Brexit timeline package

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Wirtschaft

Brexit: Handelsdelegierter in London sieht Einigung im letzten Moment

Der Handel soll mit und ohne Abkommen schwieriger werden, an den Grenzen werde es sicher Verwerfungen geben.

12/16/2020, 12:52 PM

Die Arbeitshypothese des √∂sterreichischen Wirtschaftsdelegierten in London bleibt unver√§ndert: Es kommt in letzter Sekunde zu einer Einigung im Poker um einen Nach-Brexit-Vertrag zwischen Gro√übritannien und der EU. "Aber auch wenn es zuletzt doch eine Ann√§herung beim wichtigen Thema 'Level-Playing-Field' gab, steht ein Scheitern im Raum", sagt der WK√Ė-Wirtschaftsdelegierte in London, Christian Kesberg, im Gespr√§ch mit der APA.

Gute Chancen

Die bei den Briten so wichtigen Buchmacher sehen derzeit eine 70-Prozent-Chance auf eine Einigung. Das freilich d√ľrfte vom Brexit betroffene √∂sterreichische Unternehmen wenig interessieren. "Von gro√üer Bedeutung f√ľr viele √∂sterreichische Firmen w√§re ein Freihandelsabkommen", sagt Kesberg. "Oder eine Basis f√ľr vern√ľnftige √úberbr√ľckungsma√ünahmen. Verwerfungen an der Grenze werden auf jeden Fall entstehen."

Denn auch wenn es einen Deal geben sollte, bleibe nicht alles beim Alten, sagt der Wirtschaftsdelegierte. √úberbr√ľckungsma√ünahmen w√§ren mit einem Deal leichter umsetzbar. "Dann ist man freundlich zueinander."

Jene heimischen Unternehmen, die intensiv in Großbritannien tätig seien, hätten ihre Hausaufgaben definitiv gemacht, so Kesberg. Rund 250 haben Niederlassungen bei den Briten. Etwa dieselbe Zahl treibt regelmäßig Liefergeschäfte. Weitere rund 500 sind sporadisch auf der Insel tätig. Vom Geschäftsvolumen her seien 95 Prozent der Firmen bestmöglich vorbereitet.

Förmliche Zollverfahren

Vor allem f√ľr letztere wird es komplizierter, ihre Gesch√§fte weiter zu t√§tigen. Unm√∂glich werde dies aber nicht. "Es ist alles machbar." Beispielsweise Interneth√§ndler brauchen k√ľnftig eine steuerliche Registrierung. Und auf Exporteure kommen f√∂rmliche Zollverfahren zu - egal ob mit oder ohne Freihandelsabkommen. Firmen ohne Niederlassung in Gro√übritannien brauchen einen Zollspediteur. "Den muss man nat√ľrlich bezahlen", sagt Kesberg.

Der Sozialversicherungsschutz bei Dienstreisen und Entsendungen sei noch ein Graubereich wie auch der Datenschutz im Datenverkehr zwischen Niederlassung und Sitz einer Firma. Offen ist beispielsweise auch noch, wie ein heimischer Tischler f√ľr einen heimischen K√ľchenhersteller in London eine K√ľche einbauen kann. Aus derzeitiger Sicht ist das nur mit eigenem Personal des K√ľchenherstellers okay.

Lehrst√ľck

Auf die Frage, wovon die Verhandlungen vor allem abh√§ngen, sagt der Wirtschaftsdelegierte, dass es um die Vorg√§nge im Kopf des konservativen britischen Premiers Boris Johnson gehe. "Es geht darum, was f√ľr ihn innenpolitisch vern√ľnftig ist." Der volkswirtschaftliche Unterschied zwischen Abkommen oder Nicht-Abkommen sei gering. Ohne Abkommen k√∂nne er die Schuld der EU unterschieben, wenn er ein Abkommen hat, sei er daf√ľr aber mitverantwortlich.

Dazu k√§men viele "ultraorthodoxe Brexit-Bef√ľrworter" in den Reihen seiner Tories, die mit der Coronapolitik Johnsons nicht zufrieden seien, die es aber gelte zufriedenzustellen. "Es handelt sich um ein nat√ľrlich viel tragischeres als komisches tragikomisches Lehrst√ľck einer Revolution des Nationalpopulismus gegen√ľber der liberalen Demokratie", so Kesberg. "Ein Verlustgesch√§ft f√ľr alle."

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