Wirtschaft
24.03.2017

Minister zu Fleischskandal: "Das Schlimmste ist vorüber"

Der brasilianische Agrarminister Blairo Maggi ist im Gammelfleischskandal um Schadensbegrenzung bemüht. EU schlägt temporären, freiwilligen Verzicht auf Fleischexporte an EU-Länder vor.

Im Gammelfleischskandal in Brasilien ist nach Einschätzung von Agrarminister Blairo Maggi das "Schlimmste vorüber". Brasilianische Produkte seien ungefährlich und das Problem überschaubar, sagte er am Donnerstag in einem Interview. "Ich denke, das Schlimmste in diesem Prozess ist vorüber", fügte der Minister hinzu. Alle beteiligten Länder zeigten einen "guten Willen" im Umgang mit dem Skandal. Das Bemühen um Schadensbegrenzung folgt unmittelbar auf die Forderung der Europäischen Union, Brasilien solle seine Fleischexporte an EU-Mitgliedsländer freiwillig aussetzen.

Der Gammelfleischskandal in Brasilien war vor rund einer Woche bekanntgeworden. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden sollen bestochen worden sein, um den Verkauf von verdorbenem Fleisch zuzulassen. Die Europäische Union forderte daraufhin von Brasilien, Fleischlieferungen von Firmen in die Mitgliedstaaten auszusetzen, die in den Skandal verstrickt sind. China und Chile verhängten einen vorläufigen Importstopp. Brasilien ist der weltgrößte Exporteur von Rindfleisch.

Konzern setzt Rindfleischproduktion aus

Der von dem Skandal betroffene Konzern JBS, der zu den Weltmarktführern der Fleischproduzenten zählt, kündigte zudem am Donnerstagabend an, die Rindfleischproduktion in 33 seiner 36 Fabriken für drei Tage auszusetzen. Agrarminister Maggi zufolge sind wegen der Affäre Umsätze in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (rund 1,4 Milliarden Euro) in Gefahr.

Zugleich zeigte sich der Minister zuversichtlich: Alle beteiligten Länder zeigten "guten Willen". Sie hätten verstanden, dass sie wegen der über Jahre angewandten Prozeduren und Kontrollmechanismen "sicher sein können, dass unsere Produkte gut sind". Zudem müssten "zwei Dinge getrennt werden": Es habe zwar korrupte Beamte gegeben, jedoch habe das nichts mit der Qualität der Produkte zu tun, vor allem nicht mit den für den Export bestimmten.

Schon vor einigen Tagen hatte sich die brasilianische Regierung in dem Skandal um Schadensbegrenzung bemüht. Die Vorwürfe beträfen nur "sehr wenige Betriebe" und die brasilianische Fleischindustrie stelle kein größeres Problem dar, sagte Präsident Michel Temer am vergangenen Wochenende.

EU fordert von Brasilien freiwilligen Verzicht

Die Europäische Union fordert von Brasilien eine freiwillige Aussetzung der Fleischexporte in EU-Mitgliedsländer. EU-Diplomaten sagten am Donnerstag in Brasilia der Nachrichtenagentur Reuters, mit einem freiwilligen Verzicht könne Brasilien ein Importverbot verhindern.

Die EU-Kommission hat in dieser Woche bereits die Einfuhr von Produkten aus vier brasilianischen Fleischverarbeitungsanlagen untersagt. EU-Experten treffen sich an diesem Freitag in Brüssel, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Die brasilianische Polizei wirft einigen Konzernen nach einer Razzia am Wochenende vor, vergammelte und überalterte Fleischprodukte auf den Markt gebracht zu haben. Die Regierung sprach daraufhin von Einzelfällen und betonte, die Qualität des Fleisches aus heimischer Produktion stehe nicht grundsätzlich in Zweifel.

Das Land ist mit einem jährlichen Ausfuhrvolumen von umgerechnet mehr als elf Milliarden Euro der größte Rindfleischexporteur der Welt. Die Fleischbranche ist einer der wenigen florierenden Wirtschaftssektoren im rezessionsgeplagten Brasilien.