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Wirtschaft
12/11/2019

Brisant: Die zehn größten Firmenpleiten in Österreich

Die Prognose für 2020 lautet: Anstieg der Unternehmenspleiten drei bis fünf Prozent.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Unternehmensinsolvenzen sind heuer nur um 1,4 Prozent gestiegen. "In Summe ein minimales Plus. Die Fälle werden aber kleiner", weiß Hans-Georg Kantner vom KSV1870. Im Branchenranking führen die Dienstleister vor der Baubranche sowie der Gastro-Sparte und der Branche Maschinen und Metall.  Die Prognose für 2020 lautet: Zuwachs bei den Unternehmenspleiten um drei bis fünf Prozent.

Hier sehen Sie die wichtigsten zehn Pleiten des Jahres 2019:

  1. Firmengruppe: SFL (Metallbau), Stallhofen, 92,1 Millionen Euro Forderungen
  2. Alufix-Folienverarbeitungsgesellschaft m.b.H., Wiener Neudorf, 41 Millionen Euro
  3. Thomas Cook Austria AG (Reiseveranstalter), Wien, 38 Millionen Euro
  4. Bernhard und Thomas Braunsberger (Unternehmensgesellschafter), Steyr, 31,1 Millionen Euro
  5. MONTESINO Entertainment Group GmbH, vormals: DNR Consulting GmbH (Casino), Wien (Passiva lt. Bilanz 2017), 30,0 Millionen Euro
  6. IMPLETIO Wirkstoffabfüllung GmbH (Abfüllen von pharmazeutischen Produkten), Dornbirn, 28,1 Millionen Euro
  7. Firmengruppe: HTI, St. Marien, 24,8 Millionen Euro         
  8. MFC Holding Austria GmbH, Wien, 22 Millionen Euro
  9. Rupert Fertinger GmbH. (Herstellung von Armaturen), Wolkersdorf, 20 Millionen Euro
  10. Firmengruppe: Pierre Lang (Modeschmuck), Wien, 20 Millionen Euro

Der Branchenvergleich

"Wenn also das Gastgewerbe mit immerhin 42.000 Betrieben (zahlenmäßig größte Branche in Österreich) unter den Top 3 der Branchen nach Insolvenzfällen firmiert, bedeutet das keineswegs, dass diese Branche besonders insolvenzgeneigt wäre", heißt es vom KSV1870. "Das Gegenteil ist der Fall: die relative Insolvenzneigung (Insolvenzen bezogen auf Anzahl aller Betriebe) ist sogar deutlich unterdurchschnittlich."

Und weiter heißt es: "Anders mag es mit der Bauwirtschaft aussehen: sie ist zwar mit etwa 27.000 Betrieben auch eine durchaus große Branche, belegt aber eigentlich immer in Sachen Insolvenzneigung und -anzahl Spitzenplätze. Die komplexeste und letztlich auch faszinierendste Branche nennt sich „unternehmensbezogene Dienstleistungen“ und darunter fallen alle Servicebetriebe, viel Liegenschaftsgeschäft und alle Holdingunternehmen. Daher darf es nicht wundern, dass diese Branche nicht selten zwei erste Plätze belegt, wie auch in 2019: sowohl die meisten Pleiten, wie auch die höchsten Verbindlichkeiten. Beunruhigen darf so etwas nicht."

 

Ausblick auf nächstes Jahr

Laut KSV1870 hat sich das Wirtschaftsklima schon lange nicht mehr so bedeckt gezeigt wie heute. "Sinkendes Wachstum, wohin man blickt und entsprechend vorsichtig nach unten revidierte Prognosen. Mit Sicherheit lässt sich aber sagen: 2020 wird schwieriger als 2019 werden und Absatzprobleme, wie etwa der Automobilindustrie, werden die heimischen Zulieferer nicht vollkommen verschonen können. Privater Konsum und Tourismus werden in 2020 eventuell Schwächen der Konjunktur auffangen müssen", heißt es weiter. "Doch es ist nicht auszuschließen, dass dies fromme Wünsche bleiben, denn heimische Ersparnisse wurden schon nach 2008 „geplündert“ bzw. investiert und ausländische Touristen bleiben „über Nacht“ aus, wenn in ihren Heimatländern Schmalhans Küchenmeister wird. So kann die Prognose für 2020 nur ausgesprochen vorsichtig ausfallen: ein leichter Zuwachs im niedrigen einstelligen Prozentbereich ist daher durchaus zu erwarten."

Die Bundesländer

Keine Bewegung gab es in Wien, Oberösterreich und Kärnten; Zuwächse im Burgenland, Vorarlberg und Tirol, dagegen Rückgänge in Niederösterreich und der Steiermark. "Eine besondere Signifikanz lässt sich aus diesem Bild vorerst nicht herauslesen. Insgesamt sind die Fälle ja viel kleiner geworden und darüber kann auch die hohe Zahl an Großpleiten nichts ändern", heißt es weiter. "Deren Auswirkung sieht man gut an der Entwicklung der Passiva – denn die sinken auch in Bundesländern wie Wien, Oberösterreich und Kärnten mit unveränderten Insolvenzzahlen. Die Passiva werden sehr stark von Großpleiten getrieben, die sich der Planung genauso entziehen, wie einer Strukturanalyse. Industriestandorte wie Oberösterreich, Steiermark und Tirol, wie nicht zuletzt auch Wien, sind immer für Großinsolvenzen gut."

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