Es bahnt sich ein möglicher Schlachthof-Skandal an (Symbolbild)

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Chronik Österreich
11/19/2019

Brisante Millionenpleite: Aus für bekannten Fleischereibetrieb

Der Geschäftsführer soll laut AKV in U-Haft sitzen, der Schuldenberg beträgt rund 7,9 Millionen Euro.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

„Es steht der Verdacht der Vermischung zwischen genusstauglicher und genussuntauglicher Ware im Raum, wobei sich im Zuge der Nachschau durch die Lebensmittelbehörde dieser Verdacht bestätigt haben soll, weshalb auf Grund eines Bescheides die Verpflichtung auferlegt wurde, Fleisch des Produktionszeitraumes 17. September 2019 bis 22. Oktober 2019 vom Markt zurückzuholen und einer unschädlichen Beseitigung unter amtlicher Aufsicht zuzuführen“, teilt der Gläubigerschutzverband AKV mit. „Zudem wurde der Geschäftsführer des schuldnerischen Unternehmens in U-Haft genommen.“ Dem Vernehmen nach bestreitet er die Vorwürfe.

Und weiter heißt es: „Vor diesem Hintergrund gestaltet sich auch die Inventarisierung des Warenlagers schwierig, da das gesamte Tiefkühllager von der Lebensmittelbehörde versiegelt wurde. Es dürfte sich um 300 Tonnen Tiefkühlware handeln, die im schuldnerischen Betrieb gelagert sind und extern dürften weitere 80 Tonnen Tiefkühlware gelagert sein.“

Fakt ist: In der Insolvenzsache Ramsauer Fleisch GmbH mit Sitz in Heiligenkreuz am Waasen, Steiermark, wurde am Dienstag die erste Gläubigerversammlung abgehalten. Das Insolvenzgericht hat den Betrieb formell bereits mit Beschluss vom 11.November 2019 geschlossen und die 22 Dienstnehmer sind laut AKV weitgehend aus dem Unternehmen berechtigt vorzeitig ausgetreten.

Schulden und Vermögen

"Nach erster Einschätzung des Insolvenzverwalters dürften die Verbindlichkeiten rund 7,87 Millionen Euro betragen, welche sich jedoch aufgrund der Beendigungsansprüche der Dienstnehmer und der damit im Zusammenhang stehenden Lohnnebenansprüche erhöhen werden", weiß man dazu beim AKV. Das Gros der Verbindlichkeiten 4,83 Millionen Euro entfällt auf Banken, rund 2,88 Millionen Euro auf Lieferanten, 77.000 Euro auf sonstige Gläubiger, 40.000 Euro auf Löhne und 38.500 Euro auf die Gebietskrankenkasse.

„Die Aktiva bewertet der Masseverwalter vorerst mit fast acht Millionen Euro, wobei jedoch die Werthaltigkeit ungewiss ist, insbesondere bei den offenen Kundenforderungen in der Höhe von rund 4,5 Millionen Euro“, sagt Markus Graf vom AKV .  „Schwierig gestaltet sich auch die Inventarisierung des Warenlagers, da dieses aufgrund der eingeleiteten Ermittlungen versiegelt wurde."

 

1000 Tiere an Landwirte zum Zweck der Aufzucht verkauft

Das Warenlager und die Geschäfts- und die Betriebsausstattung wurde laut AKV noch keiner Bewertung unterzogen. "Diesbezüglich wird auf die obigen Ausführungen verwiesen. Ergänzend ist auszuführen, dass das schuldnerische Unternehmen auch ca. 1000 Tiere an verschiedene Landwirte zum Zweck der Aufzucht verkauft hat, wobei die diesbezüglichen Kaufpreise gestundet wurden", heißt es weiter. "Ob und in welcher Höhe aus diesem Titel Ansprüche lukrierbar sind, ist derzeit ebenfalls noch nicht abschätzbar."