Wie erlebten Sie die Stadt damals ?

Stefan Ottrubay: Ich bin nicht direkt aus der Schweiz gekommen. Ich war lange Zeit in London und New York, dann in Prag und Budapest. Als ich 2000 von Budapest nach Eisenstadt kam, war das ein ruhiges verschlafenes Städtchen.

Hat sich das inzwischen geändert?

Die Ostöffnung hat das Burgenland erst nach 2000 richtig erreicht. Ab damals hatten die offenen Grenzen auch einen regen Austausch zur Folge – privat ebenso wie von Gewerbe und Migranten. Ich hoffe, dass die jetzigen Grenzkontrollen nur eine vorübergehend sind. Denn das Burgenland hat von der Öffnung extrem profitiert.

Wie hat Esterházy die offenen Grenzen genutzt?

Das Unternehmen hat ebenfalls profitiert. Im Holzhandel sind wir in der Slowakei, in Tschechien und Rumänien aktiv. Wichtig ist die offene Grenze auch für den Tourismus. 15 bis 20 Prozent kommen aus den östlichen Nachbarländern.

Und welche Rolle spielt Esterházy für das Burgenland?

Seit der Neuausrichtung von Esterházy vor 15 Jahren wurden weit über 50 Millionen Euro in die Planung und Entwicklung der Immobilien investiert – auch ins Schloss Esterházy. Was noch wichtiger ist, wir sind keine Schnellinvestoren, die morgen schon zehn Prozent Rendite erzielen wollen. Bei uns zählt die langfristige Denkweise.

Sie haben im Sommer große Pläne für die pannonische Region angekündigt. Was wird daraus?

Im Forst und in der Landwirtschaft sind wir sehr stark aufgestellt, ebenso bei Immobilien und mit Wein. Im Tourismus aber haben wir noch viel zu tun. Wir müssen den Tagesgast, der im Burgenland dominiert, zu einem Mehrtages-Gast machen. Dazu brauchen wir gehobene Hotellerie und Freizeitangebote. Ich erwähne z. B. die Ausstellungen bei Esterházy. Insgesamt werden sie heuer weit über 250.000 Besucher haben.

Welche Auswirkung hat das auf die einheimische Bevölkerung?

Der Großraum Neusiedler See beginnt sich wirklich sehr dynamisch zu entwickeln. Wir bewegen uns weg von einer romantischen, aber ärmlichen Gegend zu einer wichtigen Wohn- und Freizeitregion in unmittelbarer Nachbarschaft zur Großstadt Wien. Die Immobilienpreise beginnen schon zu steigen.

Glauben Sie, dass damit alle einverstanden sind?

Wir müssen die Region vorsichtig entwickeln – gemeinsam mit den Menschen und mit der Natur. Zerstört ist nämlich schnell. Dem muss die Öffentlichkeit und die Politik besondere Rechnung tragen. Es gilt die Lebensqualität, die Verkehrsanbindungen und den sanften Tourismus zu fördern.

Sie haben für 2017 ein neues Herbstgold-Festival angekündigt. Ist unter den vielen Festivals dafür noch Platz?

Die alten Haydntage sollen nach dem Willen des Landes künftig im ländlichen Raum stattfinden, etwa in Frauenkirchen, Neusiedl, Raiding etc.. Eisenstadt ist mit dem Schloss Esterházy, mit dem Haydnsaal und dem Ursprung der Wiener Klassik durch Joseph Haydn für Klassikfreunde weltweit ein geradezu magischer Ort. Unsere Aufgabe ist es, noch stärker national und international zu agieren.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Musik, Kunst, Kultur? Man hört, Sie sind Klassik-Fan, warum jetzt auch Jazz und Rock bei Esterházy ?

Ich stamme aus einer kulturinteressierten Familie. Prägend war für mich meine Jugend. Wir hatten im Gymnasium hervorragende Lehrer für Geschichte, Literatur und Musik. Sie haben uns viel Theater und Musik spielen lassen. Unsere Klasse hatte ein eigenes kleines Orchester, mit dem wir aufgetreten sind. Für mich ist Kultur die dritte Sprache der Menschen. Die erste ist die gesprochene, die zweite die geschriebene. Dazu gehört ebenso die zeitgenössische Musik, Rock, Pop, Metall.

Wie gut funktioniert in Österreich die private Förderung von Kunst und Kultur?

Ich glaube, dass Kunst und Kreativität am besten gedeiht, wenn sich der Staat zurücknimmt. Leider läuft Österreich hinter der internationalen Entwicklung her. In den angelsächsischen Ländern, und auch in der Schweiz oder in Schweden wird der privaten Kunst- und Kulturförderung mehr Raum gegeben. Leider leben wir hier mit einem Fuß noch in der Monarchie.

Die Beziehungen zwischen Esterházy und dem Land Burgenland waren lange nicht problemfrei. Ist das jetzt besser?

Ich bin froh, dass vor acht Monaten Gespräche zwischen Land und Esterházy begonnen haben. Wir sind dabei auch recht weit gekommen. Im Bereich Tourismus kooperieren wir gut. Auch bei den Klassik- und Haydnkonzerten des Landes haben wir signalisiert, dass wir im Auftritt nach außen kooperieren wollen.

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